ECommerce Masterminds Podcast

DMEXCO 2026: Scaling Intelligence – Wenn KI zur Infrastruktur wird

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DMEXCO-Standort Köln & die Gefahr durch totale KI-Optimierung

Warum ist der physische Standort Köln im Jahr 2026 für die E-Commerce-Community eigentlich immer noch so wichtig?

Verena Gründel: Ich würde sagen, er ist sogar wichtiger denn je. Nordrhein-Westfalen ist die Commerce-Hochburg Deutschlands; rund 22 Prozent der deutschen Online-Händler haben hier ihren Sitz. Aber über die geografische Nähe hinaus gilt: Je digitaler unsere Welt wird, desto wertvoller wird die echte Begegnung. Die besten Projekte entstehen nicht im Videocall, sondern beim Kaffee zwischen zwei Sessions oder abends auf einer unserer Standpartys. Vertrauen ist die härteste Währung im Business. Niemand vergibt sechsstellige Budgets an einen Dienstleister, ohne vorher geprüft zu haben, ob die Chemie stimmt. Wenn 40.000 hochkarätige Entscheider zusammenkommen, entsteht eine enorme Wertschöpfung durch zufällige Kontakte. Das macht mich jedes Jahr aufs Neue demütig.

Besteht nicht die Gefahr, dass Marken durch die totale KI-Optimierung komplett austauschbar werden? Wie bewahrt man die „Seele“ eines Shops?

Verena Gründel: Theoretisch besteht diese Gefahr. In der Praxis werden jedoch genau die Dinge den Unterschied machen, die sich eben nicht automatisieren lassen: Haltung, Mut bei der Produktentwicklung, Kreativität und ein wirklich persönlicher Zugang zum Menschen. In den vergangenen Jahren haben wir uns oft in der Optimierung der Conversion-Rate um das letzte Promille verloren. Das wird künftig nicht mehr den Ausschlag geben. Der Wettbewerbsvorteil der Zukunft ist emotionaler Natur.

Zum Abschluss eine kurze Blitzrunde: Welches Tech-Gadget ist für dich diesen Sommer unverzichtbar?

Verena Gründel: Ganz klar meine Garmin-Forerunner-Uhr. Ich bin kürzlich meinen ersten Halbmarathon seit sieben Jahren gelaufen und habe viel dafür trainiert. Ohne die Daten und die Unterstützung dieser Uhr kann ich mir mein Training kaum noch vorstellen.

GLOSSAR

Agentic AI: Eine Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz, bei der Systeme nicht nur auf Anfragen reagieren, sondern proaktiv und autonom Aufgaben planen und ausführen (zum Beispiel eigenständige Preisverhandlungen führen).

Inferenzkosten (Inference Fees): Die laufenden Kosten, die entstehen, wenn ein bereits trainiertes KI-Modell genutzt wird, um Vorhersagen zu treffen oder Inhalte zu generieren.

First-Party-Daten: Daten, die ein Unternehmen direkt von seinen Kunden oder Nutzern sammelt (zum Beispiel durch Käufe im eigenen Shop oder Registrierungen).

Zero-Party-Daten: Informationen, die ein Kunde proaktiv und absichtlich mit einer Marke teilt (zum Beispiel Präferenzen in einem Quiz oder Profilangaben).

Customer Lifetime Value (CLV): Der Gesamtwert, den ein Kunde während seiner gesamten Zeit als Kunde für ein Unternehmen darstellt.

European Media Marketplace: Eine Initiative zur Schaffung eines unabhängigen, europäischen Werbeökosystems als Alternative zu den geschlossenen Systemen der US-Tech-Giganten (Walled Gardens).

KI-Agent oder menschlicher Kurator: Wer baut 2027 die Warenkörbe mit dem höheren Customer Lifetime Value?

Verena Gründel: Ich setze weiterhin auf den menschlichen Kurator. Ein gut ausgebildeter Verkäufer sieht nicht nur Daten, sondern erkennt die Ausstrahlung einer Person. Er gibt das Gefühl, verstanden zu werden, weiß auf den ersten Blick, was mir steht. Das erhöht  die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr massiv. Die KI kann vieles, aber dieses spezifische menschliche Feedback fehlt ihr noch.

Was ist dein ultimativer Tipp für den Messe-Vibe? Tiefschürfendes Panel oder Networking in der Kaffeeschlange?

Verena Gründel: Mein Tipp: Beides kombinieren! Setzt euch in ein Experten-Panel, das euch wirklich interessiert, und sprecht danach direkt euren Sitznachbarn an. Ihr habt sofort ein gemeinsames Thema und einen perfekten Anknüpfungspunkt für ein tiefgreifendes Gespräch.

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