Wenn Produkte über Social Commerce viral gehen, entstehen binnen Stunden enorme Auftragsspitzen. Logistikimmobilien werden damit zum Schlüsselfaktor für schnellen, flexiblen Versand im E-Commerce.
Social Commerce: Der Einkauf über soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram oder Facebook. Bereits 53 Prozent der deutschen Onlinekäufer haben so eingekauft.
Viral-Effekt: Empfiehlt ein Influencer ein Produkt, kann daraus innerhalb weniger Stunden eine enorme Nachfrage entstehen – und ebenso schnell wieder abklingen. Das erfordert flexibel planbare Lagerbestände und stellt hohe Anforderungen an die Kommissionierung, da viele kleine Sendungen anstelle größerer Bestellungen abgewickelt werden müssen.
E-Commerce-Fulfillment für Content Creator: Ein spezialisierter Logistikdienstleister übernimmt für Influencer und Content Creator die komplette Auftragsabwicklung, von der Anbindung der Vertriebskanäle über Lagerung und Kommissionierung bis hin zu Versand und Retourenmanagement.
Nach dem pandemiebedingten Boom und der anschließenden Marktkorrektur hat sich der Onlinehandel in Deutschland nicht nur stabilisiert, sondern sendet wieder klare Wachstumszeichen. Der Handelsverband Deutschland weist für das vergangene Jahr ein Umsatzwachstum von 3,9 Prozent auf insgesamt 92,3 Milliarden Euro aus. Diese positive Entwicklung setzt sich laut dem Bundesverband E-Commerce & Versandhandel fort: Der E-Commerce verzeichnete im ersten Quartal 2026 eine Umsatzsteigerung um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Und mit jeder zusätzlichen Milliarde Umsatz im E-Commerce entsteht ein Bedarf von rund 100.000 m2 zusätzlicher Logistikfläche.
Einer der Treiber des Wachstums ist der Einkauf über soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram oder Facebook, der sogenannte Social Commerce. Laut DHL haben bereits 53 Prozent der deutschen Onlinekäufer über soziale Medien eingekauft, vor allem jüngere Konsumenten. Mehr als 59 Prozent erwarten, dass soziale Netzwerke bis 2030 zu ihrem wichtigsten Einkaufskanal werden und klassische Onlineshops teilweise ersetzen. Die Erwartungen an das weitere Wachstum sind entsprechend hoch.
Durch das Wachstum des Social Commerce verändern sich die Anforderungen an die Logistikprozesse. Bestellungen erfolgen spontaner, umfassen häufig kleinere Warenkörbe und es kommt teilweise zu extremen Auftragsspitzen.
Natalie Weber, Head of Fund Management bei LIP Invest
Durch das Wachstum des Social Commerce verändern sich die Anforderungen an die Logistikprozesse. Bestellungen erfolgen spontaner, umfassen häufig kleinere Warenkörbe und es kommt teilweise zu extremen Auftragsspitzen. Ein Influencer empfiehlt ein Produkt über TikTok und es geht viral. Das kann innerhalb weniger Stunden eine enorme Nachfrage erzeugen und ebenso schnell wieder an Bedeutung verlieren. Lagerbestände müssen daher flexibel planbar sein.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Kommissionierung. Viele kleine Sendungen ersetzen größere Bestellungen. Hinzu kommt, dass kurze Lieferzeiten und eine reibungslose Retourenabwicklung von vielen Kundinnen und Kunden schon heute als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Die getätigten Impulskäufe führen häufiger zu Rücksendungen. Der Trend erhöht insgesamt die Nachfrage von Handelsunternehmen und Logistikdienstleistern nach modernen Immobilien, die den Ansprüchen des Social Commerce gerecht werden.
Der Markt reagiert auf die steigenden Anforderungen des digitalen Handels mit einer Zunahme von großflächigen Anmietungen aus dem Bereich E-Commerce-Fulfillment. Ein inhabergeführter Logistikdienstleister aus Deutschland hat sein Leistungsangebot sogar gezielt auf Händler ausgerichtet, die ihre Produkte über Online-Plattformen verkaufen. Viele dieser Kunden sind Influencer oder Content Creator, die ihre eigene Marke aufbauen, schnell wachsen und häufig nur über wenig Erfahrung in Logistik- und Fulfillment-Prozessen verfügen.
Der Dienstleister übernimmt daher die komplette Auftragsabwicklung von der Anbindung der Vertriebskanäle über Lagerung und Kommissionierung bis hin zum Versand und Retourenmanagement. Bislang wurden in einer rund 10.000 m2 großen Distributions-Immobilie die Waren mehrerer reichweitenstarker Influencer gebündelt und für den Versand vorbereitet. Bestellungen werden direkt aus den Plattformen übernommen, innerhalb kürzester Zeit kommissioniert und versendet. Doch der Platz reicht nicht mehr aus. Die Hallenfläche wird zukünftig um das Doppelte erweitert.
Logistikimmobilien nehmen eine Schlüsselfunktion in effizienten Logistikprozessen ein. Laut der European Logistics Occupier Survey 2025 planen bereits 46 Prozent der Logistiknutzer, ihre Flächen in den kommenden drei Jahren auszubauen. Gleichzeitig liegt die Leerstandsquote in den Top-Logistikregionen in Deutschland bei lediglich 4,5 Prozent, während die spekulative Neubaupipeline deutlich zurückgegangen ist und das Angebot entsprechend knapper wird. Leistungsfähige und flexibel nutzbare Logistikstandorte stellen somit auch einen Wettbewerbsfaktor dar.
Stand: 16.12.2025
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Natalie Weber ist Head of Fund Management bei LIP Invest.