IT in der Logistik Die Omnichannel-Illusion: Wenn Fulfillment nur auf dem Papier nahtlos ist

Ein Gastbeitrag von Gerridt Woesmann 4 min Lesedauer

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Viele Händler versprechen nahtlosen E-Commerce, doch ihr Fulfillment über OMS, WMS und TMS bleibt isoliert. Falsch angezeigte Verfügbarkeiten und verschwundene Retouren kosten Vertrauen und Umsatz.

(Bild:  © Val/stock.adobe.com)
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DARUM GEHT'S

Operative Transparenz: Konkrete Bestandsangaben und exakte Lieferzeitpunkte im Check-out werden zum entscheidenden Kaufkriterium im E-Commerce. Sie schaffen Vertrauen, steigern die Conversion-Rate und reduzieren Kaufabbrüche.

Ship-from-Store & Micro-Fulfillment: Filialen fungieren als dezentrale Fulfillment-Center: Ein Order-Management-System bestimmt den optimalen Versandort nach Kosten, Distanz und Bestand, während das Transport Management System  den günstigsten Paketdienst wählt.

Daten-Asynchronität als Risiko: Wenn OMS, WMS und TMS nicht in Echtzeit kommunizieren, etwa durch nächtliche Batch-Schnittstellen (SFTP) oder Intervall-Abgleiche, entstehen fehlerhafte Verfügbarkeitsdaten.

Unified Commerce durch gemeinsame Plattform: Läuft eine Microservices-Architektur für WMS, OMS und Store-Systeme gemeinsam, verschmelzen Lager- und Warenkorb-Daten nahtlos.

In Zeiten austauschbarer Sortimente und hoher Kundenerwartungen entwickelt sich operative Transparenz zum entscheidenden Kaufkriterium im E-Commerce. Hinweise wie „Nur noch 2 Stück auf Lager“ oder die exakte Angabe des Lieferzeitpunkts im Check-out sind entscheidend für die Steigerung der Conversion-Rate. Sie schaffen Vertrauen und reduzieren Kaufabbrüche. 

Die technische Umsetzung dieser Verlässlichkeit geht jedoch weit über einfache Bestandsabfragen hinaus. Um Kunden verbindliche Zusagen zu machen, bedarf es einer dynamischen Zuweisungslogik, die Cut-off-Zeiten des Lagers, Kommissionier-Prozesse und anbieterspezifische Versandlaufzeiten in Echtzeit berechnet und abgleicht.

Wenn WMS, OMS und Store-Systeme auf derselben Microservices-Architektur laufen, schmelzen die Grenzen zwischen Lager und Warenkorb. Eine automatisierte Wiedereinlagerung beschleunigt den Wiederverkauf von Retouren spürbar und setzt gebundenes Kapital umgehend frei.

Gerridt Woesmann, Senior Sales Executive bei Manhattan Associates

Filialen als Micro-Fulfillment-Center

Viele Händler bieten neben dem Online-Geschäft auch Ship-from-Store und Click & Collect. Ob nun reiner Onlinehandel oder die Einbindung von Filialen, das System muss in Echtzeit entscheiden, aus welchem Lager oder aus welchem Shop eine Bestellung am effizientesten und kostengünstigsten verschickt wird. Das funktioniert jedoch nur, wenn Lager- und Filialbestände jederzeit und von überall aus in Echtzeit einsehbar sind.

Gerade angesichts hoher Filialmieten und sinkender Frequenzen wird Unified Commerce zum wichtigen Einflussfaktor für die Rendite. Wer Verkaufsflächen als dezentrale Micro-Fulfillment-Center nutzt, steigert die Flächenproduktivität spürbar. Ship-from-Store setzt allerdings ein Order-Management-System (OMS) voraus, das den optimalen Fulfillment-Knotenpunkt nach Kosten, Distanz und Bestand in Echtzeit bestimmt. Ergänzend übernimmt das Transport Management System (TMS) dabei die dynamische Auswahl des günstigsten Paketdienstes sowie die automatisierte Etikettierung direkt in der Filiale. Ohne synchrone Daten greift das Shop-Team ins leere Regal. Die Bestellung kann nicht bedient und muss storniert oder mühsam umgeroutet werden. 

Um das zu vermeiden, müssen das Warehouse Management System (WMS), das TMS und die E-Commerce-Plattform eventbasiert und bidirektional kommunizieren, um jede Veränderung vom Lagerbestand über den Pick bis hin zur Versandabwicklung und Übergabe an den Logistiker ohne Zeitverzug abzugleichen.

Das Risiko verzögerter Daten

Das ist ein Architektur-Engpass, der bei vielen Unternehmen das Nadelöhr ist: OMS, WMS und TMS kommunizieren nicht in Echtzeit miteinander. Das System unterscheidet nicht sauber zwischen verschiedenen Bestandsarten – wie dem physischen Bestand im Regal, dem reservierten Bestand im Warenkorb, dem verfügbaren Bestand und der Ware im Zulauf.

Zudem erzeugen Batch-Schnittstellen, zum Beispiel nächtliche Datei-Transfers via SFTP, künstliche Daten-Asynchronitäten. Das System spiegelt nicht die tatsächliche Lage im Lager wider, was zu fehlerhaften Verfügbarkeitsdaten im Frontend führt. Selbst intervallbasierte Abgleiche, etwa alle 15 bis 30 Minuten, versagen bei Traffic-Spitzen wie am Black Friday oder bei plötzlich ansteigender Nachfrage durch Social-Media-Hypes.

Die Daten-Asynchronität führt dazu, dass OMS, WMS und TMS sowie die E-Commerce-Plattform abweichende Bestände führen. Die Folge: Die Fulfillment-Prozesse geraten aus dem Takt. Manuelle Bestandskorrekturen binden wertvolle Kapazitäten im Lager und der IT. Jedes verkaufte, aber nicht lieferbare Produkt verursacht Kosten und schadet der Customer Journey. In Peak-Zeiten kann schon eine Synchronisationsverzögerung von 15 Minuten zu hunderten Fehlverkäufen führen.

Echtzeit-Synchronisation durch eine gemeinsame Plattform

Moderne, cloudbasierte Plattformansätze schaffen hier Abhilfe: Wenn WMS, OMS und Store-Systeme auf derselben Microservices-Architektur laufen, schmelzen die Grenzen zwischen Lager und Warenkorb. Eine automatisierte Wiedereinlagerung beschleunigt den Wiederverkauf von Retouren spürbar und setzt gebundenes Kapital umgehend frei. Zugleich sorgt diese agile Software für die nötige Flexibilität, um neue Vertriebskanäle oder Lagerstandorte rasch anzubinden.

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Anstatt Silo-Lösungen über komplexe Schnittstellen zu verbinden, verknüpft eine solche einheitliche Systemarchitektur im Sinne von Unified Commerce die Bestände und Logistikprozesse nahtlos miteinander. Eine integrierte, KI-gestützte Sourcing-Optimierung berechnet dabei für jede Bestellung in Echtzeit den rentabelsten Versandort – unter automatischer Abwägung von Frachtkosten, Lieferzeiten, Filial-Altbeständen und CO2-Fußabdruck. So entsteht eine vollständig vernetzte Supply Chain, die ohne aufwendige Upgrades auskommt. Das führt zu operativer Exzellenz: Der Aufwand im Kundenservice sinkt und das Fulfillment gelingt kanalübergreifend kosteneffizient.

E-Commerce – Omnichannel – FulfillmentGerridt Woesmann
ist Senior Sales Executive bei Manhattan Associates.

Bildquelle: Manhattan Associates