Partnerschaft statt Projektgeschäft Agentur-Tagessatz im E-Commerce: Wie KI das Geschäftsmodell auf den Kopf stellt

Ein Gastbeitrag von Peer Eschenbach 8 min Lesedauer

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Das Modell „Zeit gegen Geld“ verliert durch KI zunehmend seine Logik und der Agentur-Tagessatz gerät unter Druck: Je effizienter E-Commerce-Agenturen arbeiten, desto weniger verdienen sie. Hybrid-Modelle sollten Wirkung statt Zeit vergüten.

(Bild:  © Gorodenkoff/stock.adobe.com)
(Bild: © Gorodenkoff/stock.adobe.com)

EXECUTIVE SUMMARY

Das Problem: KI macht Agenturen schneller, doch bei der Abrechnung nach Zeit sinkt damit oft ihr Umsatz. Das Modell belohnt Aufwand statt Wirkung.

Die Kosten: Ein günstiger Tagessatz kann teuer werden, wenn Projekte dadurch langsamer live gehen. Verpasster Markterfolg kann die eingesparte Vergütung übersteigen.

Die Kosten: Ein günstiger Tagessatz kann teuer werden, wenn Projekte dadurch langsamer live gehen. Verpasster Markterfolg kann die eingesparte Vergütung übersteigen.

Das Risiko: Wer am reinen Tagessatz festhält, setzt die eigene Marge und Innovationsfähigkeit unter Druck. Kunden riskieren zugleich, Zeit statt Geschwindigkeit und Markterfolg einzukaufen.

Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitsweise und -geschwindigkeit. Projekte, die früher Wochen beanspruchten, werden in Stunden erledigt. Was im Agenturalltag früher als Zwanzig-Mann-Tag verkauft und umgesetzt wurde, dauert heute nur noch wenige Tage. Stundenaufwände, die früher Gang und Gäbe waren, werden von den Kunden heute nicht mehr akzeptiert. Agenturen bekommen von Kunden heute oft zu hören, dass sie die Projekte auch selbst schnell umsetzen können - eben mit KI. 

KI schafft den zeitlichen Raum, sich auf Strategien und wichtige Themen konzentrieren zu können. Doch während die Effizienz zunimmt, kämpfen Agenturen mit den Folgen veralteter Abrechnungsmodelle. Je innovativer und schneller eine Agentur durch KI wird, desto weniger verdient sie. Wer heute noch nach Zeit abrechnet, arbeitet zunehmend in einem widersprüchlichen Anreizsystem. Wir honorieren aktuell nicht die Lösung, sondern das Problem. Wer Effizienzgewinne nicht in neue Vergütungsmodelle übersetzt, setzt sein Geschäftsmodell wirtschaftlich unter Druck. Das Modell „Zeit gegen Geld“ verliert durch KI zunehmend seine wirtschaftliche Logik. Ich rufe Agenturen und Kunden zu einem Umdenken auf: Weg vom Einkauf von Kapazitäten, hin zum Investment in den eigenen Markterfolg.

Agenturen, die ausschließlich über Tagessätze abrechnen, geraten zunehmend in Gefahr, ihren Kunden Zeitaufwände statt Wirkung zu verkaufen. Dieser Ansatz ist nicht  zeitgemäß.

Peer Eschenbach, Geschäftsführer der Open Digital Group

E-Commerce, bereit für das Ende der Tagessätze?

KI verändert den E-Commerce. Von Agentic Commerce bis Dynamic Pricing wird sie das Betriebssystem moderner Shops. Aufgaben, deren Umsetzung früher Tage beanspruchte, lassen sich heute in einem Bruchteil der Zeit lösen. Was auf der einen Seite innovativ und effizient ist, bedeutet auf der anderen Seite massive Veränderungen für die Arbeits- und Abrechnungsweise der E-Commerce-Agenturen. 

In der Welt der klassischen Tagessätze werden Agenturen für ihre KI-Innovationskraft bestraft. Wer Prozesse durch Erfahrung und KI-Tools beschleunigt, gerät bei einem Abrechnungsmodell nach Zeit unter Druck: Der eigene Umsatz sinkt, trotz der effizienten Umsetzung der Kundenprojekte.

