Unsichtbare Margenfalle Retouren-Management neu gedacht: So entkommt der Onlinehandel der Margenfalle

Ein Gastbeitrag von Stefan Böhler 5 min Lesedauer

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Retouren fressen die Marge auf: Warum Onlinehändler ihr Retouren-Management jetzt neu denken müssen – zwischen steigenden Kosten, EU-Auflagen und der Chance auf echte Kreislaufwirtschaft.

(Bild:  © Ivan/stock.adobe.com)
(Bild: © Ivan/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Drei Marktkräfte: Steigende Logistikkosten, eine „Kaufen-zum-Anprobieren“-Kultur im Modehandel und wachsender regulatorischer sowie gesellschaftlicher Nachhaltigkeitsdruck treffen aufeinander. Diese Kombination macht ein passives Verwalten von Retouren wirtschaftlich nicht mehr tragbar. 

Erwartungsmanagement: Ein großer Teil der Rücksendungen entsteht nicht durch fehlende Kaufabsicht, sondern durch lückenhafte Produktinformationen. Detaillierte Maßangaben, Passformberater und echte Kundenbewertungen mit Bildern senken Fehlkäufe.

Dynamisches Prüfsystem: Statt Retouren pauschal einzulagern oder abzuschreiben, wird jede Rücksendung sofort nach Zustand bewertet – von der Wiedereinlagerung zum Vollpreis bis zur Zuweisung an Outlet-Kanäle. Entscheidend ist dabei die Geschwindigkeit, da jeder Tag im Lager die Verkaufschancen mindert.

Transparenzpflichten der EU: Der europäische Gesetzgeber verlangt zudem lückenlose Nachweise über den Verbleib retournierter Ware, insbesondere bei Textilien und Schuhen. Reine Behauptungen zu CO2-Kompensation genügen nicht mehr, gefordert sind konkrete ökologische Maßnahmen entlang der Lieferkette.

Ein Blick in die Bilanzen des europäischen Onlinehandels offenbart wachsende Herausforderungen auf der Kostenseite. Während die Prozesse auf dem Hinweg zum Kunden in den vergangenen Jahren stark optimiert wurden, erweist sich die umgekehrte Logistikkette zunehmend als Belastungsprobe für die Rentabilität. Besonders im Modebereich gehören Rücksendungen längst zum alltäglichen Einkaufsverhalten.

Drei Marktkräfte erhöhen den Druck auf den Onlinehandel

Die Dringlichkeit im Umgang mit Rücksendungen resultiert aus dem Zusammentreffen dreier markanter Marktkräfte. Zum einen steigen die strukturellen Logistikkosten im internationalen Transport kontinuierlich an. Zum anderen hat sich in vielen europäischen Zielmärkten eine ausgeprägte Kultur des „Kaufens zum Anprobieren“ etabliert. Flankiert wird diese Situation durch einen spürbar zunehmenden regulatorischen und gesellschaftlichen Druck in puncto Nachhaltigkeit.

Ein ignorantes Verwalten von Rückläufern als unvermeidbares Hintergrundrauschen ist unter diesen Vorbehalten nicht mehr wettbewerbsfähig. Jede Retoure bindet wertvolles Kapital, blockiert Lagerkapazitäten und mindert die Bruttomarge erheblich.

Hintergrund: Retouren im Branchenvergleich

Die Relevanz von Rücksendungen unterscheidet sich stark nach den jeweiligen Produktkategorien. Während Branchen wie Elektronik oder Möbel traditionell sehr niedrige Rücksendequoten verzeichnen, verhält sich die Situation bei Textilien grundlegend anders. Im Bereich Bekleidung und Schuhe ist das Zurückschicken von Waren ein fester, integraler Bestandteil des gängigen Konsumverhaltens.

Erwartungsmanagement als Hebel für die Retourenprävention

Ein beachtlicher Teil der Rückläufe ließe sich durch eine gezielte Steuerung der Kundenerwartungen vermeiden. Häufig resultiert der Rückversand keineswegs aus mangelnder Kaufabsicht, sondern schlicht aus lückenhaften Produktinformationen im Webshop. Zu knappe Beschreibungen, ungenaue Größentabellen oder Farbabweichungen auf den Produktbildern führen unweigerlich zu Fehlkäufen. Investitionen in detaillierte Maßangaben, konsistente Passformberater sowie die Einbindung von authentischen Kundenbewertungen mit Bildmaterial zahlen sich direkt aus.

Jene Maßnahmen sorgen dafür, dass Kunden seltener eine falsche Wahl treffen. Das senkt die Kosten für die Logistik und stärkt gleichzeitig die Kundenzufriedenheit nachhaltig. Frustrationen beim Auspacken werden minimiert und die Wahrscheinlichkeit von Folgekäufen nachweislich erhöht.

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