Robotergestützte Stückgutsortierung Mehr Flexibilität für das Fulfillment von morgen

Ein Gastbeitrag von Rainer Joost 4 min Lesedauer

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Autonome Sortierroboter bieten im E-Commerce-Fulfillment eine flexible Alternative zu klassischen Sortieranlagen. Der neue Sorting Transfer Robot S (SOTR-S) zeigt, wie sich eine hohe Sortierleistung, platzsparende Layouts und Flexibilität miteinander verbinden lassen.

Die robotergestützte Stückgutsortierung überzeugt durch eine hohe Flächeneffizienz und einen ergonomischen Materialfluss.(Bild:  Daifuku Co.)
Die robotergestützte Stückgutsortierung überzeugt durch eine hohe Flächeneffizienz und einen ergonomischen Materialfluss.
(Bild: Daifuku Co.)

Kaum ein Bereich der Logistik entwickelt sich derzeit so dynamisch wie das E-Commerce-Fulfillment. Immer größere Sortimente, steigende Bestellzahlen und Lieferungen am nächsten oder sogar am selben Tag erhöhen den Druck auf die Intralogistik. Gleichzeitig kämpfen viele Betreiber mit begrenzten Hallenflächen, steigenden Energiekosten und dem zunehmenden Fachkräftemangel.

Vor diesem Hintergrund geraten klassische Sortierkonzepte zunehmend auf den Prüfstand. Während Fördertechnik und Tray-Sorter bei konstant hohen Materialströmen nach wie vor leistungsfähig sind, verlangen volatile Auftragseingänge nach flexibleren Lösungen. Eine Entwicklung, die derzeit an Bedeutung gewinnt, ist die robotergestützte Stückgutsortierung. Dabei übernehmen autonome Fahrzeuge den Transport einzelner Artikel zwischen Wareneingang, Sortierung und Versand.

Intelligente Fahrzeuge übernehmen den Materialfluss

Im Gegensatz zu herkömmlichen Umlaufsortern bewegt sich bei dieser mobilen Sortierlösung nicht permanent eine komplette Förderstrecke. Stattdessen transportieren autonome Fahrzeuge einzelne Artikel selbstständig zu ihrem Ziel. Die Fahrzeuge erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 180 Metern pro Minute und können Lasten bis sechs Kilogramm aufnehmen. Je nach Anlagenkonfiguration lassen sich bis zu 300 Fahrzeuge einsetzen. Dadurch sind Sortierleistungen von bis zu 10.000 Artikeln pro Stunde realisierbar.

Besonders interessant ist dabei das Verkehrskonzept: Das System nutzt zwei Fahrebenen. Beladene und leere Fahrzeuge verkehren getrennt voneinander, wodurch Gegenverkehr weitgehend vermieden wird. Gleichzeitig nutzt die Anlage die Hallenhöhe effizient aus – ein Vorteil insbesondere in bestehenden Logistikzentren mit begrenzter Grundfläche.

Fulfillment: Robotersortierung für hohe Sortierdichte

Die robotergestützte Stückgutsortierung überzeugt durch eine hohe Flächeneffizienz und einen ergonomischen Materialfluss.(Bild:  Daifuku Co.)
Die robotergestützte Stückgutsortierung überzeugt durch eine hohe Flächeneffizienz und einen ergonomischen Materialfluss.
(Bild: Daifuku Co.)

Gerade in Ballungsräumen oder bestehenden Logistikimmobilien ist zusätzliche Lagerfläche teuer oder gar nicht verfügbar. Deshalb wird die Flächeneffizienz von Automatisierungslösungen immer wichtiger. Ein wesentliches Merkmal des robotergestützten Sortier-systems ist die kompakte Anordnung der Sortier-ausgänge. Da jedes Fahrzeug sowohl nach links als auch nach rechts ausschleusen kann, lassen sich Zielstellen in einem Abstand von lediglich 600 Millimetern anordnen.

Durch die Kombination aus beidseitiger Ausschleusung und zweistöckiger Fahrstrecke entsteht eine hohe Sortierdichte. Gleichzeitig verkürzen sich die Laufwege der Mitarbeitenden erheblich, da die Zielbehälter dicht beieinander angeordnet sind.

Ergonomie wird zum Wettbewerbsfaktor

Automatisierung wird häufig ausschließlich unter dem Aspekt der Produktivität betrachtet. Dabei spielt auch die Ergonomie eine immer größere Rolle. Bei klassischen Tray-Sortern müssen Mitarbeitende Artikel in vorbeifahrende Träger einlegen. Dieser Arbeitsablauf verlangt dauerhaft hohe Aufmerksamkeit und Präzision.

