Chatbot-Strategie

Die ChatGPT-Falle: Das Vier-Körbe-Modell rettet den Kundenservice

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Daten hinter dem Login, Handeln statt Antworten & das das Bollwerk Mensch

Korb 2: Daten hinter dem Login

Den Bestellstatus abfragen halten 81 Prozent für eine sinnvolle Aufgabe des Firmen-Bots. Das ist der höchste Wert der ganzen Befragung, und der Grund ist banal: ChatGPT kennt die Bestellnummer nicht.

Hier liegt der bleibende Wert des eigenen Assistenten. Er erkennt eingeloggte Kundinnen und Kunden, greift auf das Profil zu und antwortet persönlich. Kommt jemand über die öffentliche Seite, braucht es eine Legitimation im Chat, etwa über Bestellnummer, Postleitzahl und hinterlegte E-Mail. Ein Energieversorger löst das mit drei Identifikatoren und wickelt danach fünf Service-Prozesse vollständig im Chat ab.

Korb 3: Handeln statt antworten

Ein Bot, der Aktionen ausführt, gilt den Befragten als sinnvoll, mit 3,9 Punkten. Ein Bot für allgemeine Auskünfte nicht mehr. Termin buchen: 69 Prozent. Retoure, Adressänderung, Zahlart wechseln folgen demselben Muster.

Technisch braucht das drei Bausteine. APIs stellen die Daten aus Shop-System, ERP und CRM bereit. Webhooks lösen die Aktion aus, sobald im Chat etwas passiert. Und das Model Context Protocol, kurz MCP, legt sich als Übersetzungsschicht dazwischen, damit nicht für jedes Zielsystem eine eigene Anbindung programmiert werden muss. MCP ist jung und in der Praxis noch selten im Einsatz. Auf die Roadmap gehört es trotzdem.

Der Reihenfolge wegen: erst lesend anbinden, etwa Status-Auskünfte, dann schreibend. Was dabei möglich wird, zeigen zwei dokumentierte Fälle. Ein Energieversorger führt jährlich über 100.000 Unterhaltungen mit einer Automatisierungsrate von rund 90 Prozent. Ein Flughafen kommt auf über 93 Prozent.

Für den Handel liegt der größte Hebel bei der Retoure. Sie ist teuer, sie ist emotional, und sie besteht aus lauter kleinen Schritten: Bestellung finden, Position wählen, Grund erfassen, Label erzeugen, Erstattung ankündigen. Jeder dieser Schritte ist ein API-Aufruf. Wer die Retoure im Chat abschliesst, spart den Medienbruch ins Kundenkonto und senkt die Abbruchquote. Beim Check-out gilt dasselbe Prinzip, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Dort geht es nicht ums Sparen, sondern um Umsatz.

Korb 4: Das Bollwerk Mensch

Persönliche Beratung durch einen Chatbot wünschen nur 31 Prozent. Das ist der niedrigste Wert der Befragung, und er ist eine gute Nachricht.

Reklamationen liegen mit 56 Prozent dazwischen. Der Standardfall darf in den Bot, der strittige nicht. Wichtig ist die Übergabe: Der Bot sammelt Bestellnummer, Anliegen und Verlauf und reicht alles weiter. Niemand soll seine Geschichte zweimal erzählen.

Der teure Umweg

Ich habe die Reihenfolge selbst schon falsch gewählt. In einem Projekt haben wir zuerst den Bot ausgebaut, Schnittstellen angebunden, Dialoge verfeinert. Die Inhaltspflege schoben wir nach hinten. Ein paar Wochen später prüften wir, was die Assistenten über den Kunden erzählten. Sie nannten Konditionen, die seit über einem Jahr nicht mehr galten. Der Bot war brillant, und niemand sprach mit ihm.

Erst als die öffentlichen Inhalte sauber und aktuell im Netz lagen, stimmten auch die Antworten der Assistenten. Seitdem beginne ich mit Korb 1.

Fazit: Sortieren vor Abschalten

Der klassische FAQ-Bot hat verloren, der eigene Assistent nicht. Wer beides verwechselt, schaltet die Schnittstelle zum Kunden ab und überlässt den Kontakt einer Plattform, die ihm nicht gehört.

Machen Sie den Korb-Check: Legen Sie Ihre 50 häufigsten Anfragen auf die vier Körbe. Ist Korb 1 der größte, ist Ihr nächstes Projekt kein Chatbot-Projekt, sondern ein Sichtbarkeits-Projekt.

E-Commerce – Bot – ChatGPT – ChatbotDr. Sophie Hundertmark
forscht am Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern zu Conversational AI und KI-Sichtbarkeit und berät Unternehmen zu Chatbots und generativer KI. 

Bildquelle: Sophie Hundertmark

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