Ein Blick in die Praxis

ERP-Projekt: Wie Braun Büffel seine Systeme eindampfte – und was dabei fast schiefging

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Die konkreten Schritte – und warum die Reihenfolge entscheidend war

Ein ERP-Roll-out dauert drei bis fünf Jahre, wenn man es richtig macht. Diese Zeit auf den Kunden und den Umsatz zu übertragen ist keine Option. Deshalb haben wir einen pragmatischen Pfad gewählt: Zuerst das Shop-System, dann das ERP.

Schritt 1: Shop-System wechseln. Wir haben 2024 von Magento zu Shopify Plus gewechselt. Der Grund war nicht Technikbegeisterung, sondern Tempo. Magento war für unsere Bedürfnisse weniger gut geeignet, wir sind ein sehr kleines E-Commerce-Team, man braucht dafür Entwickler. Shopify gibt uns die Flexibilität, mit einem fünfköpfigen Digital-Team Dinge zu tun, für die andere Unternehmen unserer Größe externe Agenturen brauchen. Als konkretes Beispiel: Heute kann ich mit unseren KI Frontend-Schnittstellen des Shops in Minuten anpassen – was früher ein Programmierprojekt für 10.000 Euro war. Der Shop war zweimal in Folge unter den Top 5 beim Shop Usability Award. Betreut von einer Person.

Schritt 2: Produktdaten und Service konsolidieren. Sieben Systeme haben wir durch ein Shop-System mit Add-ons ersetzt, inklusive Whatsapp-Kanal mit Hilfe von Chatarmin, CRM-Komponente und einer Kommunikationsplattform, die alle Ticketsysteme, E-Mails, Kontaktformulare und eingehende Nachrichten orchestriert. Zwei Mitarbeiter im Service verstehen damit auf einen Blick, welche Touchpoints ein Kunde hat. Das war der tatsächliche Einstieg als Omnichannel-Brand.

Schritt 3: ERP als Herzstück. Jetzt, kurz nach dem Go-live, schließt sich der Kreis. Das neue ERP (Enventa) integriert ein Produktinformationssystem, das als einzige Datenquelle für alle Produkte dient. Manuelle Fehlerquellen von der Wareneinlagerung bis zum Versand werden eliminiert. Auf Marktplätzen wie Zalando sind Lieferscheine und Rechnungen im vorgeschriebenen Design eine Grundvoraussetzung – mit dem alten SAP nicht möglich, jetzt abgebildet. Die Logistikkapazität haben wir allein durch die Systemumstellung vervierfacht, bei gleichzeitig gesunkener Fehlerquote. Übersetzungen für internationale Märkte, regulatorische Anforderungen, Zertifikate: dokumentiert. Die Grundlage für Internationalisierung ist damit erstmals vorhanden.

KI ist keine monolithische Entität, die man einführt. Es sind viele einzelne Modelle, die jeweils mit den eigenen Daten für spezialisierte Aufgaben trainiert werden müssen.

Artur Wagner, Chief Digital Officer bei Braun Büffel

KI: kein Hype, sondern Hebel

Ich sage das ohne Bescheidenheit: Wer als Unternehmen mit digitalem Geschäft für Übersetzung, Bild- und Texterstellung keine KI einsetzt, verbrennt Geld. Das ist keine These, das ist Arithmetik.

Wir nutzen KI auf vier Ebenen: Content Creation, Trendanalyse, Service-Prozesse und Shop-Entwicklung. Im Videobereich kommen diverse KI-Tools  zum Einsatz. Trendanalysen helfen uns zu verstehen, welche Styles und Farben sich gerade ankündigen, bevor sie im Mainstream ankommen. Denn bis zur Fertigstellung einer Kollektion vergehen Monate. Als Apple ankündigte, für die Apple Watch keine Lederarmbänder zu produzieren, haben wir innerhalb kürzester Zeit Leder-Straps für die Apple Watch entwickelt, was super erfolgreich lief. Das ist der Vorteil des Schnellboots gegenüber dem Tanker.

Wichtig dabei: KI ist keine monolithische Entität, die man einführt. Es sind viele einzelne Modelle, die jeweils mit den eigenen Daten für spezialisierte Aufgaben trainiert werden müssen. Unsere eigenen GPTs betreiben wir intern, um sensible Daten zu schützen. Und Datenqualität ist die Voraussetzung für alles: Wir investieren erheblich Zeit darin, bereits im Prozess der Produktentwicklung sicherzustellen, dass die richtigen Daten erfasst werden – Zielgruppe, Produktvorteile, Maße. KI kann keine schlechten Daten reparieren. Sie verstärkt, was vorhanden ist, im Guten wie im Schlechten.

Eine konkrete Zahl zur Einordnung: Unsere Datenstrategie erfüllt heute etwa 60 Prozent der Anforderungen planbar. Die restlichen 40 Prozent entstehen im aktiven Doing. Denn Omnichannel ist dynamisch und Marktplätze haben andere Datenanforderungen als der eigene Shop.

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