IT-Budget im Fokus

Cloud-Waste: Der unsichtbare Milliarden-Friedhof in der IT

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Der KI-Faktor verschärft das Cloud-Waste-Problem

Das Problem : KI-Lasten sind unregelmäßig. Ein Training läuft heute mit voller Last, morgen ruht die GPU. Klassisches Rightsizing funktioniert hier kaum. Reserved Instances lohnen sich nur bei planbarer Grundlast, bei experimentellen KI-Projekten fehlt genau diese Planbarkeit.

Gleichzeitig zeigt die FinOps Foundation: 63 Prozent der Unternehmen managen inzwischen KI-Ausgaben aktiv. Im Jahr davor waren es nur 31 Prozent. Der Fokus liegt aber meist auf Sichtbarkeit, nicht auf Optimierung. Das bedeutet: Im KI-Bereich schlummert schon jetzt das nächste versteckte Kapital. Noch unentdeckt, noch ungehoben.

Die Unternehmensberatung BCG geht noch einen Schritt weiter. Sie fordert vom CFO eine neue Rolle: als eine einzige verlässliche Quelle für alle Technologie-Kosten, verknüpft mit dem tatsächlichen Wertbeitrag. Cloud-Ausgaben, KI-Ausgaben, Lizenzkosten – alles in einem Bild. Wer diesen Überblick hat, findet verstecktes Kapital nicht nur in der Cloud. Er findet es im gesamten Technologie-Budget.

Für die Praxis bedeutet das: KI-Kosten brauchen eigene Regeln. Ein Training-Cluster, das nur drei Tage im Monat läuft, lässt sich nicht wie ein Datenbank-Server behandeln, der rund um die Uhr Anfragen bedient. Wer beide Welten mit denselben Kennzahlen misst, übersieht Verschwendung an der einen und Chancen an der anderen Stelle. Die Lösung liegt nicht in noch mehr Tools, sondern in differenzierten Budgetlogiken. Getrennt nach Workload-Typ, nicht nach Abteilung.

FAQ: CLOUD-WASTE

Wie viel Geld kann ein Unternehmen realistisch durch FinOps sparen?

Laut McKinsey liegt das realistische Potenzial reifer FinOps-Programme bei 20 bis 30 Prozent der Cloud-Kosten. Unternehmen ohne bisherige Steuerung erreichen häufig noch höhere Werte, weil die einfachsten Fehler, Leerlauf und Überdimensionierung, meist unangetastet blieben.

Wie lange dauert es, bis sich erste Erfolge zeigen? 

Erste sichtbare Einsparungen sind oft innerhalb von wenigen Wochen möglich, etwa durch das Abschalten ungenutzter Ressourcen. Strukturelle Verbesserungen, etwa durch Rabattmodelle oder Governance-Regeln, brauchen meist drei bis sechs Monate.

Braucht man dafür teure Tools?

Nicht zwingend. Die größten Hebel liegen zunächst in Organisation und Verantwortung, nicht in Software. Tools helfen bei der Skalierung, ersetzen aber keine klare Zuordnung von Kosten zu Verantwortlichen.

Ist Cloud-Waste bei KI-Workloads anders zu behandeln als bei klassischen Anwendungen? 

Ja. KI-Lasten sind oft unregelmäßig und schwer vorhersehbar. Klassisches Rightsizing und langfristige Rabattmodelle funktionieren hier nur eingeschränkt. Gefragt sind flexible Kapazitätsplanung und eine getrennte Kostenbetrachtung für experimentelle und produktive KI-Workloads.

Wer sollte im Unternehmen die Verantwortung für Cloud-Kosten tragen?

Die Erfahrung zeigt: Eine einzelne Person mit klarem Auftrag, unterstützt von Finance und Engineering gemeinsam, bewegt mehr als jede Tool-Einführung allein. FinOps funktioniert nur, wenn Kosten- und Technik-Verantwortung zusammenkommen.

Ist jede Form von Cloud-Waste tatsächlich vermeidbar?

