Onlinehandel unter Druck Fast jeder Shop betroffen: Betrugswelle rollt durch den E-Commerce

Von Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

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Ganze 93 Prozent aller Onlineshops in Deutschland wurden bereits Opfer von Betrug. Und die Hälfte meldet steigende Angriffe. Künstliche Intelligenz könnte den Kampf zwischen Händlern und Kriminellen bald weiter eskalieren lassen.

(Bild:  © Natalia/stock.adobe.com)
(Bild: © Natalia/stock.adobe.com)

Die Zahlen sind alarmierend: 93 Prozent der deutschen Onlineshops wurden bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Studie „Betrug im E-Commerce“ 1), die der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) gemeinsam mit dem Informationsdienstleister Crif durchgeführt hat.

Noch beunruhigender: Fast jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) berichtet von einem weiteren Anstieg der Betrugsrisiken im Vergleich zum Vorjahr. Nur 15 Prozent können einen Rückgang verzeichnen. Für die überwiegende Mehrheit der Händler bleibt die Bedrohungslage also auf hohem Niveau bestehen oder verschärft sich sogar.

„Hase-und-Igel-Spiel“ mit ungewissem Ausgang

Betrugsprävention sei heute wichtiger denn je, warnt Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von Crif Deutschland: „Wer einen Onlineshop betreibt, muss damit rechnen, Opfer von Betrug zu werden“. Er spricht von einem regelrechten Wettrüsten zwischen Händlern und Kriminellen, einem „Hase-und-Igel-Spiel“, bei dem neue Betrugsmaschen und Gegenmaßnahmen in immer kürzeren Abständen aufeinandertreffen. Seine Prognose lässt aufhorchen: Künstliche Intelligenz werde diesen Wettlauf noch weiter anheizen – auf beiden Seiten der Front.

Digitale Identitäten im Fadenkreuz

Identitätsbetrug ist mit 75 Prozent aller Nennungen die mit Abstand häufigste Betrugsform. Kriminelle manipulieren Namens- und Adressdaten (67 Prozent) oder erfinden komplett falsche Identitäten (55 Prozent). Auch sogenannter Account Takeover – die Übernahme fremder Kundenkonten – trifft mit 56 Prozent einen Großteil der Händler.

Neue Betrugstrends nehmen ebenfalls zu: Beim sogenannten Switch Fraud (42 Prozent) schicken Kunden andere Artikel zurück als bestellt, beim Return Fraud (47 Prozent) landen leere Pakete im Retouren-Lager.

Wenn Kaufentscheidungen künftig KI-Agenten treffen

Ein Blick in die Zukunft bereitet den Experten besondere Sorge: Mit dem Aufkommen von Agentic Commerce, bei dem KI-Agenten eigenständig Kaufentscheidungen für Verbraucher treffen,  entstehen völlig neue Betrugsrisiken. Die Frage, wie man Vertrauen und Identität in einer Welt automatisierter Einkäufe prüft, werde laut Crif-Deutschland-Chef Schlein zur zentralen Herausforderung der kommenden Jahre.

Bis zu 100.000 Euro Schaden pro Jahr

Die finanziellen Folgen dieser Betrugsversuche sind für viele Unternehmen erheblich: 15 Prozent der Befragten, also etwa jeder siebte Shop, verzeichnen jährliche Betrugsverluste von über 100.000 Euro. Bei Einzelbestellungen berichten 32 Prozent von Schäden über 2.500 Euro pro Fall.

Der Balanceakt: Sicherheit ohne Kundenfrust

Doch die Shops sind nicht tatenlos: bereits 75 Prozent der Unternehmen setzen auf aktive Betrugserkennung, meist als Kombination aus manuellen und automatisierten Verfahren. Die größte Herausforderung dabei: die richtige Balance zwischen maximaler Sicherheit und einem reibungslosen Einkaufserlebnis zu finden.  Weitere 9 Prozent planen entsprechende Investitionen. Die große Mehrheit verfolgt dabei einen kombinierten Ansatz aus manuellen und automatisierten Verfahren. 93 Prozent der Unternehmen mit Betrugsprävention nutzen beide Ansätze parallel. 

1)  Die Umfrage von Crif und dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) fand von 01. Juni 2026 bis 14. August 2026 statt. An der Umfrage nahmen 76 Händler aus Deutschland teil.

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