Supply Chain & Logistics Lieferketten: Was tun, wenn’s im Suezkanal eng wird?

Ein Gastbeitrag von Moritz Gborglah 5 min Lesedauer

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Die Rückkehr zum Suezkanal verspricht kürzere Laufzeiten, könnte aber neue Engpässe bei den Lieferketten auslösen. Das Problem zeigt sich womöglich erst, wenn die Schiffe Europa erreichen.

(Bild:  © Bussarin/stock.adobe.com)
(Bild: © Bussarin/stock.adobe.com)

Für den internationalen Handel wäre eine breitere Rückkehr auf die Route durch den Suezkanal zunächst eine gute Nachricht. Der Weg zwischen Asien und Europa verkürzt sich, mit positiven Auswirkungen auf die Transportzeiten und die Planbarkeit der Lieferketten. Doch die Umstellung birgt ein Risiko: Ausgerechnet die Rückkehr zum kürzeren Seeweg könnte vorübergehend neue Verzögerungen verursachen. Und zwar nicht unbedingt auf See, sondern in europäischen Häfen und bei den anschließenden Transporten ins Hinterland. Für Händler, die Waren aus Asien beziehen, lohnt es sich deshalb, schon jetzt genauer hinzuschauen. Dabei sollten sie vor allem im Blick behalten, wann die Ware im Lager oder Distributionszentrum ankommt und damit tatsächlich verfügbar ist.

Lieferketten: Kollision unterschiedlicher Laufzeiten

Die Herausforderung entsteht vor allem in der Übergangsphase. Während Schiffe weiterhin die längere Strecke um das Kap der Guten Hoffnung zurücklegen, nutzen einige Verkehre bereits wieder den Suezkanal. Damit sind auf denselben Handelsrelationen zeitweise unterschiedliche Laufzeiten im Spiel.

Ein Schiff, das später in Asien ablegt, aber den kürzeren Weg durch den Suezkanal nimmt, könnte Europa zeitgleich mit einem früher gestarteten Schiff erreichen, das noch um das Kap fährt. Häufen sich solche Ankünfte, können zusätzliche Mengenspitzen in den europäischen Häfen entstehen. Container, die normalerweise zeitlich versetzt eintreffen würden, müssen dann innerhalb eines kurzen Zeitfensters abgefertigt werden.

Ob und in welchem Umfang solche Peaks auftreten, hängt davon ab, wie schnell die Reedereien ihre Verkehre umstellen und wie sich tatsächliche Ankunftszeiten entwickeln. Eine pauschale Prognose für einzelne Häfen lässt sich daraus nicht ableiten. Je stärker sich die Warenströme jedoch bündeln, desto wichtiger wird die Abstimmung zwischen Seetransport, Hafenabfertigung und Hinterlandlogistik.

Der Engpass muss nicht am Kai entstehen

Bei möglichen Überlastungen richtet sich der Fokus häufig zuerst auf die großen europäischen Containerhäfen. Doch selbst wenn ein Schiff pünktlich anlegt, bedeutet das nicht, dass die Ware ohne Verzögerung weitertransportiert werden kann. Steigt das Containeraufkommen kurzfristig, kann sich der Druck an verschiedenen Stellen erhöhen: bei der Terminalabfertigung, den Zolldurchlaufzeiten, den Lagerflächen oder den Kapazitäten für den Weitertransport. Auch fehlende Lkw-Fahrer und knappe Terminal-Slots können die Abholung verzögern.

Für den E-Commerce ist das besonders relevant. Händler planen ihre Warenverfügbarkeit häufig entlang konkreter Verkaufstermine wie Marketingaktionen oder saisonaler Nachfragespitzen. Verzögert sich die Anlieferung an das Distributionszentrum, kann das Auswirkungen auf Bestände und die Lieferfähigkeit gegenüber Endkunden haben. Hinzu kommt: Wenn viele Unternehmen gleichzeitig zusätzliche Transportkapazitäten benötigen, können auch die Kosten für nachgelagerte Verkehre steigen. Eine kürzere Seeroute führt deshalb nicht zwangsläufig zu einer günstigeren oder schnelleren Gesamtabwicklung. 

Lieferketten: Transparenz über die Schiffsankunft hinaus

Laut dem 23. SupplyX-Barometer gibt es zahlreiche Hürden bei den Lieferketten: 59 Prozent der Unternehmen nenen regulatorische Anforderungen, 56 Prozent hohe Investitionskosten und 47 Prozent Cyberrisiken. (Bild:  SupplyX)
Laut dem 23. SupplyX-Barometer gibt es zahlreiche Hürden bei den Lieferketten: 59 Prozent der Unternehmen nenen regulatorische Anforderungen, 56 Prozent hohe Investitionskosten und 47 Prozent Cyberrisiken.
(Bild: SupplyX)

Wie können sich Händler auf diese Situation vorbereiten? Wichtig ist, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Dafür reicht es nicht, sich ausschließlich auf die angekündigten Fahrpläne der Reedereien zu verlassen. Relevanter ist, was tatsächlich auf dem Wasser passiert. Beim Logistikdienstleister SupplyX fließen deshalb aktuelle Informationen zu Schiffsbewegungen und Ankunftszeiten in die operative Transportplanung mit ein.

Laut dem 23. SupplyX-Barometer sind die größten Hebel für optimierte Lieferketten eine digitale Zusammenarbeit, Analysten & Forecasting sowie die Automatisierung von Prozessen. (Bild:  SupplyX)
Laut dem 23. SupplyX-Barometer sind die größten Hebel für optimierte Lieferketten eine digitale Zusammenarbeit, Analysten & Forecasting sowie die Automatisierung von Prozessen.
(Bild: SupplyX)

Digitale Plattformen liefern für die Lieferketten wertvolle Informationen. Mithilfe von AIS-Daten lassen sich Schiffsbewegungen verfolgen und mit Fahrplänen sowie aktualisierten voraussichtlichen Ankunftszeiten (ETAs) abgleichen. Zeichnet sich ab, dass ein Schiff deutlich später als geplant eintrifft oder mehrere Ankünfte zusammenfallen, können nachgelagerte Prozesse frühzeitig angepasst werden.

Auch künstliche Intelligenz kann unterstützen, große Datenmengen auszuwerten und Muster zu erkennen. Sie hilft beispielsweise, Auffälligkeiten bei Ankunftszeiten oder Hinweise auf mögliche Überlastungen schneller zu identifizieren. Ihre Grenzen liegen jedoch bei unvorhersehbaren Ereignissen: Sicherheitsentwicklungen, kurzfristige Entscheidungen von Reedereien oder operative Störungen lassen sich nicht zuverlässig prognostizieren.KI ist deshalb kein Ersatz für operative Erfahrung. Als zusätzliches Frühwarnsystem unterstützt sie Logistikverantwortliche dabei, aus den relevanten Informationen rechtzeitig die richtigen Maßnahmen für die Lieferketten abzuleiten.

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