Supply Chain Vom Auftrag bis zur Zustellung: Wo Transportdaten im Onlinehandel zusammenlaufen

Von Redaktion e-commerce magazin 5 min Lesedauer

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Wenn Transportdaten zwischen Shop, Lager und Frachtführer nicht zusammenlaufen, entstehen Rückfragen und versteckte Kosten. Was Onlinehändler für einen durchgängigen Datenfluss beachten müssen.

(Bild:  ©  /stock.adobe.com)
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Der digitale Bestellprozess endet im Onlinehandel oft an einer überraschend analogen Grenze. Fehlende Statusdaten führen nämlich zu Rückfragen und die Kosten werden erst mit der Rechnung sichtbar. Daher ist es für einen reibungslosen Ablauf wichtig, dass Auftrags-, Versand- und Kostendaten ohne manuelle Umwege durch den gesamten Prozess fließen. Entscheidend ist dabei nicht die Zahl der eingesetzten Systeme, sondern deren reibungslose Zusammenarbeit.

Viele Systeme bilden noch keinen gemeinsamen Prozess

Selbst wenn ein Shop Bestellungen automatisch an das Lager übergibt, sind trotzdem Medienbrüche möglich, sobald es an den Transport geht. Wenn Versanddaten neu erfasst, Tarife in separaten Listen gepflegt oder Statusmeldungen aus mehreren Portalen zusammengesucht werden, kann das problematisch werden. Genau hier setzt integriertes Transportmanagement an: Es sorgt dafür, dass die Transportplanung mit den vor- und nachgelagerten Abläufen verbunden wird und hält Informationen beieinander. Auf diese Weise wird klar festgelegt, welche Daten an welcher Stelle entstehen, wer sie ergänzt und welche Folgeprozesse dadurch automatisch ausgelöst werden. Erst eine solche gemeinsame Logik führt dazu, dass aus einzelnen Anwendungen eine durchgehende Prozesskette wird.

Der Transportauftrag braucht eine eindeutige Datenbasis

Durchgängigkeit beginnt mit einer stabilen Identität für Auftrag, Sendung und Packstück. Werden Nummern zwischen Shop, Lager und Frachtführer verändert oder nur als Freitext übertragen, lassen sich spätere Ereignisse schwer zuordnen.

Die folgenden Daten müssen in allen Systemen gleich verstanden werden:

  • Adressen
  • Gewichte
  • Maße
  • Zeitfenster
  • Gefahrguthinweise
  • vereinbarte Servicearten

Durch eine zentrale Datenbasis lässt sich zwar nicht jede fehlerhafte Eingabe verhindern, aber Abweichungen werden eher sichtbar. Indem klar festgelegt ist, welche Informationen führend sind, wird verhindert, dass mehrere „Wahrheiten“ entstehen, die von Kundenservice, Dispositionen und in der Abrechnung jeweils unterschiedlich interpretiert werden. Auch spätere Korrekturen müssen nachvollziehbar protokolliert und an alle Empfänger verteilt werden.

Schnittstellen müssen fachlich geplant werden

APIs und EDI-Verbindungen übertragen Daten, lösen aber allein noch keinen sauberen Prozess aus. Vor der technischen Anbindung muss geklärt sein, welche Ereignisse benötigt werden und was anschließend mit ihnen geschieht. 

Für eine Sendung sind typischerweise mehrere Datengruppen relevant:

  • Auftrags- und Empfängerdaten für Buchung und Label
  • Packstückdaten für Kapazität, Tarif und Handling
  • Statusereignisse für Tracking und Kundenkommunikation
  • Kosten- und Leistungsdaten für das Controlling und für Prüfprozesse

Jedem Ereignis muss eine eindeutige Bedeutung zugewiesen werden, denn „unterwegs“ kann je nach Transportdienstleister und System unterschiedlich definiert sein. Durch ein gemeinsames Statusmodell wird eine vergleichbare Auswertung und die passende Reaktion darauf möglich. Das Statusmodell bildet damit die Grundlage für automatisierte Abläufe und belastbare Auswertungen.

Abweichungen sind wichtiger als der Normalfall

Es geht vor allem dort operative Zeit verloren, wo Termine sich verändern, Statusmeldungen fehlen oder die vorhandenen Kapazitäten kurzfristig neu verteilt werden müssen. Durch einen durchgängigen Datenfluss sollten solche Abweichungen früh markiert werden. Damit das gelingen kann, werden Schwellenwerte, Eskalationswege und Verantwortlichkeiten benötigt. So kann zum Beispiel eine verspätete Abholung die Disposition betreffen, während der Kundenservice auf ein gefährdetes Zustellversprechen reagieren muss.

Gute Systeme können die große Menge normaler Vorgänge von denen trennen, die die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter benötigen. Dadurch können sie gezielt eingreifen, statt jeden einzelnen Transport manuell überwachen zu müssen.