Agenturen, die ausschließlich über Tagessätze abrechnen, geraten zunehmend in Gefahr, ihren Kunden Zeitaufwände statt Wirkung zu verkaufen. Dieser Ansatz ist nicht zeitgemäß. 

Wir stehen am Anfang einer Entwicklung, in der nicht mehr der Zeitaufwand, sondern der geschaffene Geschäftswert (Business Value und Erfolg) die logische Vergütungsbasis darstellen sollte. Die E-Commerce-Branche steckt in einer Umbruchphase: Wir entwickeln uns vom operativen Umsetzer zum strategischen Ergebnis-Partner.

FAQ: Tagessatz, KI und erfolgsbasierte Vergütung

Warum ist ein günstiger Tagessatz für Kunden oft die teurere Wahl?

Weil sie damit oftmals operative Kapazitäten einkaufen, aber nicht unbedingt Geschwindigkeit. Agenturen, die nach Zeit bezahlt werden, haben keinen finanziellen Anreiz, Projekte schneller abzuwickeln. In einem KI-beschleunigten Markt kostet ein verzögerter Marktstart (Go-to-Market) am Ende deutlich mehr Umsatz als das vermeintlich gesparte Honorar.

Warum bestraft das klassische Tagessatz-Modell die Innovationskraft von Agenturen?

Durch den Einsatz von KI und Automatisierung lassen sich Projekte, die früher Wochen dauerten, heute in Stunden erledigen. Rechnet eine Agentur strikt nach Zeit ab, sinkt ihr Umsatz, je effizienter und innovativer sie arbeitet. Das aktuelle System honoriert somit das Problem (die Dauer) und nicht die Lösung.

Werden bewährte Preismodelle von heute auf morgen verschwinden?

Nein, es wird kein abruptes Ende geben. Für initiale Discovery-Phasen, Strategieberatung oder hochindividuelle Sonderbauten behält das klassische „Time & Material“-Modell weiterhin seine Berechtigung. Erst im skalierenden, kontinuierlichen Dauerbetrieb stößt es an seine Grenzen und sollte durch Hybrid-Modelle ersetzt werden.

Wie sieht das alternative „wertbasierte“ Preismodell konkret aus?

Die neue Währung sind messbare Business-Ergebnisse (Outcome statt Input). Statt isolierter Großprojekte wird die Mitgestaltung des profitablen Dauerbetriebes vergütet. Die Basis für Honorare bilden KPIs wie Umsatzsteigerung, Conversion-Rates, Margen-Optimierung oder Kundenbindung.

Wie können faire „Hybrid-Modelle“ in der Praxis gestaltet werden?

Hybrid-Modelle teilen die Effizienzgewinne durch KI fair zwischen Kunde und Agentur auf. Da sich nicht jede Leistung (zum Beispiel Transformationen oder Markenstrategie) rein erfolgsbasiert vergüten lässt, kombiniert man feste oder flexible Grundhonorare für die Beratung mit Performance-basierten Komponenten für den messbaren Markterfolg.

Warum der Agentur-Tagessatz Geschwindigkeit und Innovation kostet

Auch die Kunden müssen in die Pflicht genommen werden. Unternehmen, die nach dem günstigsten Tagessatz einkaufen, riskieren die technologische Rückständigkeit der eigenen Projekte. Kunden müssen verstehen, dass ein günstiger Tagessatz oft die teurere Wahl ist. Denn Kunden kaufen sich operative Kapazität, aber keine Geschwindigkeit. In einem Markt, der durch KI beschleunigt wird, sind die Opportunitätskosten durch einen späteren Go-to-Market höher als jede Ersparnis beim Honorar. Wer primär Zeit einkauft, incentiviert nicht automatisch Geschwindigkeit oder Innovation. Wer Erfolg einkauft, bekommt Innovation.

Vom Performance-basierten Modell profitieren nicht nur die Agenturen, sondern auch die Kunden. Denn das Modell garantiert dem Kunden, dass die von ihm beauftragte Agentur ein Eigeninteresse an maximaler Geschwindigkeit, Effizienz und dem gemeinsamen Projekterfolg hat.

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