Bei der autonomen Sortiertechnologie stoppt das Fahrzeug direkt vor dem Bediener. Der Artikel kann ohne Zeitdruck abgelegt werden, bevor das Fahrzeug seine Fahrt fortsetzt. Das reduziert den Stress während des Sortierprozesses und erleichtert längere Arbeitszyklen. Auch bei der Aufgabe der Artikel bietet das System Flexibilität. Je nach Prozess können Einzelartikel oder mehrere Positionen nach einem gemeinsamen Scan verarbeitet werden.

Skalieren statt neu investieren

Für viele Handelsunternehmen stellt sich heute nicht mehr die Frage, ob automatisiert wird, sondern wie flexibel sich eine Investition an zukünftige Anforderungen anpassen lässt. Hier bieten robotergestützte Systeme einen entscheidenden Vorteil: Wächst das Versandvolumen, müssen nicht zwangsläufig komplette Förderstrecken erweitert werden. Stattdessen können zusätzliche Fahrzeuge oder weitere Sortiermodule integriert werden. Diese modulare Erweiterbarkeit ermöglicht es, Investitionen schrittweise an das tatsächliche Wachstum anzupassen.

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Ein weiterer Unterschied zu klassischen Fördersystemen zeigt sich im Fehlerfall. Während bei konventioneller Fördertechnik häufig Materialverfolgung und Transportdaten neu synchronisiert werden müssen, kennt die Steuerung dieser Robotiklösung jederzeit die Position jedes einzelnen Fahrzeugs. Tritt eine Störung auf, betrifft die Wiederherstellung in der Regel lediglich das betroffene Fahrzeug. Der übrige Materialfluss kann weitgehend unbeeinträchtigt weiterlaufen. Dadurch lassen sich Stillstandzeiten reduzieren und der Anlagenbetrieb schneller wieder aufnehmen.

Energie nur dort einsetzen, wo sie benötigt wird

Auch beim Energieverbrauch verfolgen mobile Robotersysteme einen anderen Ansatz als kontinuierlich laufende Förderanlagen. Fördertechnik bewegt häufig die gesamte Anlage – unabhängig davon, ob viele oder wenige Artikel transportiert werden. Bei dem Fahrzeugkonzept fahren hingegen nur diejenigen Fahrzeuge, die aktuell einen Transportauftrag ausführen. Insbesondere bei schwankenden Auftragseingängen kann dies zu einem effizienteren Energieeinsatz beitragen.

Fulfillment: Praxisbeispiele aus Handel und Fashion

Dass sich robotergestützte Sortierung nicht nur theoretisch eignet, zeigen bereits erste Anwendungen. Ein japanischer Bekleidungshersteller konnte nach Unternehmensangaben seine Sortierkapazität gegenüber dem vorherigen manuellen Prozess verdreifachen. Die Anlage verarbeitet rund 4.000 Artikel pro Stunde bei einem Sortiment von etwa 10.000 SKUs. Auch der Elektronikhändler Nojima nutzt das System in seinem Distributionszentrum. Hier stand insbesondere die effiziente Nutzung der vorhandenen Hallenfläche im Vordergrund.

Wandel in der Intralogistik

Robotergestützte Sortiersysteme stehen exemplarisch für den Wandel der Intralogistik: Weg von starren Förderstrukturen, hin zu intelligenten, modularen Materialflüssen. Für Betreiber von E-Commerce- und Omnichannel-Fulfillment-Centern bieten Lösungen wie der SOTR-S interessante Perspektiven. Hohe Flächeneffizienz, flexible Skalierung und ein ergonomischer Materialfluss können dazu beitragen, den steigenden Anforderungen des Onlinehandels wirtschaftlich zu begegnen. Dass sich der Fokus zunehmend von maximaler Leistung hin zu langfristiger Anpassungsfähigkeit verschiebt, beobachtet auch Russel Hutchinson, Leiter Business Development bei Daifuku Europe:

„Im E-Commerce verändern sich Prozesse heute deutlich schneller als die Lebensdauer einer Sortieranlage. Deshalb beobachten wir eine steigende Nachfrage nach modularen Automatisierungslösungen, die sich schrittweise erweitern lassen.“

Mobile Sortiersysteme ermöglichen genau diese Flexibilität und helfen Unternehmen dabei, auch bei schwankenden Sendungsmengen wirtschaftlich zu arbeiten.

Ob mobile Sortierroboter künftig klassische Sortieranlagen vollständig ersetzen werden, ist offen. Vieles spricht jedoch dafür, dass sie das bestehende Spektrum der Automatisierung sinnvoll ergänzen. Insbesondere dort, wo Flexibilität, Skalierbarkeit und eine effiziente Flächennutzung entscheidende Wettbewerbsfaktoren sind, werden autonome Sortiersysteme künftig eine immer wichtigere Rolle spielen.

Fulfillment Rainer Joost
ist Business Development Manager bei Daifuku Co.

Bildquelle: Daifuku Co