Suchmaschinen-Markt Google-Suche: Was die Milliardenstrafe der EU bewirken kann

Ein Gastbeitrag von Dr. Wolfgang Oels 3 min Lesedauer

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Heute hat die EU eine Milliardenstrafe gegen Google verhängt. Gut so. Aber wer glaubt, damit sei das Problem, was sich hinter der Google-Suche verbirgt, gelöst, versteht nicht, womit es Europa wirklich zu tun hat.

(Bild:  © fotohansel/stock.adobe.com)
(Bild: © fotohansel/stock.adobe.com)

Stellen Sie sich vor, Sie parken jeden Tag im Halteverbot. Nicht, weil Sie es nicht wissen. Nicht, weil Sie es sich nicht leisten könnten, woanders zu parken. Sondern weil das Knöllchen billiger ist als die Parkgebühr und bequemer als der nächstgelegene Parkplatz. So verhält sich Google seit fast zehn Jahren gegenüber der Europäischen Union, die seit 2017 Bußgelder in Höhe von über elf Milliarden Euro gegenüber der Google-Suche erlassen hat.

Gegen die von der Europäischen Kommission verhängten Bußgelder ist der Tech-Konzern stets in Revision gegangen ist und hat diese teilweise auch erst nach Jahren bezahlt. Der Marktanteil von Google bei der Internetsuche in Europa? In der Zwischenzeit liegt die Google-Suche bei rund 90 Prozent. Die jetzt verhängte Strafe von  890 Millionen Euro wegen unfairer Geschäftspraktiken für ein Unternehmen mit 400 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz sind kein Abschreckungsmittel. Sie sind vielmehr kalkulierter Teil eines Geschäftsmodells.

Was die Google-Suche wirklich besitzt

Stellen Sie sich das Internet als eine riesige, unaufgeräumte Bibliothek vor. Die Google-Suche hat zwanzig Jahre damit verbracht, jeden Winkel zu katalogisieren: Welche Seiten existieren? Was steht drauf? Wer verlinkt auf wen? Das ist der Suchindex, eine gigantische Karte des gesamten Internets. Aber das ist nur die eine Hälfte. Die andere Hälfte sind wir. Jedes Mal, wenn jemand etwas eingibt und auf ein Ergebnis klickt - oder eben nicht - lernt die Google-Suche dazu.

Milliarden Suchanfragen täglich, über zwanzig Jahre, in dutzenden Sprachen. Diesen Datenschatz besitzt kein anderes Unternehmen der Welt. Mehr Nutzer erzeugen mehr Daten, die bessere Ergebnisse liefern, die mehr Nutzer anziehen. Ein Kreislauf, aus dem man ohne externe Intervention nicht herauskommt. Schon gar nicht mit Knöllchen. Da müsste schon der Abschleppwagen kommen.

Google-Suche: Der rechtliche Boden bricht weg

Diese Abhängigkeit von US-amerikanischer Suchinfrastruktur ist längst kein bloßes Wettbewerbsproblem mehr. Sie kann jeden von uns persönlich treffen. Der US CLOUD Act verpflichtet US-Unternehmen, sämtliche Daten europäischer Nutzer und Nutzerinnen an US-Behörden herauszugeben, unabhängig davon, was nach europäischem Recht möglich ist. Im April 2026 hat Google Standortdaten europäischer Nutzer an die US-Einwanderungsbehörde ICE weitergegeben, kein Hack, kein Datenleck, sondern freiwillig geliefert. US-Unternehmen geben Daten teils sogar ohne konkrete Rechtsgrundlage weiter, aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber Washington.

Gleichzeitig hat der US Supreme Court erst vor ein paar Wochen entschieden, dass die Federal Trade Commission nicht mehr unabhängig von der Regierung sein darf. Da das EU-US-Datenabkommen auf der Unabhängigkeit der FTC beruht, ist seine rechtliche Grundlage nach Einschätzung der Datenschutzorganisation NOYB faktisch weggefallen.

Das stellt Unternehmen und ihre Rechtsabteilungen vor eine Frage, die bislang kaum jemand laut stellt: Kommen sie ihrer Sorgfaltspflicht noch nach, wenn sie Mitarbeitenden amerikanische Software als voreingestelltes Standard-Arbeitswerkzeug geben - insbesondere Browser, Suche und Office? Das sind keine rhetorischen Fragen. Es sind Haftungsfragen.

Wendepunkt im Wettbewerb noch nicht erreicht

Letzte Woche hat die Kommission Google verpflichtet, seine Daten der Google-Suche ab Januar 2027 mit europäischen Wettbewerbern zu teilen. Das ist der eigentliche Wendepunkt, denn erst damit können europäische Suchmaschinen beginnen, eine eigene Karte der Bibliothek zu zeichnen, unabhängig von US-amerikanischen Infrastrukturen und Recht. Das Knöllchen von heute ist ein nötiges und auch mutiges Signal. Unser Falschparker steht allerdings immer noch im Halteverbot. Damit er seinen Platz da räumt, muss wohl der Abschleppwagen kommen.

Wolfgang Oels Google SucheDr. Wolfgang Oels
ist Geschäftsführer von Ecosia, einer europäischen Suchmaschine mit Millionen von Nutzern. Er ist außerdem Initiator der European Search Perspective, die allen EU-Mitgliedstaaten einschließlich Deutschland angeboten hat, einen eigenen Suchindex aufzubauen.

Bildquelle: Ecosia GmbH

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