Silent Disengagement

E-Mail-Marketing: Mehr Relevanz durch Omnichannel-Orchestrierung

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Der eigentliche Hebel: Orchestrierung statt Intensivierung

Wenn also mehr Kommunikation nicht die Lösung ist, was ist es dann? Die erfolgreichsten Unternehmen haben eine klare Antwort darauf gefunden: Sie erhöhen nicht den Druck, sondern verändern die Verteilung. Statt alles über einen Kanal zu spielen, orchestrieren sie ihre Kommunikation entlang der Customer Journey.

Das bedeutet konkret: Nicht jede Botschaft gehört in die E-Mail.

So klappt‘s mit der Channel-Orchestrierung:

  • Zeitkritische Informationen entfalten ihre Wirkung besser über SMS, die gezielt für hochrelevante, unmittelbare Impulse eingesetzt wird
  • WhatsApp entwickelt sich mit Millionen monatlicher Marketing-Nachrichten zum skalierbaren Dialogkanal.
  • Push-Nachrichten sorgen für kontinuierliches Engagement mit Klickraten von bis zu 9 Prozent sorgen und können je nach Nutzungskontext hohe Reaktivierungsraten erzielen können.
  • Stiller Champion: Das Mobile Wallet erzielt durchschnittliche Retention-Raten von 95 Prozent und generiert über 50 Prozent mehr Umsatz pro Nutzer – komplett außerhalb der überfüllten Inbox.

Diese Verschiebung ist mehr als eine taktische Anpassung. Sie ist ein Perspektivwechsel. Marketing wird nicht länger als Versandprozess gedacht, sondern als abgestimmtes Zusammenspiel von Kanälen.

Was Top-Performer beim E-Mail-Marketing anders machen

Auffällig ist, dass die erfolgreichsten Unternehmen nicht unbedingt mehr Ressourcen haben, sondern anders arbeiten:

  • Sie verstehen ihre Daten nicht als statische Liste, sondern als dynamisches System.
  • Sie reagieren auf Verhalten statt auf Kalenderpläne. 
  • Sie akzeptieren, dass weniger Kommunikation oft mehr Wirkung entfaltet.
  • Sie reduzieren bewusst die Frequenz für inaktive Kontakte, statt sie weiter zu bespielen.
  • Sie priorisieren Zielgruppen nach tatsächlichem Interesse.
  • Und sie setzen gezielt Impulse, wenn diese relevant sind – nicht, wenn es der Versandplan vorsieht.

Kurz gesagt: Sie hören zu, bevor sie senden.

FÜNF konkrete Handlungsempfehlungen für den E-Commerce

1. Steuern Sie bewusst Ihr Versandvolumen: Mehr Kommunikation erhöht nicht automatisch die Wirkung. Priorisieren Sie Qualität und Relevanz statt Reichweite. 

2. Segmentieren Sie nach Verhalten, nicht nach Listen: Nutzen Sie Klicks, Käufe und Aktivität als Grundlage. Statische Verteiler verlieren an Aussagekraft. 

3. Definieren Sie klare Rollen für jeden Kanal: E-Mail, SMS, WhatsApp, Push und Mobile Wallet sollten sich ergänzen, nicht konkurrieren. Jeder Kanal braucht einen klaren Zweck. 

4. Erkennen Sie Inaktivität frühzeitig: Sinkende Klickzahlen bei stabilen Listen sind ein Warnsignal. Reagieren Sie mit angepasster Ansprache statt mit mehr Volumen.

5. Denken Sie Kommunikation entlang der Customer Journey: Nicht der Versandplan entscheidet, sondern der Kontext. Relevanz entsteht im richtigen Moment, nicht durch Frequenz.

Warum Mobile Wallet ein unterschätzter Channel ist

Ein besonders spannender Aspekt des Benchmarks ist die Entwicklung von Mobile Wallet. Während viele Unternehmen noch stark auf klassische Kanäle fokussiert sind, zeigt sich hier ein wachsender Bereich mit außergewöhnlich hohen Retention-Raten.

Mit durchschnittlich 95 Prozent Retention Rate und deutlich höheren Umsätzen pro Nutzer bietet dieser Kanal etwas, das klassische E-Mail-Kommunikation nicht leisten kann: ein dauerhafter Touchpoint auf dem Smartphone – ohne dass Nutzer aktiv angesprochen werden müssen.

Das macht Mobile Wallet zu einem strategischen Werkzeug für Loyalität – und zu einer sinnvollen Ergänzung im Omnichannel-Mix.

Relevanz ist keine Option mehr

Am Ende läuft alles auf eine einfache, aber grundlegende Erkenntnis hinaus: Relevanz ist kein Nice-to-have mehr, sondern die zentrale Voraussetzung für funktionierendes Marketing.

Die Zeiten, in denen Reichweite automatisch zu Wirkung führte, sind vorbei. Heute entscheidet nicht mehr, wie oft gesendet wird, sondern wie gut man den richtigen Moment trifft. Das bedeutet auch, dass Marketing wieder näher an den Nutzer rückt. Es geht weniger um Kampagnenlogik und mehr um Kontext. Weniger um Planung und mehr um Reaktion.

Fazit: Der leise Wandel im E-Mail-Marketing

Der stille Verlust der Relevanz ist kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck eines grundlegenden Wandels. Aufmerksamkeit ist zur knappsten Ressource geworden und gleichzeitig zur entscheidenden Währung.

Unternehmen, die weiterhin auf Volumen setzen, werden diesen Wandel kaum kompensieren können. Diejenigen jedoch, die ihre Kommunikation intelligent orchestrieren, ihre Daten wirklich verstehen und den richtigen Kanal zur richtigen Zeit nutzen, haben einen klaren Vorteil. Die entscheidende Frage ist daher nicht mehr, wie mehr gesendet werden kann, sondern ob das, was gesendet wird, überhaupt ankommt.

E-Mail-Marketing – Omnichannel-OrchestrierungMaximilian Modl
ist CEO Germany von Brevo.

Bildquelle: Bravo

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