Shopping mit KI – aber sicher! Agentic AI: So sieht ein IT-Schutzrezept für Händler aus

Ein Gastbeitrag von Stephan Schulz 5 min Lesedauer

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Agentic AI hält Einzug in den E-Commerce und befüllt schon Warenkörbe – mit erheblichen Auswirkungen auf die IT-Sicherheit. Händler brauchen einen neuen Ansatz.

(Bild:  © AntonKhrupinArt/stock.adobe.com)
(Bild: © AntonKhrupinArt/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Agentische KI im E-Commerce: Im Gegensatz zu klassischen KI-Agenten agiert agentische KI weitgehend autonom. Das eröffnet enorme Potenziale für Kundenbindung und Wettbewerb – wirft aber zentrale Fragen zu Rückverfolgbarkeit, Verantwortlichkeit und Governance auf. Und zur IT-Security.

Neue Bedrohungslage: Reseller-Bots lösen bereits jeden fünften Add-to-Cart-Vorgang aus. Künftig werden Angreifer Bots verstärkt einsetzen, um Cyberangriffe auf große Sprachmodelle (LLMs) im Backend zu skalieren und gezielt agentische Workflows zu attackieren.

Security-Konzept für Händler: Erforderlich ist ein durchgängiger Sicherheitsansatz vom Pilot- bis zum Produktivbetrieb: proaktive Angriffstests, kontinuierliche Laufzeitüberwachung, zentralisierte KI-Guardrails sowie „Human-in-the-Loop“-Kontrolle.

Das Potenzial agentischer KI ist im E-Commerce enorm. Im Gegensatz zu klassischen KI-Agenten agiert sie weitgehend autonom und trifft eigenständig Entscheidungen. Für dieses maschinengesteuerte Einkaufen entwickeln Händler spezialisierte Tools und passen ihre Infrastruktur entsprechend an. Personal-Shopping-Agenten vergleichen Preise, treffen Produktauswahlen, befüllen Warenkörbe und schließen Käufe ab. Doch mit den Vorteilen für Kundenbindung und Wettbewerb steigen auch die Sicherheitsanforderungen erheblich. Die Autonomie agentischer KI wirft zentrale Fragen zu Rückverfolgbarkeit, Verantwortlichkeit und Governance auf.

Werden Risikostrategien und Sicherheitsmaßnahmen nicht an die spezifische Architektur und das Verhalten autonomer Agenten angepasst, entsteht ein erhebliches Unternehmensrisiko.

Stephan Schulz, Senior Principal Solutions Engineer – Strategic Accounts bei F5

Notwendig: KI-Risikostrategien für Onlinehändler

Der Onlinehandel gehört bereits zu den am stärksten von fortgeschrittenen Angriffen auf Web- und mobile APIs betroffenen Branchen. Reseller-Bots lösen schon heute jeden fünften Add-to-Cart-Vorgang aus, so eine Analyse von F5 Lab. Künftig werden Angreifer Bots verstärkt einsetzen, um Cyberangriffe auf große Sprachmodelle (LLMs) im Backend zu skalieren. Gleichzeitig entwickeln Hackergruppen, die bereits wichtige Onlinedienste wie Click-to-Collect bei großen Einzelhändlern lahmgelegt haben, ihre Taktiken, Techniken und Verfahren (TTPs) gezielt weiter, um agentische Workflows anzugreifen.

Einzelhändler benötigen deshalb einen neuen Sicherheitsansatz für den Einsatz agentenbasierter KI. Werden Risikostrategien und Sicherheitsmaßnahmen nicht an die spezifische Architektur und das Verhalten autonomer Agenten angepasst, entsteht ein erhebliches Unternehmensrisiko.

Herkömmliche Sicherheits-Tools greifen nicht mehr

In klassischen Client-Server-Architekturen mit überwiegend Nord-Süd-Datenverkehr konnten etablierte Sicherheitsansätze Risiken wirksam eindämmen. Der Fokus lag auf dem Schutz des Perimeters, etwa durch Netzwerk- und Web Application Firewalls sowie durch statische und dynamische Tests.

Mit der rasanten Anwendungsmodernisierung, dem Aufstieg API-basierter Systeme und hochvernetzter KI-Ökosysteme hat sich die Lage grundlegend geändert: Die Angriffsfläche wächst, während Machine-to-Machine-Verkehr (Ost-West) exponentiell zunimmt. Hinzu kommen neue Schnittstellen wie Natural Language Processing (NLP) und zunehmend agentische KI-Systeme, die die Komplexität und das Risikopotenzial weiter erhöhen.

Zwar sind bestehende Paradigmen wie Defense in Depth nach wie vor anwendbar, da neuartige KI-Angriffe auf das Frontend oft zu klassischen Exploits wie Remote Code Execution (RCE) im Backend führen. Doch etablierte Sicherheits-Best-Practices wie Ethical Disclosure, bestehende Frameworks wie Common Vulnerabilities and Exposures (CVEs) und die behördliche Aufsicht können im Wettrüsten der agentischen KI kaum mithalten.

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