Mehrwegverpackungen im E-Commere: Deutsche Verbraucher sind offen dafür

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 3 min Lesedauer

Jede zweite Online-Käufer würde Mehrwegverpackungen gegenüber konventionellen Einwegkartonagen bevorzugen. Damit wäre die in der Ausrichtung des Rates zur EU-Verpackungsverordnung aktuell geplante Mehrwegversandquote von mindestens 50 Prozent ab 2040 theoretisch erfüllbar, zeigt eine neue Umfrage von Civey im Auftrag des bevh.

(Quelle:  Maksym Yemelyanov - Adobe Stock)
(Quelle: Maksym Yemelyanov - Adobe Stock)

Das Marktforschungsinstitut Civey hat im Auftrag des bevh Verbraucher befragt, ob sie für den Versand von Online-Bestellungen lieber Kartons, Plastiktüten oder Mehrwegverpackungen bevorzugen würden. Unter der Maßgabe, dass es entsprechende Lösungen gäbe. Demnach würden sich 36,2 Prozent der Kundinnen und Kunden „eindeutig“, weitere 13,8 Prozent „eher“ für den Mehrwegversand entscheiden. Dem gegenüber stehen nur 11,7 Prozent, die sich „eindeutig“, und weitere 13,1 Prozent, die sich „eher“ weiter mit konventionellen Verpackungen beliefern lassen möchten. Ein Viertel der Befragten war bei der Beantwortung „unentschieden“. Die Einsparmöglichkeiten beim Verpackungsmaterial im Onlinehandel sind enorm. Ist der Einsatz von Versandlösungen mit Mehrwegverpackungen möglich, lassen sich durch neuartige Versandtaschen und Boxen bei 20 und mehr Durchläufen die CO2-Äquivalente um bis zu 98 Prozent reduzieren, im Vergleich zu konventionellen Einwegkartonagen

Mehrwegverpackungen an Verbrauchern ausrichten

Ohne Hemmschwelle ist die Umstellung auf Mehrweg für die meisten Menschen jedoch nicht. Mehrwegverpackungen sind in den meisten Fällen mit einem Mehraufwand für die Verbraucherinnen und Verbraucher verbunden. Denn diese müssen die Versandtaschen und -boxen nach Erhalt der Ware zu einer Annahmestelle zurückbringen, gegebenenfalls gegen Pfand. Danach gefragt, ob die Verbraucher der Nachhaltigkeit zuliebe bereit sind, Mehrwegverpackungen regelmäßig zurückzugeben, antwortet bisher nur ein Viertel (23,8 Prozent) mit Zustimmung, 44,8 Prozent ist „unentschieden“. Auffallend sind dabei die Altersunterschiede. Die niedrigste Zustimmung erreicht die Mehrwegrückgabe bei Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren. Am höchsten ist die Zustimmung bei den 30- bis 39-Jährigen.

„Wenn wir die europäischen Mehrwegziele in den nächsten 16 Jahren erreichen wollen, dann müssen wir die heute 18- bis 29-Jährigen aktivieren, die bis 2040 die größte Käufergruppe stellen und heute noch am wenigsten bereit sind, mitzumachen“, erklärt Alien Mulyk, Leiterin Public Affairs für Europa und Internationales beim bevh.

Zu wenig Rückhalt in Logistikbranche und Politik

Damit die Rückgabe auf mehr Akzeptanz stößt, müssen die Menschen stärker für den Mehrwegversand sensibilisiert und die Rückgabe im Alltag so niedrigschwellig wie möglich gestaltet werden. Hier sieht Alien Mulyk allerdings längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Es reicht nicht, dass der Mehrwegversand nur von Onlinehändlern und den Anbietern der Mehrwegtaschen und -boxen vorangetrieben wird. Bemühungen müssen auch von Verbrauchervertretern und der Logistikbranche kommen. Die Politik muss zudem mehr leisten, als Quoten zu verordnen. Sie muss entsprechende Standards und Anreize schaffen, auch grenzüberschreitend, damit Mehrwegsysteme funktionieren“. Am Ende dürfe keine Vielzahl von Einzellösungen entstehen, sondern ein anbieterübergreifendes System. Diese sollte es den Kundinnen und Kunden ermöglichen, jede Mehrwegverpackung ohne größere Anstrengungen oder Hürden wieder abzugeben.

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) ist die Branchenvereinigung der interaktiven Händler. Neben den Versendern sind dem bevh auch Dienstleister angeschlossen. Nach Fusionen mit dem Bundesverband Lebensmittel-Onlinehandel und dem Bundesverband der Deutschen Versandbuchhändler repräsentiert der bevh rund 90 Prozent des Umsatzes der Branche im Endkundengeschäft. Der bevh vertritt die Brancheninteressen aller Mitglieder gegenüber dem Gesetzgeber sowie Institutionen aus Politik und Wirtschaft. (sg)

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