63 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen KI, aber nur 15 Prozent transformieren ihre Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle. Der Einsatz von KI kann bessere Kundenerlebnisse schaffen und den Arbeitsalltag neu gestalten. Doch der Unterschied zwischen Anwendung und Transformation liegt im Zukunftsbild.
Künstliche Intelligenz ist in deutschen Unternehmen angekommen. Laut einer aktuellen Studie von Strand Partners im Auftrag von Amazon Web Services nutzen 63 Prozent der deutschen Unternehmen KI. Damit liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt von 54 Prozent. Doch nur 15 Prozent erreichen einen transformativen Einsatz von KI. Aus Sicht der Technologieberatung Slalom liegt der Grund dafür vor allem im deutschen Effizienzdenken.
„KI ist in den meisten Unternehmen angekommen. Aber nur wenige schaffen den Übergang von Pilotprojekten oder Assistenten zum transformativen Einsatz. Wer durch den Einsatz von KI Arbeitsweisen verändern und Geschäftsmodelle durch neue Kundenerlebnisse, Produkte und Services transformieren will, braucht ein klares Bild davon, wie Kunden und Mitarbeiter in drei bis vier Jahren mit dem Unternehmen agieren sollen“, erklärt Dr. Stephan Theis, Managing Director Go-to-Market bei Slalom Germany.
Einsatz von KI: Zielbild kommt vor dem Werkzeug
Oft starten KI-Programme, indem sie auf bestehende Prozesse aufgesetzt werden. Unternehmen erzielen dann mit einzelnen Werkzeugen und Anwendungsfällen Effizienzgewinne. Eine Studie von Slalom unter 161 Führungskräften in Deutschland und 2.000 Führungskräften weltweit zeigt: 78 Prozent der deutschen Befragten betrachten KI als Werkzeug für Kostenreduktion und betriebliche Effizienz. Nur 39 Prozent sehen darin einen Katalysator, ihr Geschäftsmodell neu zu denken. International liegt dieser Anteil bei 48 Prozent.
Dr. Stephan Theis ist Managing Director Go-to-Market bei Slalom Germany.
(Bild: Slalom Germany)
Stephan Theis berichtet: „Unternehmen freuen sich, wenn sie einzelne Prozesse verbessern, dedizierte Tätigkeiten automatisieren und Kosten senken. Das ist unternehmerisches Einmaleins. Die eigentliche Innovation folgt auf eine klar formulierte Vision. Wer KI lediglich aus der Perspektive von Kosten und Zeitgewinnen betrachtet, nutzt ein mächtiges Gestaltungswerkzeug wie einen Taschenrechner.“ Führungskräfte müssen festlegen, welches Geschäft sie durch den Einsatz von KI aufbauen wollen und wie interne Prozesse neu zu gestalten sind, um besser und vernetzter zu arbeiten. Die Technologie folgt diesen Entscheidungen. Wer dagegen mit einer Liste von Werkzeugen startet, optimiert meist den Status quo.
Wer KI lediglich aus der Perspektive von Kosten und Zeitgewinnen betrachtet, nutzt ein mächtiges Gestaltungswerkzeug wie einen Taschenrechner.
Dr. Stephan Theis, Slalom Germany
Piloten entstehen, Transformation folgt selten
Die Studie „Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2026“ von KPMG zeichnet ein ähnliches Bild: 97 Prozent der Unternehmen halten KI für relevant für ihr Geschäftsmodell und ihre Wertschöpfung, doch weniger als ein Prozent hat KI über alle betrachteten Bereiche hinweg vollständig und systematisch integriert.
„KI-Piloten sind schnell aufgesetzt, indem ein Team ein Problem mit einem Tool löst. Um das transformative Potenzial von KI in der Breite zu heben, bedarf es jedoch einer radikalen Änderung der Perspektive: weg vom einzelnen Anwendungsfall hin zum Ende-zu-Ende-Prozess. Für die Entscheidungsfindung müssen Führungskräfte ihre Unternehmensstrategie auf die Chancen und Risiken von KI überprüfen und adaptieren. Diese Arbeit führt in jedem Fall transformative Elemente mit sich“, betont Stephan Theis.
Nach der Pilotphase sind daher zwei Aspekte zu berücksichtigen: Unternehmen müssen prüfen, ob das Vorhaben das Zielbild unterstützt und ob es mehr verändert als den Arbeitsablauf einer einzelnen Abteilung oder Rolle. Die Auswahl von Technologie und Plattform, die Etablierung neuer Prozesse und Mitarbeiterbefähigung folgen danach.
Einsatz von KI: Experimentieren als Arbeitsmethode
Eine tragfähige Vision entsteht selten in Konferenzräumen. Die technologischen Transformationen vergangener Jahre haben gezeigt: Erst wenn Menschen die Technologie verinnerlicht haben, beginnt der eigentliche Wandel. Neugier und Erkundungsbereitschaft müssen unter diesen Umständen Teil der Unternehmenskultur werden. Unternehmen schaffen das Fundament für Transformation, wenn sie Experimentierzeit bereitstellen, klare Leitplanken definieren und erfolgreiche Ansätze durch Anreize belohnen. Die Mitarbeiter müssen den Einsatz von KI vollziehen, Grenzen austesten und neue Möglichkeiten im Arbeitsalltag entdecken. Dabei braucht Neugier zwar Raum, aber keinen Dauer-Pilotbetrieb. Führungskräfte müssen Experimente an konkrete Probleme binden, Ergebnisse sichtbar machen, erfolgreiche Ansätze schnell skalieren und Vorhaben ohne Perspektive beenden.
Stand: 16.12.2025
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Stephan Theis erklärt abschließend: „Innovative Ideen entstehen selten zwischen zwei Status-Calls. Unternehmen müssen KI-Experimentierräume fest in den Arbeitsalltag einbauen und ihnen ein klares Ziel geben, das auf die Vision einzahlt. Dann können die Teams konkrete Probleme angehen, schnell lernen und die wenigen starken Ideen in die Breite der Organisation bringen. Auf diese Weise entsteht Fortschritt und Transformation.“