Smarte Logistik Lagersystem: Vom intelligenten Lager zum effizienten Liefernetz

Ein Gastbeitrag von Oliver Köth 2 min Lesedauer

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Zwischen Bestand und Transport, Roboter und Mensch, Lieferant und Kunde fallen in der Logistik täglich tausende Entscheidungen an. Ein KI-basiertes Lagersystem kann viele davon automatisieren. Richtig effizient und resilient wird das System aber erst, wenn aus den einzelnen Prozessen ein wirklich adaptives Liefernetz entsteht.

(Bild:  © Vilaysack/stock.adobe.com)
(Bild: © Vilaysack/stock.adobe.com)

Die Modernisierung der Logistik folgt in der Regel einem einfachen Muster: Ein ineffizienter Prozess wird identifiziert, digitalisiert und anschließend automatisiert. Ein Lagersystem kann heute erkennen, dass ein bestimmter Artikel bald knapp wird, Roboter können Waren autonom transportieren und intelligente Algorithmen die optimale Reihenfolge von Aufträgen berechnen. Punktuelle Effizienzgewinne sind damit garantiert, mehr aber nicht. Denn die heutigen Lieferketten sind hochdynamische Netzwerke. Ein ausgefallener Zulieferer, ein Engpass bei Transportkapazitäten oder eine veränderte Nachfrage haben sofort gravierende Auswirkungen auf die eng getakteten Arbeitsschritte. 

Lagersystem: Von der Prozessautomatisierung zur Orchestrierung

Vor diesem Hintergrund ist ein „intelligentes“ Lager unabdingbar, aber erst ein selbststeuerndes Liefernetz verspricht die Vorteile, die sich Logistiker von ihren Modernisierungsprojekten erhoffen. KI spielt dabei eine wichtige Rolle: Sie kann Zusammenhänge erkennen und daraus Rückschlüsse ziehen. Agentic AI geht noch einen Schritt weiter. Ein KI-Agent würde im Falle einer drohenden Lieferverzögerung zunächst den Status aller relevanten Bestellungen erfassen und die verfügbaren Bestände prüfen. Anschließend könnte er innerhalb definierter Grenzen eine Entscheidung treffen und die notwendigen Prozesse in den angeschlossenen Systemen anstoßen. Physical AI wiederum verschmilzt die Möglichkeiten der KI mit der physischen Welt, sodass Roboter und Fahrzeuge ihre Umgebung in Echtzeit wahrnehmen, verstehen und eigenständig darin handeln können.

Der digitale Zwilling liefert nicht nur eine virtuelle Kopie eines Lagers oder einer Lieferkette. Mit ihm lassen sich auch unterschiedliche Ausgangssituationen und Handlungsoptionen durchspielen.

Oliver Köth

Der digitale Zwilling liefert den Entscheidungsspielraum

Eine solche Logistikkette lässt sich allerdings nur begrenzt auf Basis statischer Daten steuern. Entscheidend ist deshalb die Verbindung von Echtzeitdaten und Simulationen. Hier kommt der digitale Zwilling ins Spiel: Er liefert nicht nur eine detailgetreue virtuelle Kopie eines Lagers oder einer Lieferkette inklusive der Abhängigkeiten zwischen Standorten, Beständen, Transportwegen und Kunden. Mit ihm lassen sich auch unterschiedliche Ausgangssituationen und Handlungsoptionen durchspielen. Das schließt jede erdenkliche Frage ein: Was passiert bei einem Lieferanten- oder Fahrerausfall? Welche Bestände reichen wie lange? Welche Aufträge sollten priorisiert werden? Und welche Alternative verursacht die geringsten Folgekosten?

Lagersystem: IT-Architektur entscheidet

Das führt zu einer IT-Architektur, in der Cloud-, Edge- und On-Premises-Komponenten im Lagersystem zusammenspielen. Daten müssen dort verarbeitet werden können, wo es technisch, wirtschaftlich oder aus Sicherheitsgründen sinnvoll ist. Gleichzeitig wird eine zentrale Steuerungs- und Governance-Ebene benötigt, die Regeln, Modelle und Prozesse über das gesamte Netzwerk hinweg koordiniert. Das Ergebnis ist eine intelligente Orchestrierung aller Arbeitsschritte, um komplexe Liefernetze in Echtzeit verstehen und steuern zu können.

LagersystemOliver Köth
ist Managing Director Technology & Innovation für die DACH-Region bei NTT Data. Er verfügt über eine langjährige Technologie- und Innovationsexpertise und berät Kunden unter anderem zu den Themen Cloud, IoT, KI, Cybersicherheit und Quantencomputing.

Bildquelle: NTT Data

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