Kommentar

Die wahre Bremse der Digitalisierung? Eine zu komplexe Zahlungsinfrastruktur

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Die nächste Entwicklung wartet nicht

Das wird mit Blick auf neue Technologien noch wichtiger. KI-Assistenten könnten künftig Produkte recherchieren, Preise vergleichen und Einkäufe im Auftrag ihrer Nutzer vorbereiten oder sogar selbstständig tätigen. Das klingt heute noch abstrakt. Trotzdem erwartet mehr als die Hälfte der Händler, die sich dazu äußern konnten, schon in den kommenden ein bis drei Jahren eine hohe Relevanz für das eigene Geschäft.

Bemerkenswert ist die andere Hälfte der Antwort: 17 der 109 Befragten trauten sich zu der Frage überhaupt keine Einschätzung zu, bei der Frage nach den konkreten Herausforderungen waren es 27. Ein Viertel des Handels hat zu einer Entwicklung, die in drei Jahren am Check-out ankommen kann, noch keine Position.

Dabei sind die offenen Punkte benennbar. Wer haftet bei einem Fehlkauf? Wie wird eine Zahlung autorisiert, die kein Mensch ausgelöst hat? Wie werden Ausgaben begrenzt? Und wem gehört die Kundenbeziehung, wenn ein Assistent die Auswahl trifft? Genau das nennen die Befragten auch: Haftung, technische Integration in den bestehenden Checkout, Verlust des direkten Kundenkontakts.

Diese Fragen lassen sich nicht nachträglich klären. Ein weiterer Kanal ist noch kein Fortschritt. Fortschritt entsteht, wenn Sicherheit, Zahlung, Einwilligung und klare Verantwortlichkeiten von Anfang an in den Prozessen stecken – und dafür braucht der Handel eine Infrastruktur, die interoperabel und verlässlich ist. Wer heute vier Systeme nebeneinander betreibt, hat dafür keine Grundlage.

Der Handel steht unter erheblichem Druck. Das sollten wir weder beschönigen noch dramatisieren. Entscheidend ist, dass viele Händler nicht mit Stillstand reagieren. Sie investieren, testen neue Angebote und entwickeln ihre Geschäftsmodelle weiter.

Robert Bueninck, CEO von Unzer

Verantwortung liegt auch bei den Anbietern

Die Verantwortung für diesen Wandel darf nicht allein bei den Händlern liegen. Auch wir als Zahlungs- und Technologieanbieter müssen uns fragen, ob unsere Lösungen Komplexität wirklich reduzieren oder lediglich neue Funktionen hinzufügen.

Ein mittelständischer Händler braucht nicht für jedes Problem ein neues System. Er braucht eine Infrastruktur, die mit seinem Geschäft wachsen kann und verschiedene Funktionen sinnvoll zusammenführt.

Auch die Politik ist gefordert. Wer lebendige Innenstädte, wettbewerbsfähige mittelständische Unternehmen und digitale Souveränität will, muss Investitionen in moderne Handels- und Zahlungsinfrastruktur erleichtern. Dazu gehören verlässliche Regeln, weniger unnötige Bürokratie und Rahmenbedingungen, unter denen auch kleinere Unternehmen neue Technologien einsetzen können.

Und Europa braucht eigene wettbewerbsfähige Fähigkeiten. Das bedeutet ausdrücklich nicht Abschottung: Im Zahlungsverkehr arbeiten wir täglich mit internationalen Partnern zusammen und profitieren von ihrer Reichweite und Innovationskraft. Aber handlungsfähig bleiben heißt, offene Standards und Anbieter zu haben, die die unterschiedlichen Märkte, Regulierungen und Zahlungsgewohnheiten in Europa verstehen.

Fazit: Aus Investitionen muss Fortschritt werden

Der Handel steht unter erheblichem Druck. Das sollten wir weder beschönigen noch dramatisieren. Entscheidend ist, dass viele Händler nicht mit Stillstand reagieren. Sie investieren, testen neue Angebote und entwickeln ihre Geschäftsmodelle weiter.

Der Handel investiert also nicht zu wenig. Zu oft muss er jedoch in Einzellösungen investieren, die zusätzliche Komplexität schaffen, statt sie zu reduzieren.

Die Aufgabe der nächsten Jahre besteht deshalb nicht darin, den Mittelstand mit immer neuen Technologien zu überziehen. Sie besteht darin, ihm Werkzeuge zugänglich zu machen, die zusammenarbeiten. Daran sollten sich Anbieter wie wir messen lassen: nicht daran, wie viele Funktionen wir anbieten, sondern daran, wie viel Aufwand wir einem Händler abnehmen.

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ZahlungsinfrastrukturRobert Bueninck  
ist CEO von Unzer.

Bildquelle: Unzer