Silent Disengagement E-Mail-Marketing: Mehr Relevanz durch Omnichannel-Orchestrierung

Ein Gastbeitrag von Maximilian Modl 6 min Lesedauer

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Mehr E-Mails, weniger Wirkung: Silent Disengagement höhlt Kampagnen leise aus. Heute entscheidet kluge Omnichannel-Orchestrierung statt einer höheren Frequenz über den Erfolg im E-Mail-Marketing.

(Bild:  © Mariia/stock.adobe.com)
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DARUM GEHT'S

Silent Disengagement: Ein schleichender Rückzug der Aufmerksamkeit. Empfänger bleiben Teil der Datenbank, reagieren aber immer seltener auf E-Mails. Klassische KPIs wirken stabil, während die tatsächliche Wirkung der Kampagnen längst nachlässt.

Volumen-Falle Mehr Versand bedeutet nicht mehr Wirkung – im Gegenteil: Bei High-Volume-Sendern sinkt die Klickrate auf rund 1,5 Prozent, während die Top-10-Prozent bis zu 8,75 Prozent erreichen. Überkommunikation erzeugt kognitive Abwehr statt Engagement.

DSGVO-Vorteil: Deutsche Unternehmen erzielen mit circa 5,4 Prozent Klickrate mehr als das Doppelte des globalen Durchschnitts (2,27 Prozent). Strengere Opt-ins führen zu kleineren, aber relevanteren Verteilern – Datenqualität wird zum Wettbewerbsvorteil.

Omnichannel-Orchestrierung: Top-Performer erhöhen nicht den Druck, sondern verteilen Botschaften klug über E-Mail, SMS, WhatsApp, Push und Mobile Wallet. Besonders Mobile Wallet überzeugt mit 95 Prozent Retention Rate und über 50 Prozent mehr Umsatz pro Nutzer.

Für manche Marketer eine bekannte Situation: Die Kampagnen laufen, die Versandzahlen steigen, die Datenbank wächst – und doch bleibt das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück. Es ist kein dramatischer Einbruch, kein klarer KPI-Alarm. Vielmehr ist es ein schleichender Prozess. Die Klicks gehen zurück, die Interaktion nimmt ab, die Wirkung verpufft zunehmend.

Genau dieses Phänomen beschreibt der aktuelle „Marketing Orchestration Benchmark 2026“ von Brevo als „Silent Disengagement“. Gemeint ist ein schleichender Rückzug der Aufmerksamkeit. Die Empfänger bleiben zwar Teil der Datenbank, reagieren aber immer seltener auf E-Mails.

Und hier liegt die Herausforderung: Während klassische Kennzahlen weiterhin Stabilität vermittelten, ließ die tatsächliche Wirksamkeit der E-Mail-Kampagnen bereits nach.

Am Ende läuft alles auf eine einfache, aber grundlegende Erkenntnis hinaus: Relevanz ist kein Nice-to-have mehr, sondern die zentrale Voraussetzung für funktionierendes Marketing.

Maximilian Modl, CEO Germany von Brevo

Weniger Reaktion zeigt, dass die Strategie nicht mehr greift

Was diesen Trend so tückisch macht, ist seine Unsichtbarkeit. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Doch unter der Oberfläche verändert sich etwas Entscheidendes: Die Aufmerksamkeit der Zielgruppe schwindet und mit ihr die Bereitschaft, zu interagieren. 

Genau hier liefern die Daten ein klares Bild. Besonders bei Unternehmen mit hohem Versandvolumen bricht die Klickrate deutlich ein. Während die Top-10-Prozent der Versender Klickraten von bis zu 8,75 Prozent erreichen, sinkt sie bei High-Volume-Sendern auf rund 1,5 Prozent. Das ist kein kleiner Unterschied, sondern ein strukturelles Problem.

Es geht dabei nicht darum, dass die Inhalte per se schlecht sind. Es geht darum, dass sie nicht mehr zum Empfänger durchdringen.

Warum Volumen nicht mehr reicht – und was jetzt zählt

Die zentrale Frage lautet also: Warum verlieren selbst gut gemachte Kampagnen an Wirkung? Die Antwort ist einfach, auch wenn sie unangenehm ist. Die Inbox ist längst kein leerer Raum mehr, sondern ein hochgradig umkämpfter Ort. Jede zusätzliche Nachricht konkurriert mit Dutzenden anderen. Und das oft zur gleichen Zeit, mit ähnlichen Botschaften und vergleichbaren Angeboten.

Früher galt: regelmäßige, konsistente Kommunikation ist der Schlüssel für erfolgreiche Kundenkommunikation. Heute aber kippt es schnell in Überkommunikation. Die Folge ist eine Art kognitive Abwehrhaltung auf Seiten der Empfänger. Sie öffnen vielleicht noch, aber sie klicken nicht mehr. Sie nehmen wahr, aber sie reagieren nicht.

Der Benchmark zeigt, dass genau hier die Grenze klassischer E-Mail-Strategien erreicht ist. Nicht, weil E-Mail an sich an Bedeutung verliert, sondern weil sie zu häufig für alles gleichzeitig genutzt wird.

Datenbasis und Methodik

Grundlage des „Marketing Orchestration Benchmark 2026“ von Brevo waren die Versand-Daten von über 175.000 Unternehmen weltweit, darunter rund 15.000 aus Deutschland, sowie Milliarden von Nachrichten über E-Mail, SMS, WhatsApp, Push und Mobile Wallet im Zeitraum von Januar bis Dezember 2025.

Ein unerwarteter Vorteil: Warum Deutschland beim E-Mail-Marketing besser performt

Interessanterweise schneiden deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich deutlich besser ab. Mit einer Klickrate von circa 5,4 Prozent liegen sie weit über dem globalen Durchschnitt von 2,27 Prozent.

Der Grund dafür ist nicht allein technischer Natur, sondern strategisch. Die oft kritisierte DSGVO hat einen Nebeneffekt erzeugt, der sich heute als Wettbewerbsvorteil herausstellt: bessere Datenqualität. Strengere Opt-ins bedeuten kleinere, aber relevantere Verteiler. Und genau diese Relevanz ist es, die über Engagement entscheidet. Wer bewusst mit Daten arbeitet und seine Zielgruppen klar definiert, kommuniziert präziser – und wird mit seiner Message gehört.

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