Kommentar Die wahre Bremse der Digitalisierung? Eine zu komplexe Zahlungsinfrastruktur

Ein Gastbeitrag von Robert Bueninck 5 min Lesedauer

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Der Handel investiert in Digitalisierung und bessere Einkaufserlebnisse. Der Wille ist da. Was bremst, ist aber nicht mangelnder Ehrgeiz, sondern zu viel Komplexität bei der Zahlungsinfrastruktur.

(Bild:  © Sikov/stock.adobe.com)
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DARUM GEHT'S

Komplexität: Der größte Bremsklotz für den Handel ist die wachsende Zahl paralleler Systeme für Shop, Kasse, Zahlungen und Kundendaten.

Zahlungsinfrastruktur: Payment mehr als der letzte Schritt im Einkauf. Es liefern zentrale Daten über das Geschäft. Trotzdem werten nur 43 Prozent der Händler aus, wie sich Zahlarten auf den Kaufabschluss auswirken.

Verantwortung: Der Wandel liegt nicht allein bei den Händlern. Auch Zahlungs- und Technologieanbieter müssen Komplexität abbauen statt neue Funktionen aufzusatteln.

Digitalisierung darf kein Privileg großer Konzerne sein. Sie muss auch für den Bäcker, die Modehändlerin, den Gastronomiebetrieb und das wachsende Familienunternehmen zugänglich, bezahlbar und skalierbar sein. Damit das gelingt, sind sowohl die Politik als auch wir als Zahlungs- und Technologieanbieter gefragt.

Zahlungen spielen eine zentrale Rolle. Sie sind weit mehr als der letzte Schritt am Ende eines Einkaufs. Sie verbinden Kundenkontakt, Verkauf und Abrechnung. Richtig integriert liefern sie außerdem wichtige Informationen darüber, wie das Geschäft tatsächlich funktioniert.

Robert Bueninck, CEO von Unzer

Der Handel braucht weniger Komplexität bei der Zahlungsinfrastruktur

Die Zukunft des Handels wird nicht dadurch besser, dass immer neue Technologien hinzukommen. Sie wird besser, wenn Zahlungen, Daten und Prozesse sicher und einfach zusammenspielen. Das gilt für neue Zahlarten wie Wero genauso wie für KI-gestützte Einkaufserlebnisse. Entscheidend ist, dass daraus im Alltag ein echter Vorteil entsteht: mehr Wahlfreiheit für Kunden und bessere, verlässlichere Entscheidungen für Händler.  

Wie diese Komplexität entsteht, sieht man in fast jedem mittelständischen Betrieb. Für den Onlineshop gibt es ein System, für die Kasse ein anderes, für Zahlungen einen weiteren Anbieter, dazu Tools für Kundenkommunikation, Buchhaltung und Lagerbestand. Jedes einzelne Projekt war sinnvoll. In der Summe entsteht eine Landschaft, die niemand mehr überblickt.

Auch unsere Befragung 1) zeigt das: 66 Prozent der Händler nennen die zunehmende Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern als Herausforderung, 60 Prozent die Zusammenführung von Kundendaten über verschiedene Kanäle hinweg.

Ein Händler sollte nicht mehrere Systeme durchsuchen müssen, um zu sehen, was er verkauft hat, welche Zahlarten genutzt wurden oder ob ein Artikel noch verfügbar ist. Für große Konzerne mit eigenen IT-Abteilungen ist diese Komplexität vielleicht noch beherrschbar. Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist eine immer komplexere IT-Landschaft aber belastend.

Zahlungsprozesse sind Teil der Handelsinfrastruktur

Zahlungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sind weit mehr als der letzte Schritt am Ende eines Einkaufs. Sie verbinden Kundenkontakt, Verkauf und Abrechnung. Richtig integriert liefern sie außerdem wichtige Informationen darüber, wie das Geschäft tatsächlich funktioniert.

Genau das nutzen bisher die wenigsten. Nur 43 Prozent der befragten Händler überprüfen, wie sich die gewählte Zahlart auf den Kaufabschluss auswirkt. Fast jeder Vierte erfasst überhaupt keine Kennzahlen zum Zahlungsprozess. Wer Daten aus Kasse, Onlineshop und Payment nicht zusammenführen kann, entscheidet teilweise im Blindflug. Dann bleibt unklar, an welcher Stelle Kundinnen und Kunden ihren Einkauf abbrechen, welche Zahlarten besonders gut funktionieren oder wie sich neue Angebote auf den Umsatz auswirken.

Wahlfreiheit beim Bezahlen gehört heute zu einem guten Einkaufserlebnis, ob bar, mit Karte, Smartphone oder auf Rechnung. Für Händler darf jede zusätzliche Zahlart aber nicht automatisch mehr Aufwand bedeuten: keine getrennten Auswertungen, keine manuelle Nacharbeit, keine unklaren Risiken im Hintergrund. Gute Lösungen schließen diese Lücke, statt eine neue zu öffnen.

Den Nutzen sehen die Händler selbst: Fast neun von zehn versprechen sich von einem zentral unterstützten, kanalübergreifenden Einkaufserlebnis eine höhere Kundenzufriedenheit, 85 Prozent eine zielgerichtetere Kundenansprache.

1) Die Ergebnisse beziehen sich auf eine Befragung von Unzer und dem IFH KÖLN unter 109 Händlern in Deutschland im Juli 2026. Die Befragung ist nicht repräsentativ.

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