Carrier-Auswahl wird zur laufenden Steuerungsaufgabe

Bei der Wahl zwischen Paketdiensten, Speditionen und Spezialtransporten ist die günstigste Option nicht immer automatisch auch die wirtschaftlichste. Neben dem Preis gilt es nämlich, die Laufzeit, das Zustellgebiet, das Packmaß, verschiedene Abholfenster und den Retourenweg zu berücksichtigen. Es gilt unter anderem, die geplanten Laufzeiten und Kosten mit den tatsächlich erbrachten Leistungen zu vergleichen. Wenn ein Auftrag besondere Anforderungen hat, müssen außerdem manuelle Entscheidungen möglich bleiben. Nur dann lässt sich erkennen, ob ein Carrier in bestimmten Regionen, Gewichtsklassen oder verschiedenen Saisonphasen zuverlässig zum eigenen Versandprofil passt. Saisonale Spitzen sollten dabei getrennt vom normalen Betrieb bewertet werden.

Kundenkommunikation braucht belastbare Ereignisse

Eine Sendungsinformation ist wichtig, aber sie kann nur dann wirklich hilfreich sein, wenn sie aktuell und verständlich ist. Daher ist es wichtig, dass ein Shop nicht jede technische Meldung ungefiltert an den Empfänger weiterreicht. Stattdessen müssen relevante Ereignisse in eine klare Kundensprache übersetzt werden. Auf diese Weise kann aus einer bestätigten Abholung eine Versandmeldung entstehen und aus einer belastbaren Prognose wird ein Zustellfenster. Wenn dagegen eine entscheidende Information fehlt, sollte kein scheinbar präziser Termin ausgegeben werden, weil das andernfalls zu Enttäuschungen führen kann.

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Indem Mitarbeiter den letzten verlässlichen Status abrufen können, wird der Service verbessert und Probleme lassen sich schneller klären.

Retouren gehören in dieselbe Informationskette

Transportwege enden im E-Commerce nicht immer an der Haustür. So erzeugen zum Beispiel Rücksendungen, Annahmeverweigerungen und unzustellbare Sendungen neue Wege und führen zu weiteren Kosten. Sie sollten nicht in getrennten Tabellen behandelt werden, da dann der ursprüngliche Auftrag schnell seinen Zusammenhang verlieren kann. Eine durchgehende Datenstruktur verknüpft Hin- und Rückweg, Retourengrund, Zustandsprüfung und weitere Warenentscheidung. Insbesondere dann, wenn Artikel ausgesondert oder aufgearbeitet und erneut verkauft werden, kann das besonders relevant werden. 

Der Kundenservice profitiert ebenfalls davon, wenn eine Rücksendung direkt mit einer zu erstellenden Gutschrift, einer Ersatzlieferung oder einer Qualitätsprüfung verbunden werden kann. So können unnötige Wartezeiten zwischen der Logistik, der Buchhaltung und der Reklamationsbearbeitung vermieden werden.

Digitale Frachtinformationen werden auch regulatorisch relevanter

Digitale Abläufe sind nicht nur effizient, sondern sie sind auch zunehmend vorgegeben, um den Austausch mit Behörden zu erleichtern. Das Bundesverkehrsministerium erläutert die Ziele und den Umsetzungsrahmen der eFTI-Verordnung. Gleichzeitig wird zwar darauf hingewiesen, dass die Papierform weiterhin möglich ist, langfristig sinnvoll ist das aber nicht. Stattdessen lohnt es sich, Frachtinformationen frühzeitig strukturiert und maschinenlesbar zu erfassen. Nur dann lassen sich die Angaben automatisiert prüfen, übertragen und mit weiteren Prozessdaten verknüpfen.

Die Einführung beginnt mit Prozessfragen

Um einen Systemwechsel sinnvoll zu vollziehen, muss zuerst klar werden, wo aktuell Daten doppelt erfasst oder manuell ergänzt werden. Auch die Frage, welche Daten zu spät verfügbar sind, ist für die Planung wichtig.

Danach lassen sich priorisierte Anwendungsfälle festlegen. Besonders geeignet sind Prozesse mit hohem Volumen, vielen Rückfragen oder häufigen Rechnungsabweichungen.

Für die Umsetzung helfen klare Prüfpunkte:

  • führende Systeme und Verantwortlichkeiten festlegen
  • Status- und Stammdaten vereinheitlichen
  • Ausnahmen mit Eskalationswegen definieren
  • Erfolg über wenige belastbare Kennzahlen messen

Technik folgt anschließend diesem Zielbild. So entsteht schrittweise eine Transportsteuerung, die neue Carrier, Standorte und Versandoptionen aufnehmen kann, ohne bei jeder Erweiterung wieder zusätzliche Insellösungen zu erzeugen.