Interview

Boom von Temu & Co.: Chancen auch für europäische Händler?

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Onboarding & Preisgestaltung bei Temu

Blicken wir noch einmal auf Temu. Wie lief denn da das Onboarding? Wie muss man sich das zeitlich und organisatorisch vorstellen? Wie lange habt ihr gebraucht für den Aufbau?

Thorben Bollmann: Insgesamt verlief das alles relativ klassisch – man erledigt die Händlerregistrierung, Vertragsabschluss, Abstimmung mit den Account Managern zu Sortiment und Logistik und so weiter.

Eine Besonderheit gab es bei den Produkt-Listings: Temu ist der erste Marktplatz bei uns, den wir komplett mit künstlicher Intelligenz gelistet haben. Mittlerweile haben wir auch noch zwei, drei andere Marktplätze nur mit KI gelistet.

Was das Onboarding angeht, fährt Temu aber einen recht pragmatischen Ansatz: Da gab es eine direkte Kommunikation beispielsweise über einen großen WhatsApp-Chat. Da waren IT-Leute von denen drin, Account Manager et cetera. Wenn da irgendwelche Probleme auftauchten, dann haben meine Leute einfach in den Chat geschrieben und es wurde uns dann relativ schnell geholfen. Das habe ich so ohne Ticket-System auch noch nicht erlebt, aber hat überraschend gut funktioniert.

Wenn da irgendwelche Probleme auftauchten, dann haben meine Leute einfach in den Chat geschrieben und es wurde uns dann relativ schnell geholfen. Das habe ich so ohne Ticket-System auch noch nicht erlebt, aber hat überraschend gut funktioniert.

Thorben Bollmann, CEO von premiumXL

Aber es gab da sicher doch auch die eine oder andere Hürde, oder?

Thorben Bollmann: Temu ist natürlich ein Unternehmen mit chinesischen Wurzeln – deshalb sind manche Plattformlogiken etwas anders als bei europäischen Marktplätzen. Das mussten meine Schnittstellen-Entwickler erst ein bisschen verstehen und ein paar Sachen waren auch noch in der Beta-Phase. Gerade wenn man zum Beispiel in mehreren Ländern verkauft – da gab es dann manchmal auch so ein paar Bugs, die wir dann aber gemeinsam geklärt haben.

In welchen Ländern funktioniert denn Temu besonders gut? Gibt es da große Unterschiede in Europa oder?

Thorben Bollmann: Deutschland ist gut, Osteuropa ist gut und danach kommen Frankreich und Italien. Grundsätzlich ist auf Temu das Verhältnis relativ ähnlich wie auch auf anderen Marktplätzen.

Wie haltet ihr es denn mit den Preisen? Fahrt ihr Preisparität über alle Marktplätze oder kanalspezifische Strategien?

Thorben Bollmann: Die Preis- und Promotionsmechanik ist auf Temu eine ganz andere, auch was das Commission-Modell angeht. Klassischerweise ist es ja bei Marktplätzen so, dass sie eine prozentuale Provision auf den Verkauf erhalten. Die Preis- und Promotionsmechanik ist auf Temu anders als bei klassischen Marktplätzen. Üblicherweise legen Händler den Verkaufspreis fest und der Marktplatz nimmt eine prozentuale Provision. Bei Temu definieren wir im Prinzip einen Nettoverkaufspreis, zu dem wir liefern können. Temu übernimmt dann die Endkundenpreisgestaltung auf der Plattform – inklusive Kampagnen- und Deal-Logik. Entscheidend ist für uns, dass wir auf Basis des vereinbarten Preises unsere Zielmargen sauber kalkulieren können.

Die Preis- und Promotionsmechanik ist auf Temu eine ganz andere, auch was das Commission-Modell angeht. 

Thorben Bollmann, CEO von premiumXL

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen?

Thorben Bollmann: Wir haben damit weniger operative Preissteuerung im Alltag. Bei Temu läuft viel über Deals. Das bedeutet, dass man auch ein bisschen Spielraum einbauen muss. Temu optimiert am Ende den Endkundenpreis dynamisch eben über diese Kampagnen und Deals und macht tatsächlich auch das Marketing für uns. Das bedeutet, dieses Delta zwischen unserem Einkaufspreis und dem Endkundenpreis, das ist quasi die Marge, mit der Temu arbeitet und mit der dann zum Beispiel auch Kampagnen gesteuert werden.

Ihr habt also viel weniger Arbeit im Gegensatz zu anderen Marktplätzen?

Thorben Bollmann: Der operative Pricing-Aufwand im Alltag ist geringer, weil Temu viel über Deals und Kampagnen steuert. Dafür muss man in der Vorbereitung die Kalkulation sehr sauber aufsetzen – sonst funktioniert das Modell nicht.

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