Channel-less Commerce

Vom Chatbot zur Storefront: Wie MCP-Server den E-Commerce neu definieren

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Warum GEO und AEO künftig nicht mehr ausreichen

Viele Händler konzentrieren sich derzeit darauf, in KI-Antworten sichtbar zu werden. Das ist sinnvoll, aber nur die erste Stufe. Wer GEO beziehungsweise AEO betreibt, optimiert dafür, dass eine KI über das Unternehmen spricht. MCP optimiert dafür, dass eine KI mit dem Unternehmen arbeitet.

Auch ein Einkäufer im B2B kann, sofern er einen MCP eines Lieferanten installiert, damit Produktdaten prüfen, Varianten konfigurieren, Lieferzeiten abfragen, Angebote vorbereiten oder Bestellprozesse anstoßen. Der Übergang von Information zu Transaktion verschwimmt. Genau darin liegt die eigentliche Disruption.

Warum der SAP Storefront MCP Server relevant ist

Auch SAP bietet mittlerweile eine Lösung, wie Unternehmen MCP Server bereitstellen können. Der SAP Storefront MCP Server ist technisch betrachtet aber keine revolutionäre Neuentwicklung. Er ist vielmehr eine standardisierte Möglichkeit, Commerce-Funktionen für KI-Systeme verfügbar zu machen.

Die strategische Botschaft dahinter ist jedoch deutlich größer. Selbst ein so großer Commerce-Player wie SAP signalisiert damit, dass KI-Systeme künftig als eigenständiger Zugangskanal zum Commerce betrachtet werden. Unternehmen sollten sich also mit der Frage beschäftigen: „Wie gut kann ein KI-System mit meinen Commerce-Prozessen interagieren?“

MCP vs. Agentic AI

Agent: Das Unternehmen betreibt die KI und bezahlt für jede Anfrage.

MCP: Der Nutzer bringt die KI mit. Das Unternehmen liefert lediglich die Fähigkeiten und Daten.

Genau deshalb sehen viele Experten Model Context Protocol (MCP) als wirtschaftlich deutlich besser skalierbaren Ansatz für den Massenmarkt.

Warum Unternehmen von diesem Modell profitieren

Der MCP-Ansatz bietet nicht nur Vorteile für Nutzer, sondern auch wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen. Viele Agentic-AI-Konzepte basieren darauf, dass Unternehmen eigene KI-Agenten betreiben. Jede Anfrage verursacht dabei Rechen- und Token-Kosten. Je komplexer die Aufgaben und je höher die Nutzerzahlen, desto teurer wird das Modell.

MCP verfolgt einen anderen Ansatz. Der Nutzer bringt seinen eigenen KI-Assistenten mit und damit auch die benötigte Rechenleistung. Das Unternehmen stellt lediglich Daten und Commerce-Funktionen bereit.

Dadurch verschiebt sich ein erheblicher Teil der KI-Kosten auf die Seite des Nutzers beziehungsweise des KI-Anbieters. Für Händler und Hersteller entsteht ein deutlich skalierbareres Modell: Sie öffnen ihre Systeme für KI-gestützte Commerce-Prozesse, ohne selbst jede Suchanfrage oder Beratung finanzieren zu müssen.

Der eigentliche Paradigmenwechsel

Die Kehrseite: Unternehmen verlieren einen Teil ihrer bisherigen Kontrolle. Auf einer Website bestimmen sie Navigation, Produktempfehlungen, Suchergebnisse und Customer Journey.

In einer MCP-Welt verschiebt sich diese Kontrolle zunehmend zum Nutzer und dessen KI-System. Der Kunde baut sich seinen persönlichen digitalen Marktplatz selbst. Dadurch entsteht eine neue Wettbewerbsebene. Nicht die schönste Oberfläche gewinnt. Nicht einmal die beste Suchmaschinenoptimierung.

Gewinnen werden Unternehmen, deren Produkte, Daten und Geschäftsprozesse für KI-Systeme am einfachsten nutzbar sind. Der Commerce der Zukunft wird deshalb nicht mehr allein über den Onlineshop entschieden werden, sondern mindestens ebenso stark über die Qualität der Schnittstellen dahinter.

MCP-Server – Model Context ProtocolJonas Degener
ist Business Consultant bei Sybit.

Bildquelle: Sybit

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