Commerce-Strategie Weniger ist das neue Enterprise: Warum eine einfache E-Commerce-Architektur gewinnt

Ein Gastbeitrag von Simon Rabente 5 min Lesedauer

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Mehr Tools bedeuten nicht automatisch besseren Handel: Eine überladene E-Commerce-Architektur kostet Zeit, Geld und Tempo. So bauen Händler Komplexität ab und reagieren wieder schneller auf Veränderungen. 

(Bild:  © Hero Design/stock.adobe.com)
(Bild: © Hero Design/stock.adobe.com)

EXECUTIVE SUMMARY

Das Problem: Über Jahre gewachsene Commerce-Landschaften bestehen oft aus zu vielen Einzellösungen. Das Ergebnis: doppelte Funktionen, unklare Zuständigkeiten und aufwendige Schnittstellen.

Die Kosten: Der Preis einer Lösung endet nicht bei Lizenz und Einführung. Wartung, Tests und jede spätere Änderung verursachen zusätzlichen Aufwand.

Der Hebel: Wer Datenflüsse und Funktionen regelmäßig prüft, kann Systeme vereinfachen und Veränderungskosten senken. So entsteht mehr Handlungsspielraum, ohne automatisch ein großes Modernisierungsprojekt zu starten.

Das Risiko: Mehr Tools versprechen Flexibilität, können aber auch Abstimmung und Betrieb verteuern. Sind Produktdaten und Schnittstellen nicht verlässlich, macht selbst eine neue KI-Lösung die Schwächen womöglich nur schneller sichtbar.

Ein eigenständiges Shop-Frontend, ein Produkt-Informations-Management-System (PIM), dazu ein separates Digital Asset Management (DAM) für Bilder und andere Medieninhalte sowie ein zusätzlicher Produktkonfigurator: Für fast jede Anforderung im Onlinehandel gibt es inzwischen eine spezialisierte Lösung. Doch jedes zusätzliche System muss angebunden, gepflegt und bei Änderungen mitgedacht werden. Was einzeln vernünftig erscheint, kann in der Summe teuer werden. Viele Händler haben ihre Commerce-Landschaften über Jahre erweitert, ohne alte Bausteine konsequent zu hinterfragen. Heute sollten sie eine andere Frage stellen: Welche Technik brauchen wir tatsächlich?

Weniger ist manchmal mehr: Von gewachsener Komplexität zu klarem Commerce-Fokus.(Bild:  Webmatch)
Weniger ist manchmal mehr: Von gewachsener Komplexität zu klarem Commerce-Fokus.
(Bild: Webmatch)

Jedes Feature hat Folgekosten. Eine neue Suchlösung soll die Conversion verbessern. Dafür müssen Produktdaten übertragen, Schnittstellen eingerichtet und Ergebnisse kontrolliert werden. Ändert sich die Preislogik, sind womöglich mehrere Systeme betroffen. Der Lizenzpreis ist dann nur ein Teil der Rechnung.

Bei der Entscheidung für neue Funktionen zählt oft der erwartete Nutzen. Wie viele Stunden später in Wartung, Tests und Fehlerbehebung fließen, bleibt dagegen unscharf. Besonders teuer wird es, wenn selbst kleine Anpassungen mehrere Dienstleister beschäftigen. Eine Funktion kann technisch überzeugen und wirtschaftlich trotzdem die falsche Entscheidung sein.

Die beste Commerce-Architektur ist nicht die mit den meisten Funktionen oder den wenigsten Tools. Sie erfüllt die Anforderungen des Geschäfts, bleibt beherrschbar und lässt sich verändern, ohne jedes Mal hohe Zusatzkosten auszulösen.

Simon Rabente, Geschäftsführer von Webmatch

Weniger Komplexität, bessere Ergebnisse

Bei einem unserer Kunden aus dem Handel trafen wir auf eine historisch gewachsene Commerce-Architektur. Die Middleware konnte nicht alle Systeme zuverlässig anbinden, die Verantwortlichkeiten für Produktdaten zwischen PIM und ERP waren unklar. Hinzu kam eine Suchlösung, die nicht sauber auf die bestehende Datenlogik abgestimmt war.

Statt weitere Einzellösungen zu ergänzen, haben wir zunächst die Grundlagen neu geordnet: das Shop-System sauber aufgesetzt und das Datenmodell vereinheitlicht. Suche, Produktempfehlungen und Personalisierung wurden anschließend in einer gemeinsamen Lösung gebündelt.

Das Ergebnis: mehr Effizienz im Shop-Management und deutlich verbessere KPI. Entscheidend war nicht die Anzahl der eingesetzten Tools, sondern ihr Zusammenspiel.

Was Veränderung wirklich kostet

Die Total Cost of Ownership umfasst Anschaffung, Einführung und laufenden Betrieb. Für Commerce-Verantwortliche ist eine weitere Größe entscheidend: Was kostet es, das Geschäft zu verändern? In der Branchendebatte wird dafür auch der Begriff Total Cost of Change verwendet.

Ein Händler möchte eine neue Zahlungsart anbieten oder einen zusätzlichen Vertriebskanal erschließen. Muss dafür eine ganze Kette von Systemen angepasst und getestet werden, steigen Aufwand und Vorlaufzeit. Das betrifft nicht allein die IT. Während Wettbewerber neue Angebote ausprobieren, warten andere noch auf Freigaben und Schnittstellenanpassungen. Geschwindigkeit ist deshalb ein wirtschaftlicher Faktor, kein bloßes Technikversprechen.

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