Effiziente Regalsysteme Wie die Lagerlogik das Tempo erhöhen kann

Ein Gastbeitrag von Jonas Struck 3 min Lesedauer

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225.000 Stellplätze auf begrenzter Fläche: HBOD zeigt, dass im E-Commerce nicht allein die verfügbare Regalfläche zählt, sondern vor allem eine intelligente Lagerlogik. Entscheidend ist, wie effizient die vorhandenen Kapazitäten genutzt und Waren auf der Fläche organisiert werden.

Das neue Lager von HBOD bietet rund 2.000 Fachbodenregalfelder mit sechs beziehungsweise zwölf Ebenen.(Bild:  Gebrüder Schulte GmbH & Co. KG)
Das neue Lager von HBOD bietet rund 2.000 Fachbodenregalfelder mit sechs beziehungsweise zwölf Ebenen.
(Bild: Gebrüder Schulte GmbH & Co. KG)

Executive summary

Problem: Viele Artikel, unterschiedliche Warenformen und ein hoher Durchsatz führen dazu, dass die  Lagerplanung zum Engpass.

Kosten: Jeder unnötige Meter kostet Fläche, Zeit und bei jedem Auftrag fällt der Laufweg neu an.

Hebel: Eine konsequent ausgerichtete Lagerlogik verbindet Artikelstruktur, Regal und Prozess.

Risiko: Wer nur Stellplätze plant, schafft Kapazität – aber kein schnelles Lager.

Wie viel Lagerfläche braucht ein E-Commerce-Fulfillment-Dienstleister? Bei HBOD lautete die entscheidende Frage nicht nur: Wie viele Stellplätze passen in die neue Halle? Sondern: Wie lässt sich jeder Meter sinnvoll nutzen? HBOD übernimmt für verschiedene Marken den Online-Vertrieb über Marktplätze. Das Lager muss deshalb viele unterschiedliche Artikel aufnehmen. Hinzu kommen hoher Durchsatz, kurze Pickzeiten und Retouren. Die Aufgabe für das neue Zentrallager war entsprechend anspruchsvoll: Große Mengen an Waren auf begrenzter Fläche unterbringen und trotzdem schnelle Abläufe ermöglichen.

Die erste Planung schöpfte dieses Potenzial nicht aus. Schulte Lagertechnik ging deshalb einen Schritt zurück und entwickelte gemeinsam mit HBOD und einem Planungsanbieter die technischen Vorgaben neu. Genau hier beginnt die Lagerlogik: Nicht das Regal bestimmt den Prozess. Der Prozess bestimmt, wie das Regal aussehen muss.

Das Regal folgt dem Artikel

Bei HBOD sind die Lagerbehälter 300 oder 400 Millimeter breit. Übliche 1.300 Millimeter breite Fachböden hätten deshalb unnötig Raum verschenkt. Die Experten von Schulte Lagertechnik setzten stattdessen Sonderböden mit 1.210 Millimetern Breite ein. Über die gesamte Anlage wurden dadurch 2,90 Meter zusätzliche in der Breite gewonnen. Auch in der Höhe lag Potenzial. Die 25 Millimeter hohen Multiplus-Fachböden nutzen den Raum zwischen den Ebenen effizienter als höhere Standardkanten. Das schafft zusätzlichen nutzbaren Lagerraum und erleichtert die flexible Einlagerung. Für schwere Hängeware kam zudem eine passende Speziallösung zum Einsatz.

Die neue Regalanlage bei HBOD reduziert Laufwege, erhöht die Einlagerungsmenge und verbessert die Abläufe bei der Einlagerung.(Bild:  Gebrüder Schulte GmbH & Co. KG)
Die neue Regalanlage bei HBOD reduziert Laufwege, erhöht die Einlagerungsmenge und verbessert die Abläufe bei der Einlagerung.
(Bild: Gebrüder Schulte GmbH & Co. KG)

Das Ergebnis: Rund 2.000 Fachbodenregalfelder mit sechs beziehungsweise zwölf Ebenen. Insgesamt entstanden 18.690 Fachböden mit rund 225.000 Stellplätzen. Ein integrierter Warenaufzug verbindet die Ebenen und unterstützt die Abläufe.

Im E-Commerce zählt die Lagerlogik

Was lässt sich daraus für andere E-Commerce-Lager ableiten? Entscheidend ist das Zusammenspiel aus vier Faktoren: Artikel, Fläche, Zugriff und Prozess. Artikel geben vor, welche Fachgrößen und Tragfähigkeiten gebraucht werden. Die Fläche bestimmt, wie dicht ein Lager aufgebaut werden kann. Die Zugriffshäufigkeit entscheidet über die sinnvolle Position eines Artikels. Der Prozess zeigt schließlich, welche Wege und Übergaben tatsächlich anfallen.

Diese vier Faktoren nennen wir die Lagerlogik. Sie verhindert, dass ein Lager nur nach Quadratmetern oder Stellplätzen geplant wird. Stattdessen rückt die Frage in den Mittelpunkt: Wie muss die Lagerstruktur aussehen, damit Menschen und/oder Maschinen möglichst schnell und sicher mit der Ware arbeiten können? Bei HBOD zeigte sich der Effekt unmittelbar. Die neue Regalanlage reduziert Laufwege, erhöht die Einlagerungsmenge und verbessert die Abläufe bei Einlagerung und Kommissionierung. Auch Retouren lassen sich schneller wieder einlagern.

Ein E-Commerce-Lager ist mehr als Stellplätze

Dazu kommt: E-Commerce-Lager müssen heute mehr leisten als reine Lagerkapazität und optimale Wege. Sortimente verändern sich, neue Artikel kommen hinzu, Absatzkanäle wachsen und Retouren müssen schnell wieder in den Bestand zurückgeführt werden. Gleichzeitig bleibt die verfügbare Fläche meist begrenzt. Für die Planung bedeutet das: Das Regal sollte nicht am Anfang und am Ende des Prozesses stehen. Es ist Teil des Prozesses. Erst wenn Artikelstruktur, Zugriffshäufigkeit, verfügbare Fläche und innerbetriebliche Wege gemeinsam betrachtet und gleichzeitig mögliche Ausbaustufen mitgedacht werden, entsteht ein Lager, das dauerhaft leistungsfähig bleibt.

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Genau darin lag der Ansatz bei HBOD. Statt die maximale Anzahl an Stellplätzen in der Halle unterzubringen, wurde die Lagerstruktur konsequent auf die Artikel und Abläufe abgestimmt. Die gewonnenen Zentimeter in Breite und Höhe waren dabei kein Selbstzweck, sondern Bestandteil eines Gesamtkonzepts für schnelle und zukunftsfähige Prozesse.

LagersystemeJonas Struck
ist Marketing Manager bei der Gebrüder Schulte GmbH & & Co. KG.

Bildquelle: Gebrüder Schulte GmbH & Co. KG