KI im E-Commerce

Amazon-Listing mit KI optimieren: In Minuten zu mehr Sichtbarkeit

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Ein Durchgang statt drei Abende

Im Praxisfall hat Listimo in einem Durchgang erledigt, wofür ich früher drei Abende gebraucht habe. Nach rund drei Minuten Rechenzeit lagen vor:

  • Ein Titel mit 67 statt 174 Zeichen, also innerhalb der neuen 75-Zeichen-Grenze,
  • Artikel-Highlights, fünf Bulletpoints und eine Beschreibung, die zusammen 12 der 15 gefragten Suchbegriffe enthalten,
  • die versteckten Suchbegriffe mit 208 von 249 Byte,
  • vier Kundenfragen mit Antworten für die Produktseite,
  • neun Bilder, jedes vor der Auslieferung von einer Endkontrolle geprüft,
  • zu jedem wichtigen Suchbegriff die Begründung, warum er in welchem Feld steht,
  • zwei Rückfragen zu Angaben, die gefehlt haben.
Ein Durchgang: Welche Schritte im Praxisfall Listimo übernommen hat und welche der Händler, mit der Dauer je Schritt (Kontrolle geschätzt).(Bild:  Enes Kurt)
Ein Durchgang: Welche Schritte im Praxisfall Listimo übernommen hat und welche der Händler, mit der Dauer je Schritt (Kontrolle geschätzt).
(Bild: Enes Kurt)

Die Amazon-Regeln prüft Listimo selbst: Zeichen- und Byte-Grenzen, Verweise auf andere Produkte, Aussagen ohne Beleg. Die Endprüfung meldete keine offenen Funde. Die beiden beanstandeten Stellen aus meinem alten Listing waren nicht mehr enthalten. Was danach bleibt, kann keine Software abnehmen: der Abgleich mit der Ware.

Prüfliste: Material, Maße, Lieferumfang

Auch die beste Datenbasis ersetzt nicht den letzten Blick des Händlers. Vor dem Hochladen habe ich im Praxisfall vier Punkte gegen Etikett und Ware geprüft. An diesen Stellen führt ein Fehler direkt zu Retouren oder Beanstandungen.

  • 1. Material: Steht die Faserzusammensetzung mit den Bezeichnungen der EU-Textilkennzeichnungsverordnung im Text? Die Verordnung führt die Faser als „Polyacryl“. Ob die Kurzform „Acryl“ abgemahnt werden kann, haben die Oberlandesgerichte München (2016) und Frankfurt (2021) unterschiedlich beurteilt. Im Praxisfall stand „Acryl“ in Text und Infografik, übernommen aus meinen alten Angaben. Das gehört vor dem Hochladen korrigiert.
  • 2. Maße: Stimmen Gewicht, Lauflänge und Fadenstärke in jedem Feld mit dem Etikett überein? Im Praxisfall passten 250 Gramm, rund 1.000 Meter und 2 bis 4 Millimeter Nadelstärke. Die KI hatte aber „vierfädig“ ausgeschrieben. Gesucht wird „4-fädig“.
  • 3. Lieferumfang: Zeigen die Bilder nur, was im Paket liegt? Im Praxisfall zeigt ein zweites Hauptbild ein gehäkeltes Tuch neben dem Garn. Als Anwendungsbeispiel weiter hinten in der Bildstrecke passt es. Auf dem Hauptbild hat es nichts verloren, Listimo warnt selbst davor. Der Fall mit dem Schmucketui zeigt, warum.
  • 4. Belege: Lässt sich jede Eigenschaft mit einer der drei Quellen begründen? Die Formstabilität bleibt draußen. Pflegehinweise und Maschenprobe kommen vom Etikett, nicht aus der KI.

Vorher und nachher: Die Messung

Ob die KI das Listing besser gemacht hat, zeigen vier Zahlen und eine Zeitmessung:

MesspunktVorher (von Hand)Nachher (KI und Kontrolle)
Gefragte Suchbegriffe im sichtbaren Text3 von 1512 von 15
Suchanfragen im Monat, die diese Begriffe abdeckenrund 6.500rund 64.500
Typische Käuferfragen beantwortet7 von 129 von 12
Beanstandete Stellen (Amazon-Regeln, Belege)20
Arbeitszeitrund drei Abenderund 1 Minute Prüfung, 5 Minuten Eingabe, 3 Minuten Rechenzeit, dazu rund 15 Minuten Kontrolle (geschätzt)

Der größte Unterschied liegt bei der Auffindbarkeit. Das neue Listing enthält viermal so viele der gefragten Suchbegriffe und deckt damit fast zehnmal so viele monatliche Suchanfragen ab. Dazu beantwortet es zwei Käufer-Fragen mehr und enthält keine beanstandete Stelle mehr.

Die Zeitersparnis steckt fast vollständig in der Recherche. Suchdaten auswerten und Rezensionen lesen hat mich früher den größten Teil der drei Abende gekostet. Das Prüfen bleibt Handarbeit. Für die Kontrolle gegen Etikett und Ware rechne ich mit rund 15 Minuten, also länger als der ganze Lauf davor. Zusammen sind das rund 25 Minuten statt drei Abende. Wer KI-Listings ungeprüft hochlädt, spart diese Minuten und erbt die Fehler aus der Prüfliste.

Vorher und nachher: Gefragte Suchbegriffe, abgedeckte Suchanfragen, beantwortete Käuferfragen, beanstandete Stellen und Arbeitszeit im Praxisfall.(Enes Kurt)
Vorher und nachher: Gefragte Suchbegriffe, abgedeckte Suchanfragen, beantwortete Käuferfragen, beanstandete Stellen und Arbeitszeit im Praxisfall.
(Enes Kurt)

Bemerkenswert finde ich, welche Lücken übrig blieben. Die Suchlücken hat die KI fast vollständig geschlossen. Die Wissenslücken nicht: Pflege, Schadstoffprüfung und Farbechtheit kann nur beantworten, wer Etikett und Prüfberichte kennt. Genau dort hat die KI nachgefragt, statt etwas zu erfinden.

Eine Zahl fehlt in der Tabelle bewusst: der Umsatz. Ob das neue Listing besser verkauft, zeigt sich erst nach einigen Wochen, und auch dann wirken Preis, Saison und Werbung mit. Gemessen habe ich, was sich am Listing selbst messen lässt.

Fazit Amazon-Listing mit KI: Erst die Quelle, dann der Text

KI verkürzt die Arbeit an einem Amazon-Listing von Abenden auf Minuten. Im Praxisfall enthielt das Ergebnis viermal so viele gefragte Suchbegriffe wie mein handgeschriebener Text und keine beanstandete Stelle mehr. Besser wird ein Listing aber erst, wenn jede Aussage eine Quelle hat und ein Mensch sie gegen die Ware prüft. Im Praxisfall war der wichtigste Handgriff ein menschlicher: die richtige Nische. Wer das am eigenen Sortiment testen will, nimmt sein umsatzstärkstes Listing und macht die Drei-Quellen-Probe: zuerst die meistgesuchten passenden Begriffe der Nische, dann die häufigste Kritik in den Rezensionen der Konkurrenz, zuletzt jede Eigenschaft gegen das Etikett, mit der Prüfliste aus diesem Beitrag.

Amazon ListingEnes Kurt
verkauft seit über zehn Jahren auf Amazon, vor allem Garne für Handarbeit. Aus seiner eigenen Arbeit an Listings hat er Listimo.ai entwickelt, eine Software, die Amazon-Listings mit KI nach dem Drei-Quellen-Prinzip prüft und erstellt. 

Bildquelle: Enes Kurt

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