Vor diesem Hintergrund erscheint auch der häufig gezogene Vergleich mit Amazon durchaus nachvollziehbar. Amazon hat den digitalen Warenkorb erobert. Uber verfolgt das Potenzial, den lokalen Warenkorb zu kontrollieren. Der entscheidende Wettbewerb findet künftig nicht mehr ausschließlich über Logistik statt, sondern über die digitale Kundenschnittstelle. Wer diese besetzt, entscheidet zunehmend darüber, welche Produkte sichtbar werden, welche Händler Reichweite erhalten und wie Kaufentscheidungen beeinflusst werden.
Das bedeutet der Deal für Händler und Marken
Für Markenhersteller aus der FMCG-Branche hat diese Entwicklung erhebliche Konsequenzen. Sichtbarkeit entsteht längst nicht mehr ausschließlich im Supermarktregal oder durch klassische Handelsbeziehungen. Digitale Plattformen entwickeln sich zu den neuen Gatekeepern. Die Platzierung innerhalb einer App, algorithmische Produktempfehlungen und datenbasierte Werbemöglichkeiten gewinnen erheblich an Bedeutung. Für Hersteller bedeutet das, Plattformstrategien künftig ebenso konsequent zu entwickeln wie klassische Vertriebsstrategien.
Steigende Plattform-Macht verändert die Spielregeln
Auch Restaurants stehen vor einer neuen Realität. Lieferplattformen schaffen Reichweite und erschließen zusätzliche Umsätze. Gleichzeitig nimmt mit jeder weiteren Konsolidierung die Verhandlungsmacht weniger großer Plattformen zu. Provisionen, Werbeleistungen und die Sichtbarkeit innerhalb der App werden damit noch stärker zu strategischen Erfolgsfaktoren. Viele Betriebe werden künftig stärker darauf achten müssen, eigene Kundenbeziehungen parallel aufzubauen, um nicht vollständig von einzelnen Plattformen abhängig zu werden.
Der Wettbewerb verschiebt sich zunehmend von der physischen Logistik hin zur intelligenten Nutzung von Daten. Wer über die besseren Daten verfügt und sie schneller in operative Entscheidungen übersetzen kann, verschafft sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.
Britta Harjes, Partnerin bei der Unternehmensberatung Atreus in der Solution Group Konsumgüter- und Handel
Mehr Komfort heute, weniger Wettbewerb morgen?
Für Konsumenten überwiegen kurzfristig die Vorteile. Größere Plattformen ermöglichen mehr Komfort, schnellere Lieferungen und ein breiteres Angebot. Langfristig stellt sich jedoch die Frage, wie sich Wettbewerb, Auswahl und Preisniveau entwickeln, wenn sich immer größere Teile des lokalen Handels auf wenige internationale Plattformen konzentrieren. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre.
Künstliche Intelligenz wird zum zentralen Wettbewerbsvorteil
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung wird künstliche Intelligenz sein. KI optimiert heute bereits Tourenplanung, Nachfrageprognosen und Kapazitätssteuerung. Künftig wird sie jedoch weit stärker darüber entscheiden, welche Produkte empfohlen werden, welche Restaurants sichtbar sind und welche Preise situativ angeboten werden. Damit verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend von der physischen Logistik hin zur intelligenten Nutzung von Daten. Wer über die besseren Daten verfügt und sie schneller in operative Entscheidungen übersetzen kann, verschafft sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.
Auch Quick Commerce könnte dadurch eine neue wirtschaftliche Perspektive erhalten. Lange galt das Geschäftsmodell aufgrund kleiner Warenkörbe und hoher Logistikkosten als schwierig. Fortschritte bei KI-gestützter Tourenplanung, Bedarfsprognosen und Netzwerkauslastung könnten die Wirtschaftlichkeit jedoch deutlich verbessern. Quick Commerce wäre dann nicht länger ein eigenständiges Geschäftsmodell, sondern ein weiterer Baustein innerhalb eines integrierten Plattformökosystems.
Globale Plattformen bestimmen die Zukunft
Für Deutschland ist der Deal vor allem ein Signal. Die strategischen Entscheidungen über die Zukunft des Plattformgeschäfts werden zunehmend global getroffen. Deutschland bleibt zwar ein wichtiger Technologie-, Talent- und Absatzmarkt, die Dynamik der Plattformökonomie wird jedoch immer stärker von internationalen Unternehmen bestimmt. Gleichzeitig dürfte der Druck auf mittelgroße Anbieter ohne ausreichende Skalierung oder klar differenziertes Geschäftsmodell weiter steigen. Wer der nächste Übernahmekandidat sein wird, lässt sich heute seriös nicht vorhersagen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass sich die Konsolidierung fortsetzen wird.
Die eigentliche Erkenntnis aus der Übernahme lautet deshalb: Uber kauft nicht primär Delivery Hero. Uber kauft Relevanz im Alltag der Menschen. Food Delivery ist dabei nicht das Endspiel, sondern der Türöffner. Die Zukunft entscheidet sich an der digitalen Kundenschnittstelle – dort, wo Mobilität, Handel, Daten und Logistik zu einem integrierten Ökosystem zusammenwachsen. Wer diese Schnittstelle kontrolliert, wird den lokalen Handel der kommenden Jahre maßgeblich prägen.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Fazit
Die Übernahme von Teilen von Delivery Hero durch Uber zeigt, dass der Wettbewerb im E-Commerce künftig nicht allein über Logistik, sondern vor allem über Kundenzugang, Daten und Plattform-Ökosysteme entschieden wird. Für Händler entstehen neue Wachstumschancen durch größere Reichweite und schnellere Liefermodelle, gleichzeitig wächst jedoch die Abhängigkeit von wenigen Plattformen.
Die wichtigste Handlungsempfehlung: Händler sollten Plattformen gezielt als Vertriebskanal nutzen, aber gleichzeitig in den Aufbau eigener Kundendaten, direkte Kundenbeziehungen und eine starke Marke investieren. Nur wer Reichweite und Unabhängigkeit in Balance hält, wird im zukünftigen Plattformhandel nachhaltig erfolgreich sein.
Britta Harjes ist Partnerin bei der Unternehmensberatung Atreus in der Solution Group Konsumgüter- und Handel.