Nein. Manche Reserve ist bewusst geplant, etwa für Ausfallsicherheit oder Lastspitzen. Die Aufgabe ist nicht, jeden ungenutzten Server zu eliminieren, sondern bewusste Reserve von unbewusster Verschwendung zu unterscheiden.

Was das für CFOs bedeutet

Cloud-Kosten sind längst keine reine IT-Frage mehr. Sie sind eine Frage der Kapital-Allokation. Wer etwa neue Digitalisierungs-Projekte finanzieren will, muss nicht zwangsläufig neues Budget beantragen. Er kann zuerst prüfen, wie viel Geld im bestehenden Cloud-Vertrag schlummert.

Die gute Nachricht: Der erste Schritt kostet fast nichts. Er braucht keine neue Software, keine Beratung, keine monatelange Vorbereitung. Er braucht eine Person mit klarer Aufgabe und eine ehrliche Bestandsaufnahme. Die schlechte Nachricht: Ohne diesen ersten Schritt bleibt jede weitere Maßnahme wirkungslos. Wer optimiert, ohne vorher zuzuordnen, spart im besten Fall zufällig. Und meist nicht dort, wo es am meisten bringt.

Das gilt besonders für Unternehmen, die ihre Cloud-Landschaft über Jahre organisch haben wachsen lassen. Jedes Team hat eigene Konten angelegt, eigene Entscheidungen getroffen, eigene Ausnahmen genehmigt. Aus der Vogelperspektive entsteht daraus ein Flickenteppich – und genau in den Nähten dieses Teppichs versteckt sich das Kapital.

Die Jagd nach dem letzten Prozent kostet selbst Zeit und Personal. FinOps-Teams, Tools, Schulungen, das alles hat seinen Preis. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wie viel Waste beseitigen wir? Sondern: Wo lohnt sich die Suche wirklich?

Konstantin Pfliegl, leitender Redakteur e-commerce magazin und Digital Business Magazin

Die Kehrseite: Nicht jede Reserve ist Verschwendung

Ein Wort der Vorsicht gehört natürlich in diesen Artikel. Nicht jeder ungenutzte Server ist automatisch ein Fehler. Manche Redundanz sichert Ausfallsicherheit. Manche Kapazität steht bewusst bereit – für den Lastspitzen-Fall, für den Ernstfall.

Die Jagd nach dem letzten Prozent kostet selbst Zeit und Personal. FinOps-Teams, Tools, Schulungen, das alles hat seinen Preis. Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wie viel Cloud-Waste beseitigen wir? Sondern: Wo lohnt sich die Suche wirklich?

Ein sinnvoller Maßstab: Wer die größten 20 Prozent der Kostenpositionen im Griff hat, deckt meist schon 80 Prozent des möglichen Einsparpotenzials ab. Die Suche nach dem letzten übrig gebliebenen Prozent kostet oft mehr, als sie einbringt. Erfolgreiche FinOps-Teams wissen, wann sie aufhören müssen zu suchen. Und wann eine Reserve einfach eine Reserve bleiben darf.

Fazit Cloud-Waste: Der Blick nach innen lohnt sich

Knapp ein Drittel verschwendetes Cloud-Budget sind kein Naturgesetz. Sie sind eine Einladung zum Sparen. Die Ursachen sind seit Jahren bekannt: Leerlauf, Übergröße, ungenutzte Rabatte. Keine davon erfordert neue Technik, Migration oder Personalabbau.

Wer etwa über die Finanzierung der nächsten Digitalisierungs-Welle nachdenkt, sollte zuerst einen Blick in die eigene Cloud-Rechnung werfen. Das Kapital für den nächsten Schritt liegt oft schon bereit. Man muss es nur sichtbar machen.

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Das ändert die Reihenfolge im Budget-Gespräch. Nicht erst neues Geld beantragen, dann später über Effizienz reden. Sondern umgekehrt: zuerst die eigene Cloud-Rechnung öffnen, dann über echten Bedarf sprechen. Für CFOs bedeutet das eine neue Aufgabe und für CIOs eine neue Verhandlungsbasis. Beide profitieren, wenn aus unsichtbarem Geld wieder sichtbares Kapital wird.

Cloud-WasteKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und das Digital Business Magazin. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing