Plattform-Wettbewerb

Same same, but teurer: Das Duplikat-Geschäft bei Temu, Shein & Amazon

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Was das für Ihr Geschäft bedeutet

Für deutsche Onlinehändler ist die Preisgestaltung auf unterschiedlichen Plattformen kein abstraktes Marktphänomen. Es ist eine konkrete Bedrohung. Und eine Einladung zugleich.

Die Bedrohung: Ihr Eigenprodukt könnte längst als Klon bei Temu kursieren, ohne dass Sie es wissen. Ein Bildabgleich per Google Lens dauert fünf Minuten. Wer sein Bestseller-Produkt regelmäßig gegenprüft, erkennt Nachahmer früh – bevor sie den eigenen Umsatz auffressen.

Die Einladung: Wer selbst als Hersteller oder Großhändler tätig ist, kann die Multiplattform-Logik nutzen. Viele erfolgreiche deutsche Marken verkaufen längst über mehrere Kanäle parallel, mit bewusst unterschiedlicher Positionierung. Das Produkt bleibt, die Story ändert sich.

Checkliste: So reagieren HÄNDLER auf die Preisfalle

> Bestseller-Produkte einmal im Quartal mit Tools wie Google Lens gegenprüfen

> Design und Marke frühzeitig schützen lassen, nicht erst bei Verdacht

> Auf der eigenen Produktseite aktiv die Höhe des Preises erklären

> Rezensionen und Support als Verkaufsargument sichtbar platzieren, nicht nur sammeln

> Bei Eigenproduktion prüfen, ob ein bewusster Zweitkanal auf Temu oder Shein sinnvoll ist

Fünf konkrete Handlungsempfehlungen

  • 1. Die Kalkulation offenlegen – zumindest sich selbst: Viele Händler kennen ihre eigene Preisuntergrenze nicht genau. Wer weiß, welcher Anteil des Preises auf Logistik, Marketing, Rendite und Markenaufbau entfällt, kann gezielter entscheiden, wo er Spielraum hat und wo nicht. Diese Transparenz nach innen ist die Voraussetzung für Transparenz nach außen.
  • 2. Service als Preis-Rechtfertigung sichtbar machen: Käufer zahlen nicht für den Preis allein, sondern für das Gesamtpaket. Wer 25 statt 7 Euro verlangt, muss diesen Unterschied auf der Produktseite selbst erklären, nicht erst im Kleingedruckten. Konkret heißt das: Garantiezeiten prominent nennen, Reaktionszeiten des Supports angeben, Rückgabebedingungen ohne Wenn und Aber kommunizieren. Was selbstverständlich wirkt, ist für viele Kunden der entscheidende Unterschied zur Blackbox aus Asien.
  • 3. Die eigene Lieferkette als Verkaufsargument nutzen: „Versand aus Deutschland“, „Lager in der EU“, „Ansprechpartner auf Deutsch“. Das sind keine Nebensätze, sondern Kaufargumente. Gerade seit den Diskussionen um Produktsicherheit und Herkunftsnachweise bei Direktimporten aus China gewinnt dieser Punkt an Gewicht. Wer glaubhaft macht, woher ein Produkt kommt und wie es kontrolliert wurde, spielt eine Karte, die asiatische Plattformen so schnell nicht ausspielen können.
  • 4. Monitoring aufbauen, nicht nur reagieren: Ein einmaliger Bildabgleich reicht nicht. Wer seine Top-20-Produkte kennt, sollte sie systematisch beobachten, unter Umständen auch mithilfe spezialisierter Tools. Verglichen mit dem Umsatzverlust durch unbemerkte Nachahmer eine überschaubare Investition.
  • 5. Markenschutz als Pflichtprogramm, nicht als Kür: Ein eingetragenes Design oder eine geschützte Marke macht aus einem austauschbaren Produkt ein rechtlich verteidigbares Produkt.

E-Commerce – Temu – Shein – Amazon – PreiseKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und das Digital Business Magazin. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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