Fulfillment by Amazon (FBA) Amazon-Retouren ohne Rücksendung: Chance zu sparen oder teure Falle für FBA-Händler?

Von Konstantin Pfliegl 4 min Lesedauer

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Amazon Retouren ohne Rücksendung: FBA-Händler können Kunden künftig erstatten, ohne die Ware zurückzuholen. Das spart Aufwand und Gebühren, kann sich aber nicht für jedes Produkt lohnen.

(Bild:  © Ralf/stock.adobe.com)
(Bild: © Ralf/stock.adobe.com)

EXECUTIVE SUMMARY

Das Problem: Ware weg, Erstattung raus. Bei einer Erstattung ohne Rücksendung behält der Kunde den Artikel und erhält sein Geld zurück. Für FBA-Händler stellt sich die Frage: Wann ist das sinnvoll und wann wird es teuer?

Der Hebel: Klare Prozesse und ein regelmäßiger Blick auf Retouren- und Erstattungsdaten helfen, auffällige Fälle zu erkennen. So lassen sich Entscheidungen besser einordnen und Kosten gezielter im Blick behalten.

Die Kosten: Neben dem möglichen Verlust des Artikels können weitere Aufwände ins Gewicht fallen. Entscheidend ist, welche Folgen die Erstattung im konkreten Fall für die Marge hat.

Das Risiko: Einzelne Erstattungen ohne Rücksendung wirken oft überschaubar. Häufen sie sich, kann daraus jedoch ein relevanter Kostenfaktor werden.

Amazon erweitert eine Option, die Händler schon länger aus anderen Verkaufskanälen kennen: Bei bestimmten Rücksendungen bei Versand durch Amazon (Fulfillment by Amazon, FBA) kann der Kunde künftig eine Erstattung erhalten, ohne den Artikel zurückschicken zu müssen. Das kann Kosten und Aufwand sparen, lohnt sich aber nicht für jedes Produkt.

Die Neuerung ist für Händler mit Versand durch Amazon (FBA) jetzt in den Stores in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und im Vereinigten Königreich verfügbar. Wer sich anmeldet, kann Amazon erlauben, geeignete Rücksendungen direkt mit einer Erstattung zu erledigen.

Das klingt zunächst nach einem großzügigen Zugeständnis. Für Händler kann es jedoch wirtschaftlich sinnvoll sein: Eine Rücksendung verursacht Kosten für Abwicklung, Lagerung und gegebenenfalls Ausbuchung. Ist der Artikel günstig oder nur schwer weiterzuverkaufen, kann es günstiger sein, ihn beim Kunden zu lassen, statt ihn zurückzuholen und erneut zu bearbeiten.

Eine Rücksendung verursacht Kosten für Abwicklung, Lagerung und gegebenenfalls Ausbuchung. Ist der Artikel günstig oder nur schwer weiterzuverkaufen, kann es günstiger sein, ihn beim Kunden zu lassen, statt ihn zurückzuholen und erneut zu bearbeiten.

Konstantin Pfliegl, leitender Redakteur e-commerce magazin und Digital Business Magazin

Händler bestimmen, für welche Artikel die Option gilt

Die Teilnahme ist freiwillig. Händler können in Amazon Seller Central einen maximalen Artikelpreis zwischen 1 und 75 Euro festlegen. Die Einstellung lässt sich grundsätzlich auf alle ASINs (Amazon Standard Identification Number) anwenden, mit einer optionalen CSV-Ausschlussliste, oder nur auf ausgewählte ASINs.

Wichtig: Die Einstellung bedeutet nicht, dass jede Rücksendung automatisch ohne Rücksendung abgewickelt wird. Amazon bewertet jede Rücksendung einzeln. Nur wenn sie die Kriterien für die Berechtigung erfüllt, erhält der Kunde automatisch eine Erstattung und darf den Artikel behalten. Die Ergebnisse lassen sich in Seller Central unter „Warenrücksendungen bei Versand durch Amazon“ verfolgen.

Wo der Vorteil liegt – und wo der Haken? 

Der naheliegendste Vorteil ist eine mögliche Kostenersparnis: Händler können Gebühren und Aufwand für Rücksendungsabwicklung, Lagerung und Ausbuchung vermeiden. Auch weniger zurückgeschickte Ware kann den operativen Aufwand reduzieren. Besonders interessant könnte die Option deshalb bei niedrigpreisigen Artikeln sein, bei denen die Rücksendekosten im Verhältnis zum Warenwert hoch sind.

Dem steht der Warenwert gegenüber: Der Kunde erhält sein Geld zurück, aber der Artikel kommt nicht zurück ins Lager. Ist die Ware noch gut verkäuflich oder vergleichsweise teuer, kann die Erstattung ohne Rückgabe den Händler mehr kosten als eine reguläre Retoure. Die Preisgrenze allein sagt daher wenig darüber aus, ob sich die Option für ein Produkt rechnet. Entscheidend sind unter anderem die tatsächlichen Rücksendekosten, der Wiederverkaufswert und die Frage, ob der Artikel nach einer Rücksendung überhaupt noch verkaufbar wäre.

Auch bei der Retouren-Kennzahl gibt es eine wichtige Besonderheit: Rücksendungen, die auf diese Weise gelöst werden, zählen weiterhin zur Rücksenderate. Sie sind also nicht automatisch ein Mittel, um diese Rate zu senken. Laut Amazon wird für solche Fälle jedoch keine Gebühr für eine hohe Rücksenderate erhoben. Außerdem sind sie nicht für eine Lagerbestand-Erstattung berechtigt.

Fazit: Eine Option, kein Selbstläufer 

Für Händler dürfte sich ein gezielter Einsatz eher anbieten als eine pauschale Freigabe. Niedrigpreisige oder aufwendig zurückzunehmende Artikel könnten sich für einen Test eignen. Bei teureren oder gut wiederverkäuflichen Produkten ist eine Rückgabe womöglich sinnvoller. Da sich die Ergebnisse in Seller Central nachverfolgen lassen, können Händler die Wirtschaftlichkeit anhand ihrer eigenen Rücksendungen prüfen und die Auswahl der ASINs entsprechend anpassen.

Unterm Strich verschiebt Amazon die Entscheidung: Händler können bei geeigneten Rücksendungen zwischen der Rückholung der Ware und einer Erstattung ohne Warenrücksendung abwägen. Das kann Prozesse vereinfachen und Kosten sparen – aber nur, wenn der eingesparte Retouren-Aufwand den Wert der Ware aufwiegt, die beim Kunden bleibt.

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Amazon – FBA – RetourenKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce magazin und das Digital Business Magazin. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing