Plattformökonomie

Uber schluckt Delivery Hero: Ein Milliarden-Deal, der den E-Commerce verändert

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Der Wettbewerb um den lokalen Warenkorb

Vor diesem Hintergrund erscheint auch der häufig gezogene Vergleich mit Amazon durchaus nachvollziehbar. Amazon hat den digitalen Warenkorb erobert. Uber verfolgt das Potenzial, den lokalen Warenkorb zu kontrollieren. Der entscheidende Wettbewerb findet künftig nicht mehr ausschließlich über Logistik statt, sondern über die digitale Kundenschnittstelle. Wer diese besetzt, entscheidet zunehmend darüber, welche Produkte sichtbar werden, welche Händler Reichweite erhalten und wie Kaufentscheidungen beeinflusst werden.

Das bedeutet der Deal für Händler und Marken

Für Markenhersteller aus der FMCG-Branche hat diese Entwicklung erhebliche Konsequenzen. Sichtbarkeit entsteht längst nicht mehr ausschließlich im Supermarktregal oder durch klassische Handelsbeziehungen. Digitale Plattformen entwickeln sich zu den neuen Gatekeepern. Die Platzierung innerhalb einer App, algorithmische Produktempfehlungen und datenbasierte Werbemöglichkeiten gewinnen erheblich an Bedeutung. Für Hersteller bedeutet das, Plattformstrategien künftig ebenso konsequent zu entwickeln wie klassische Vertriebsstrategien.

Steigende Plattform-Macht verändert die Spielregeln

Auch Restaurants stehen vor einer neuen Realität. Lieferplattformen schaffen Reichweite und erschließen zusätzliche Umsätze. Gleichzeitig nimmt mit jeder weiteren Konsolidierung die Verhandlungsmacht weniger großer Plattformen zu. Provisionen, Werbeleistungen und die Sichtbarkeit innerhalb der App werden damit noch stärker zu strategischen Erfolgsfaktoren. Viele Betriebe werden künftig stärker darauf achten müssen, eigene Kundenbeziehungen parallel aufzubauen, um nicht vollständig von einzelnen Plattformen abhängig zu werden.

Der Wettbewerb verschiebt sich zunehmend von der physischen Logistik hin zur intelligenten Nutzung von Daten. Wer über die besseren Daten verfügt und sie schneller in operative Entscheidungen übersetzen kann, verschafft sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Britta Harjes, Partnerin bei der Unternehmensberatung Atreus in der Solution Group Konsumgüter- und Handel

Mehr Komfort heute, weniger Wettbewerb morgen?

Für Konsumenten überwiegen kurzfristig die Vorteile. Größere Plattformen ermöglichen mehr Komfort, schnellere Lieferungen und ein breiteres Angebot. Langfristig stellt sich jedoch die Frage, wie sich Wettbewerb, Auswahl und Preisniveau entwickeln, wenn sich immer größere Teile des lokalen Handels auf wenige internationale Plattformen konzentrieren. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre.

Künstliche Intelligenz wird zum zentralen Wettbewerbsvorteil

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung wird künstliche Intelligenz sein. KI optimiert heute bereits Tourenplanung, Nachfrageprognosen und Kapazitätssteuerung. Künftig wird sie jedoch weit stärker darüber entscheiden, welche Produkte empfohlen werden, welche Restaurants sichtbar sind und welche Preise situativ angeboten werden. Damit verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend von der physischen Logistik hin zur intelligenten Nutzung von Daten. Wer über die besseren Daten verfügt und sie schneller in operative Entscheidungen übersetzen kann, verschafft sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Quick Commerce vor dem Comeback

Auch Quick Commerce könnte dadurch eine neue wirtschaftliche Perspektive erhalten. Lange galt das Geschäftsmodell aufgrund kleiner Warenkörbe und hoher Logistikkosten als schwierig. Fortschritte bei KI-gestützter Tourenplanung, Bedarfsprognosen und Netzwerkauslastung könnten die Wirtschaftlichkeit jedoch deutlich verbessern. Quick Commerce wäre dann nicht länger ein eigenständiges Geschäftsmodell, sondern ein weiterer Baustein innerhalb eines integrierten Plattformökosystems.

Globale Plattformen bestimmen die Zukunft

Für Deutschland ist der Deal vor allem ein Signal. Die strategischen Entscheidungen über die Zukunft des Plattformgeschäfts werden zunehmend global getroffen. Deutschland bleibt zwar ein wichtiger Technologie-, Talent- und Absatzmarkt, die Dynamik der Plattformökonomie wird jedoch immer stärker von internationalen Unternehmen bestimmt. Gleichzeitig dürfte der Druck auf mittelgroße Anbieter ohne ausreichende Skalierung oder klar differenziertes Geschäftsmodell weiter steigen. Wer der nächste Übernahmekandidat sein wird, lässt sich heute seriös nicht vorhersagen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass sich die Konsolidierung fortsetzen wird.

Die eigentliche Erkenntnis aus der Übernahme lautet deshalb: Uber kauft nicht primär Delivery Hero. Uber kauft Relevanz im Alltag der Menschen. Food Delivery ist dabei nicht das Endspiel, sondern der Türöffner. Die Zukunft entscheidet sich an der digitalen Kundenschnittstelle – dort, wo Mobilität, Handel, Daten und Logistik zu einem integrierten Ökosystem zusammenwachsen. Wer diese Schnittstelle kontrolliert, wird den lokalen Handel der kommenden Jahre maßgeblich prägen.

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Fazit

Die Übernahme von Teilen von Delivery Hero durch Uber zeigt, dass der Wettbewerb im E-Commerce künftig nicht allein über Logistik, sondern vor allem über Kundenzugang, Daten und Plattform-Ökosysteme entschieden wird. Für Händler entstehen neue Wachstumschancen durch größere Reichweite und schnellere Liefermodelle, gleichzeitig wächst jedoch die Abhängigkeit von wenigen Plattformen.

Die wichtigste Handlungsempfehlung: Händler sollten Plattformen gezielt als Vertriebskanal nutzen, aber gleichzeitig in den Aufbau eigener Kundendaten, direkte Kundenbeziehungen und eine starke Marke investieren. Nur wer Reichweite und Unabhängigkeit in Balance hält, wird im zukünftigen Plattformhandel nachhaltig erfolgreich sein.

Uber – Delivery Hero – Plattformökonomie – ÜbernahmeBritta Harjes 
ist Partnerin bei der Unternehmensberatung Atreus in der Solution Group Konsumgüter- und Handel.

Bildquelle: Atreus