Künstliche Intelligenz Datensouveränität scheitert ohne technische Governance

Ein Gastbeitrag von Sven Selle 5 min Lesedauer

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Datensouveränität ist kein Standort, sondern Kontrolle: Ohne technische Governance entstehen unübersichtliche Datenflüsse, Sicherheitslücken und unkontrollierbare KI‑Agenten. Unternehmen müssen jetzt systematisch handeln.

(Bild:  © Red/stock.adobe.com)
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DARUM GEHT'S

Datensouveränität als Fähigkeit: Echte Souveränität lässt sich nicht kaufen, etwa durch Migration in europäische Rechenzentren oder den Wechsel des Cloud-Anbieters. Sie entsteht intern – durch die Fähigkeit, selbstbestimmt mit den eigenen Daten umzugehen.

Technische Data Governance: Das eigentliche Fundament der Datensouveränität ruht auf vier Dimensionen: klare Dateneigentumsverhältnisse und Zugriffsrechte, nachvollziehbare Datenherkunft, reproduzierbare Dokumentation von Daten, Modellen und Workflows sowie Monitoring und Kontrolle aller aktiven KI-Systeme.

Agentic AI: Mit dem Aufstieg agentischer KI-Systeme, die eigenständig auf Datenquellen zugreifen, wird Governance kritisch. Ohne klare Verantwortlichkeiten drohen Sicherheitslücken, etwa die unbeabsichtigte Weitergabe sensibler Informationen an LLM-Betreiber. Agentic AI ohne Governance bedeutet Kontrollverlust.

Datensouveränität ist das Wort der Stunde. Genau darin besteht auch die aktuelle Herausforderung, denn der Begriff wird in politischen Debatten, Unternehmensstrategien und Technologiediskussionen gleichermaßen verwendet, ohne dass man sich über ein gemeinsames Verständnis einig wäre. Und dazwischen Unternehmen, die nicht wissen, welche Definition für sie gilt und die deshalb gar nicht erst anfangen.

Doch diese Unklarheit darf kein Grund sein, die eigene Datenstrategie aufzuschieben. Denn während Unternehmen auf einen globalen Konsens warten, bewegt sich der Wettbewerb weiter. Die eigentliche Frage ist deshalb nicht: „Welche Definition von Datensouveränität ist die richtige?“ Sondern vielmehr: „Worauf muss jedes Unternehmen unabhängig von der laufenden Debatte eine Antwort haben?“ 

Was nützt es, wenn die Daten physisch in Frankfurt liegen, aber niemand im Unternehmen genau weiß, wer auf welche Daten zugreifen darf, woher sie stammen und wie sie verarbeitet werden?

Sven Selle, Senior Director Field Engineering EMEA bei Dataiku

Datensouveränität ist kein Produkt, sondern eine Fähigkeit

„Datensouveränität lässt sich kaufen“ ist hierbei ein weit verbreiteter Irrtum. Unternehmen investieren Jahre und Millionen in Migrationsprojekte, verlagern Daten in europäische Rechenzentren, wechseln Cloud-Anbieter oder bauen eigene Infrastrukturen, um fortan als souverän zu gelten. Doch das greift zu kurz. Denn was nützt es, wenn die Daten physisch in Frankfurt liegen, aber niemand im Unternehmen genau weiß, wer auf welche Daten zugreifen darf, woher sie stammen und wie sie verarbeitet werden?

Echte Souveränität, also die Fähigkeit, selbstbestimmt mit den eigenen Daten umzugehen, beginnt intern. Sie entsteht durch klare Eigentumsverhältnisse, transparente Zugriffsrechte und nachvollziehbare Datenflüsse. Kurz: durch technische Data Governance. Wer diese Grundlage nicht gelegt hat, bleibt souverän auf dem Papier und abhängig in der Praxis.

Das wird besonders deutlich, wenn man sich vor Augen führt, was in den meisten Unternehmen tatsächlich passiert. Daten liegen verteilt über Dutzende von Systemen, Teams entwickeln eigene Analyseumgebungen, und niemand hat einen vollständigen Überblick über den Gesamtzustand der Datenwelt. In dieser Realität ist die Frage nach dem Serverstandort zweitrangig.

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