Der Onlinehandel legt stetig zu – auch die Herausforderungen in der Logistik. Auftragsspitzen, neue Kundenwünsche, hohe Rücklaufquoten, Fachkräftemangel, Belastungen für Mitarbeiter. Wie wird sich das Wachstum in Zukunft entwickeln?
(Quelle: Magazino)
Flexibilität ist eines der Schlüsselworte, um den Versandhandel nachhaltig profitabel zu machen. Gleichzeitig ist die bisherige Automatisierungstechnik im Versand für viele Anwendungen zu starr und nicht skalierbar. Fördertechnik oder Shuttle-Lager können, wenn überhaupt, nur mit großem Aufwand erweitert, reduziert oder an einen anderen Standort verlagert werden. In vielen Fällen wird daher für die Kommissionierung einzelner Artikel, insbesondere im Mode- und Sportbereich, die flexibelste aller Möglichkeiten genutzt: der Mensch. Doch gerade im Zusammenhang mit der Corona-Krise sind viele Probleme noch drängender geworden: Mitarbeiter sind nicht wie gewohnt verfügbar und das Auftragsvolumen schwankt extrem.
Neue Technik ermöglicht neue Prozesse
Technologische Fortschritte bei Kameratechnik, Bildverarbeitung, Machine-Learning und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ermöglichen mittlerweile autonomen Systeme wie mobile Pick-Roboter auch in komplexen Welten direkt neben dem Menschen zu arbeiten. Sicherheitszäune braucht es dafür nicht mehr. Das klingt banal – doch für Autonome Systeme ist es eine enorme Herausforderung, sich in einer Welt zurecht zu finden, in der Menschen ständig Veränderungen verursachen.
Die neue Generation von Robotern kann ihre Umwelt immer besser verstehen und in Echtzeit eigene Entscheidungen treffen. Neben dem autonomen Transport von händisch kommissionierten Artikeln gibt es auch Lösungen für die automatische Inventur oder sogar eine Kombination aus „Transport“ und „Greifen“.
(Bild: Magazino)
Kommissionier-Roboter: Transportieren und Greifen in einer Lösung
Genau das kann der mobile Kommissionier-Roboter „Toru“, den das Münchner Robotik-Unternehmen Magazino entwickelt hat. Manuelle Schritte im Prozess, wie das händische Be- oder Entladen des Fahrzeugs, entfallen hier. Toru kann einzelne Artikel wie Schuhkartons, vollständig autonom aus einer Fachbodenanlage greifen, zur Versandstation transportieren und dort wieder abgeben. Retouren werden genauso abgearbeitet. Das Prinzip „Pick-by-Robot“ ist Realität geworden.
Dank 2D- und 3D Kameratechnologie in Kombination mit Algorithmen für die Bilderkennung verschafft sich Toru einen Blick auf die Welt. Nur so ist es möglich, einzelne Artikel im Regal zu identifizieren und zu lokalisieren und anschließend mit einem Vakuumgreifer aus dem Regal zu ziehen.
Über WLAN ist der Roboter nicht nur mit dem Lagerverwaltungssystem verbunden, sondern auch mit einer lokalen und globalen Cloud. Dadurch lernt die Roboterflotte jeden Tag aus den Erfahrungen im Logistikalltag, kann Leistung und Robustheit verbessern und gleichzeitig die Erkenntnisse mit allen Roboter-Kollegen teilen.
Toru arbeitet unter anderem bei Fiege Logistik in Ibbenbüren. Hier pickt die Roboterflotte die Bestellungen aus dem Onlineshop von Deichmann. Auch die Onlineplattform Zalando setzt am Standort Lahr eine Heerschar von Toru-Robotern zur Kommissionierung von Schuhen ein und unterstützt damit die Mitarbeiter vor Ort. Der Sportartikelhersteller Asics zählt zu den neusten Kunden von Magazino. Am Standort Krefeld sind die ersten vier Roboter im European Distribution Center von Asics bereits angekommen.
Mobile Roboter im Lager bringen zahlreiche Vorteile
Nicht nur der „Cost-pro-Pick“ reduziert sich. Roboter im Lager bringen weitere Vorteile: Da sie vollständig autonom arbeiten, können sich auch am Wochenende oder nachts eingesetzt werden. Dadurch lassen sich typische Auftragsspitzen im Onlinehandel besser abfedern. Ein weiteres Plus: die Bestellungen werden schneller bearbeitet, was sich positiv auf die Kundenzufriedenheit auswirkt.
Stand: 16.12.2025
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(Michael Gryszko-Prattes. Bild: Asics)
Michael Gryszko-Prattes, Head of European Distribution Center (EDC) bei Asics beschreibt die Vorteile: „Mit den Magazino-Robotern können wir nicht nur das steigende Auftragsvolumen besser abdecken und unsere Flexibilität bei der Automatisierung sicherstellen, sondern auch unsere Mitarbeiter im EDC beim schnellen Ein- und Auslagern von Bestellungen unterstützen – insbesondere bei sehr kleinteiligen Aufträgen. Wir sehen in dem Roboter Toru zudem die Möglichkeit, bei den Themen Geschwindigkeit, Qualitätssicherung, Same-Day-Order-Processing und Overnight-Picking noch besser zu werden.“
Mobile Roboter – Fazit
Mobile Roboter werden zunehmend wichtiger bei der Automatisierung. Denn Fakt ist, dass ohne Automatisierung viele Herausforderungen im Onlinehandel langfristig nur schwer zu bewältigen sein. Die wichtigsten Aspekte sind dabei: Flexibilität und Skalierbarkeit. In Zeiten der Corona-Pandemie zählt das vielleicht mehr als jemals zuvor.