Channel-less Commerce Vom Chatbot zur Storefront: Wie MCP-Server den E-Commerce neu definieren

Ein Gastbeitrag von Jonas Degener 5 min Lesedauer

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GEO bringt künstliche Intelligenz dazu, über ein Produkt zu sprechen. Das Model Context Protocol bringt sie dazu, es zu verkaufen. MCP könnte den E-Commerce auf eine neue Stufe heben.

(Bild:  © Andrii/stock.adobe.com)
(Bild: © Andrii/stock.adobe.com)

DARUM GEHT's

Channel-less Commerce: Kanäle verschwinden nicht, sondern werden austauschbar: Produkte, Preise und Prozesse liegen über standardisierte Schnittstellen vor und können von beliebigen Frontends genutzt werden.

MCP (Model Context Protocol): Ein offener Standard, mit dem KI-Systeme direkt mit Unternehmensanwendungen interagieren können, zum Beispiel Produktsuche, Konfiguration oder Verfügbarkeitsprüfung. Der Chat wird so selbst zur Storefront, ohne dass der Nutzer die KI-Umgebung verlassen muss.

MCP vs. Agentic AI: MCP stellt Daten und Funktionen bereit („Was kann das System?“), ein Agent entscheidet und handelt eigenständig („Welche Fähigkeit nutze ich wann?“). Model Context Protocol liefert damit die Infrastruktur, auf der verlässliche agentische Commerce-Anwendungen erst entstehen können.

Kontrollverschiebung & Kostenmodell: Nutzer bringen ihre eigene KI (und deren Rechenkosten) mit – Unternehmen sparen so Token-Kosten, verlieren aber Kontrolle über Navigation und Customer Journey. Zukünftig gewinnen nicht die schönste Website oder beste SEO, sondern die Unternehmen mit den für KI am leichtesten nutzbaren Schnittstellen.

Wer heute über künstliche Intelligenz im Commerce spricht, meint oft neue Suchgewohnheiten. Kunden fragen zum Beispiel ChatGPT statt Google nach Produktempfehlungen. Unternehmen investieren in GEO (Generative Engine Optimization) beziehungsweise AEO (Answer Engine Optimization) oder eigene Chatbots, damit ihre Inhalte in KI-generierten Antworten erscheinen.

Aber es gibt eine weitere einflussreiche Transformation, die nicht auf der Informationsebene stattfindet, sondern auf der Ebene der Interaktion. Genau hier kommen sogenannte MCP-Server ins Spiel. Sie könnten den nächsten Entwicklungsschritt des digitalen Handels einläuten und einen schon länger gebräuchlichen Begriff zu seiner eigentlichen Bedeutung führen: Channel-less Commerce.

Ohne MCP fehlt Agenten die Verbindung zu den relevanten Unternehmenssystemen (von Dritten). MCP schafft daher die Infrastruktur, auf der verlässliche agentische Commerce-Anwendungen überhaupt erst entstehen können.

Jonas Degener, Business Consultant bei Sybit

Was Channel-less Commerce wirklich bedeutet

Der Begriff „Channel-less“ wird häufig missverstanden. Channel-less Commerce bedeutet nicht, dass Kanäle verschwinden. Vielmehr werden sie austauschbar.

Das heißt: Produkte, Preise, Verfügbarkeiten und Geschäftsprozesse stehen über standardisierte Schnittstellen bereit und können von unterschiedlichen Frontends genutzt werden. Diese Entwicklung begann mit Headless-Commerce-Architekturen, bei denen Frontend und Backend voneinander getrennt werden.

Mit MCP wird dieses Prinzip konsequent weitergedacht. Die Vision: Der wichtigste Zugangskanal zum Commerce wird künftig die KI.

MCP: Vom Informationszugriff zur Systeminteraktion

Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, über den KI-Systeme mit Unternehmensanwendungen kommunizieren können.

Während Sprachmodelle bisher vor allem Informationen bereitstellen oder Empfehlungen geben können, ermöglicht MCP die direkte Interaktion mit Unternehmenssystemen.

Konkret: Ein Hersteller kann einen MCP-Server bereitstellen, den Nutzer in ihrem persönlichen ChatGPT-, Gemini- oder Claude-Account aktivieren. Die KI erhält dadurch Zugriff auf definierte Funktionen wie Produktsuche, Konfiguration, Verfügbarkeitsprüfung oder Angebotsanfragen.

Model Context Protocol: Ein BEISPIEL

Ein Sportartikelhersteller stellt einen MCP-Server für seine Commerce-Plattform bereit. Ein Kunde installiert diesen in seinem persönlichen KI-Assistenten. Fragt er anschließend: „Ich suche einen Laufschuh für Halbmarathons, maximal 180 Euro“, erhält er nicht nur eine textliche Empfehlung.

Stattdessen erscheint direkt im Chat ein interaktives Fenster des Herstellers. Darin werden passende Modelle angezeigt, Größen können ausgewählt, Produkte verglichen und weitere Fragen gestellt werden. Der Nutzer interagiert weiterhin mit seinem gewohnten KI-Assistenten, greift im Hintergrund aber bereits auf die Systeme des Herstellers zu. Fast das Beste daran: keine Halluzination in den Antworten, weil die KI auf eine saubere Datenbasis zugreifen kann. Die KI nutzt also die tatsächlichen Commerce-Funktionen des Unternehmens. Der Chat wird damit selbst zur Storefront und der Nutzer verlässt die KI-Umgebung nicht mehr zwangsläufig, um einen Prozess fortzusetzen.

MCP ist nicht gleich Agentic AI

MCP und KI-Agenten werden häufig verwechselt, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Ein MCP-Server stellt Daten und Funktionen bereit. Ein Agent trifft eigenständig Entscheidungen und führt Aufgaben aus. MCP beantwortet die Frage: „Was kann das System?“ Agenten beantworten die Frage: „Welche dieser Fähigkeiten nutze ich wann?“

Ohne MCP fehlt Agenten jedoch die Verbindung zu den relevanten Unternehmenssystemen (von Dritten). Model Context Protocol schafft daher die Infrastruktur, auf der verlässliche agentische Commerce-Anwendungen überhaupt erst entstehen können.

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