Logistik im Wandel

China Speed trifft European Compliance: Globale Lieferketten ordnen den Markt für Logistikimmobilien neu

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Zölle verändern Handelsströme

Auch die zum 1. Juli 2026 in Kraft getretene EU-Zollreform dürfte den internationalen Warenverkehr kaum bremsen. Mit dem Wegfall der 150-Euro-Freigrenze und einer zunächst pauschalen Abgabe von drei Euro je Sendung steigen zwar die Anforderungen an den grenzüberschreitenden Handel, Unternehmen reagieren jedoch erfahrungsgemäß mit Anpassungen ihrer Lieferketten. Ein Blick auf die Auswirkungen der US-Strafzölle bestätigt diese Entwicklung. Trotz veränderter Handelsströme  erhöhten sich die chinesischen Exporte weltweit von 2,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2018 auf knapp 3,6 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 – ein Plus von rund 44 Prozent. 

Europäische Distributionszentren, Retouren-Standorte und Value-Added-Services gewinnen dadurch weiter an Bedeutung. Besonders deutlich lässt sich dieser Trend an der steigenden Flächennachfrage asiatischer Unternehmen ablesen. Bereits im ersten Halbjahr 2026 entfielen rund elf Prozent aller Flächenanmietungen auf Nutzer aus Asien, wobei der Großteil dieser Nachfrage aus China kam. Diese Entwicklung ist keine kurzfristige Erscheinung, sondern Ausdruck der zunehmenden Integration Deutschlands in globale Supply Chains und europäische Distributionsnetzwerke. Chinesische Unternehmen nutzen Deutschland damit nicht nur als Absatzmarkt, sondern zunehmend als Logistik-, Distributions- und Compliance-Standort für Europa.

Chinesische Unternehmen nutzen Deutschland damit nicht nur als Absatzmarkt, sondern zunehmend als Logistik-, Distributions- und Compliance-Standort für Europa.

Christian Kah, Geschäftsführer & Head of Industrial & Logistics bei Colliers

Herausforderungen für Entwickler und Investoren

Die Anforderungen chinesischer Unternehmen unterscheiden sich heute kaum noch von denen anderer internationaler Nutzer: Gefragt sind moderne Gebäude mit hoher Energieverfügbarkeit, ESG-konformer Ausstattung und leistungsfähiger digitaler Infrastruktur. Der entscheidende Unterschied liegt vielmehr im Tempo. Flächenbedarfe entstehen häufig innerhalb weniger Wochen. Für Eigentümer, Projektentwickler und Investoren werden daher drei Faktoren entscheidend: schnellere Entscheidungs- und Vermarktungsprozesse,  eine höhere Bereitschaft zu spekulativen Projektentwicklungen sowie flexible Immobilienkonzepte für die sich wandelnden  Nutzeranforderungen.

Logistikimmobilien entwickeln sich dadurch zunehmend von klassischen Lagerflächen zu einer strategischen Infrastruktur globaler Wertschöpfungsnetzwerke. Wer die Anforderungen der dynamischsten Nutzer frühzeitig versteht, schafft Immobilien, die den Bedürfnissen der nächsten Generation internationaler Lieferketten gerecht werden. China Speed trifft European Compliance steht dabei nicht für einen  Gegensatz, sondern für die Verbindung von Geschwindigkeit und Verlässlichkeit.

LogistikimmobilienChristian Kah
ist Geschäftsführer & Head of Industrial & Logistics bei Colliers.

Bildquelle: Colliers

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