ECommerce Masterminds Podcast

Marktplätze statt Shops: Strategien für erfolgreiche Händler

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Social Commerce, künstliche Intelligenz & Konkurrenz aus Fernost

Live-Commerce –das ist quasi euer Social Commerce?

Andreas Häntsch: Ja, genau. Händler können live auf eBay streamen und direkt auf die Konsumenten eingehen. Die Käufer können im guten alten Auktionsformat innerhalb von Sekunden oder wenigen Minuten kaufen, je nachdem wie der Händler das einstellt. Der Trend kommt ganz stark aus Asien – in China findet mehr als 95 Prozent des E-Commerce über Live-Commerce statt. In den USA ist es ebenfalls sehr stark nachgefragt, und jetzt kommt der Trend verstärkt in Deutschland an. Ich glaube, das wird in den nächsten Monaten und Jahren sehr spannend, und wir sehen deutliche Wachstumsraten.

Was brauche ich als Händler, um beim Live-Shopping erfolgreich mitmischen zu können?

Andreas Häntsch: Zunächst sollte man sich bei uns anmelden, denn wir lassen aktuell noch nicht jeden auf die Plattform. Das hat mit dem Qualitätsanspruch zu tun – wir möchten sehen, ob der Händler schon Live-Erfahrung hat und was für ein Setup er mitbringt. Aber nicht jeder muss gleich Erfahrung haben: Wir beraten und nehmen Händler an die Hand. An Hardware braucht man eine Kamera – besser noch zwei, wobei ein Smartphone reicht –, ein Mikrofon und vor allem viel Lust zum Ausprobieren und sich Präsentieren.

Wir rollen das Ganze Kategorie für Kategorie aus und starten mit den typischen Enthusiasten-Kategorien. Sammeln und Seltenes, etwa Trading Cards, waren zuerst dran. Dann Sneakers, Luxus – und jetzt haben wir auch erste Erfahrungen im Hardware-Bereich: Liqui Moly hat gerade den ersten Livestream gemacht, mit klassischem Autozubehör und Pflegeprodukten.

Perspektivisch sehe ich kaum eine Kategorie, die nicht für Live-Commerce interessant sein kann. Überall dort, wo eine Community existiert, ist es naheliegend – die Leute kommen zusammen, tauschen sich aus, feiern, dass jemand etwas ersteigert hat. Aber ich kann mir das auch sehr gut für erklärungsbedürftige oder hochpreisige Produkte vorstellen. Wenn ich erklären muss, warum eine Matratze tausend Euro kostet, obwohl es auch eine für hundert gibt, dann ist Live-Commerce das perfekte Format dafür. Und Live-Commerce ist eben auch Unterhaltung – nicht jeder kommt unbedingt mit einer Kaufabsicht zu einem Livestream, aber der eine oder andere Deal geht dann trotzdem nebenbei über den Tisch.

Ich bin für Konkurrenz, aber es sollte ein Level Playing Field sein – jeder muss nach den gleichen Regeln spielen. Das habe ich in der Vergangenheit nicht immer gesehen. Da würde ich mir mehr Signale von der Politik wünschen. Aber es kommt jetzt auch ein bisschen was in Bewegung.

Andreas Häntsch, Senior Director Seller Engagement bei eBay Deutschland und Mitglied des eBay Deutschland Leadership Teams

In den vergangenen anderthalb Jahren habe ich kaum ein Gespräch geführt, in dem nicht das Wort künstliche Intelligenz fiel. Auch heute kommen wir nicht drum herum. Wie verändert KI konkret das eBay-Erlebnis – für Käufer und Verkäufer?

Andreas Häntsch: Künstliche Intelligenz steckt bei uns eigentlich schon immer drin. Die Suche zum Beispiel wird zunehmend personalisiert – da ist immer mehr KI im Spiel, die basierend auf Suchbegriffen genau ausspielt, welche Produkte der Käufer sieht. Spannend ist das Ganze vor allem aus Verkäufersicht. Da versuchen wir, Effizienz für unsere Händler zu schaffen. Wir haben beispielsweise KI bei der Listing-Erstellung: In einigen Kategorien braucht man eigentlich nur noch ein Foto hochzuladen – gerne auch mehrere im Bulk –, und die KI legt das komplette Listing an. Titel, Beschreibung, Attribute. Als Händler sollte man aber trotzdem noch einmal darüber schauen, denn KI kann bekanntlich auch mal halluzinieren – aber das wird immer besser.

Oder denken Sie an die Kundeninteraktion: Wir haben ein eigenes Messenger-System in der eBay-App. Vielleicht kommen zu einem bestimmten Produkt immer wieder die gleichen Anfragen. Die KI kann dann basierend auf den Produktdaten bestimmte Fragen bereits beantworten. Das spart Händlern viel Zeit.

Jetzt müssen wir unbedingt noch über die neue Konkurrenz sprechen. Die Marktplätze aus Fernost – Temu, Shein und AliExpress – kamen im ersten Quartal auf knapp fünf Prozent Marktanteil in Deutschland und wachsen etwa viermal so schnell wie der restliche Onlinehandel. Was meinst Du, ist das eine nachhaltige Bedrohung für die etablierten Player oder ein vorübergehender Hype?

Andreas Häntsch: Zum einen zeigt es, dass weiterhin sehr viel Dynamik im Marktplatzgeschäft steckt – das ist vielleicht das Positive daran. Ich scheue überhaupt keine Konkurrenz, ganz im Gegenteil: Konkurrenz macht uns besser. Ich glaube, dass sich langfristig die Themen Vertrauen, Qualität und Verlässlichkeit durchsetzen werden. Und ansonsten kann ich nur hoffen, dass die Politik die richtigen Signale setzt. Ich bin für Konkurrenz, aber es sollte ein Level Playing Field sein – jeder muss nach den gleichen Regeln spielen. Das habe ich in der Vergangenheit nicht immer gesehen. Da würde ich mir mehr Signale von der Politik wünschen. Aber es kommt jetzt auch ein bisschen was in Bewegung.

Die chinesischen Plattformen punkten vor allem über den Preis. Wie kann eBay wettbewerbsfähig bleiben, ohne dass eine Preisspirale nach unten entsteht?

Andreas Häntsch: Reiner Preiskampf ist keine nachhaltige Strategie. Wie gesagt, ich setze stark auf ein Level Playing Field und auf den Regulator. Ansonsten besinnen wir uns auf unsere Stärken. Auch aus Konsumentensicht wird zunehmend wahrgenommen, was eine nachhaltige Strategie ist. Und da setze ich auf Qualität, auf das Vertrauen in den Marktplatz und auf Verlässlichkeit. Ich glaube, da sind wir ganz gut aufgestellt.

Zum Schluss ein Blick in die Glaskugel: Wo siehst du eBay Deutschland in fünf Jahren? Und wie wird sich die Marktplatzlandschaft bis dahin verändert haben?

Andreas Häntsch: Fünf Jahre sind ein langer Zeitraum im Marktplatzgeschäft. Aber die Marktplätze werden weiter wachsen – da bin ich mir ziemlich sicher. Wir fokussieren uns auf unsere Stärken, also all die Bereiche, die ich gerade genannt habe. Und allein darin sehen wir ein Wahnsinnspotenzial.

Was ich vielleicht noch ergänzen sollte: Auch unser C2C-Geschäft, also der private Verkauf, ist ein wichtiger Wachstumstreiber. Das mag für gewerbliche Händler auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig klingen, aber wir sind als eBay ein Ökosystem, das davon profitiert. Private Verkäufer sind die besten Konsumenten – und das ist ein Flywheel, das wir in Gang gesetzt haben und das auch das Geschäft für gewerbliche Händler unterstützt.

Darüber hinaus sind es genau die Themen, die ich vorhin angesprochen habe: der anhaltende Trend zu Refurbished, starkes Wachstum durch Live-Commerce und die vielen Fokuskategorien. Insofern sehe ich uns gut aufgestellt für ein sehr gutes Wachstum als Marktplatz.

Ebay – Marktplätze – E-Commerce – Ecommerce Masterminds PodcastKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und das DIGITAL BUSINESS MAGAZIN. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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