ECommerce Masterminds Podcast DMEXCO 2026: Scaling Intelligence – Wenn KI zur Infrastruktur wird

Das Gespräch führte Heiner Sieger 7 min Lesedauer

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KI ist kein Trend mehr, sondern die Basis. Doch wie bewahren Marken ihre Identität, wenn Technologie demokratisiert wird? Verena Gründel, Host der DMEXCO 2026, spricht über die „KI-Rentabilitätskrise“, den Schutz der Datensouveränität und warum echte Begegnungen wertvoller sind denn je.

(Bild:  DMEXCO)
(Bild: DMEXCO)

DARUM GEHT'S

Differenzierung im KI-Zeitalter: Warum menschliche Kreativität und Markenvertrauen in einer Welt automatisierter Prozesse zu den entscheidenden Wettbewerbsvorteilen werden.

Wirtschaftlichkeit der Intelligenz: Strategien gegen die „KI-Rentabilitätskrise“ und wie Händler die explodierenden Inferenzkosten in profitables Wachstum verwandeln.

Digitale Souveränität: Der Aufstieg europäischer Werbe- und Datenallianzen als Gegengewicht zu den globalen Big-Tech-Plattformen.

In der digitalen Wirtschaft steigt die Spannung. In wenigen Wochen öffnet die DMEXCO in Köln ihre Tore. Heiner Sieger, Chefredakteur des e-commerce Magazins, spricht mit der Frau, die seit drei Jahren die Geschicke der Messe leitet und die Branche durch die stürmische KI-Transformation begleitet hat.

Verena, acht Wochen vor der DMEXCO 2026 schlägt der Puls sicher schon höher. Wie würdest du dein aktuelles Stresslevel beschreiben?

Verena Gründel: Tatsächlich sind die letzten Wochen vor der Veranstaltung immer besonders intensiv. Aktuell steigt die Kurve spürbar an, aber ehrlich gesagt macht genau dieses Kribbeln den Reiz aus. Jeder, der im Eventbusiness tätig ist, liebt diesen Moment, wenn sich das Puzzle nach einem Jahr harter Arbeit endlich zusammensetzt. Wir sehen jetzt, wie aus vielen einzelnen Ideen ein fertiges Produkt entsteht. Auch wenn der Puls deutlich über dem Ruhewert liegt, ist es eine unglaublich schöne Phase.

Wo entsteht künftig noch der echte Wettbewerbsvorteil? Ich bin überzeugt, dass es weniger um die bloße Prozessoptimierung mit KI geht, sondern vielmehr um das Kundenerlebnis und das Thema Vertrauen.

Verena Gründel, Director Brand & Communications der DMEXCO

Die digitale Welt dreht sich schneller als je zuvor. Wenn wir auf die kommende Messe im September blicken: Was ist das zentrale Problem der E-Commerce-Entscheider, für das ihr in diesem Jahr die Arena bereitet?

Verena Gründel: Es gibt nicht die eine, isolierte Herausforderung, da die Branche sehr fragmentiert ist. Doch eine Kernfrage treibt fast alle um: Wie setze ich mich im KI-Zeitalter noch gegen den Wettbewerb durch? Wir erleben derzeit, dass KI und Technologie immer mehr zur reinen Infrastruktur werden. Automatisierung und effiziente Prozesse sind bald Standard. Wenn aber jeder diese Werkzeuge nutzt, stellt sich die Frage nach dem Unterscheidungsmerkmal. Wo entsteht künftig noch der echte Wettbewerbsvorteil? Ich bin überzeugt, dass es weniger um die bloße Prozessoptimierung mit KI geht, sondern vielmehr um das Kundenerlebnis und das Thema Vertrauen. Eine aktuelle Umfrage von uns zeigt, dass 65 Prozent der Menschen dem stationären Handel immer noch mehr vertrauen als Online-Plattformen. Marken müssen also lernen, dieses Vertrauen digital aufzubauen und auszustrahlen und menschliche Nähe zu simulieren oder zu bewahren.

Hören Sie sich das ausführliche Interview mit Verena Gründel in unserem ECOMMERCE MASTERMINDS PODCAST an

Wir befinden uns im Zeitalter der „Agentic AI“. KI-Systeme verhandeln heute autonom mit Lieferanten und Kunden. Wie bereitet die DMEXCO den Mittelstand darauf vor, hier die Kontrolle zu behalten, wenn Maschinen unter sich Geschäfte machen?

Verena Gründel: Mein Eindruck ist, dass wir hier noch am Anfang stehen. Das Szenario, in dem Maschinen völlig autonom voneinander kaufen, wird zwar viel diskutiert, in der Praxis gibt es aber noch Hürden. Das Thema Halluzinationen bei KI-Modellen ist noch nicht vollständig gelöst, und gerade im B2B-Bereich bleibt die direkte Verhandlung von Mensch zu Mensch essenziell für den Vertrauensaufbau. Wir kennen das Beispiel des selbstbefüllenden Kühlschranks seit 15 Jahren – technisch möglich, aber bisher kaum etabliert. Dennoch beeinflusst KI die Kaufentscheidungen massiv. Wir müssen den Mittelstand motivieren, mutiger zu investieren und zu testen. Auf der DMEXCO bieten wir dafür dieses Jahr zum ersten Mal einen zweitägigen Commerce Summit an. In unserer Commerce Lounge schaffen wir einen Ort für den direkten Dialog. Dieser persönliche Austausch ist oft der beste Reality-Check, um zu sehen, wie andere Unternehmen diese Herausforderungen konkret angehen.

Ein Thema, das Händlern diesen Sommer besonders unter den Nägeln brennt, sind die explodierenden Inferenzgebühren. Die Kosten für den Betrieb fertiger KI-Modelle fressen oft die Margen auf. Wie adressiert ihr diese KI-Rentabilitätskrise?

Verena Gründel: Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte DMEXCO. Unter unserem Motto „Scaling Intelligence“ diskutieren wir die Wirtschaftlichkeit von KI in allen Dimensionen – vom Thought Leaders‘ Summit auf der Center Stage bis zum CMO Summit. Wir müssen Wege finden, wie wir mehr Wert aus der KI generieren, als wir an Budget hineinstecken. Ein konkreter Tipp von mir sind die Learning Journeys unseres Partnerverbands BVDW. Bei dem neuen, interaktiven Thought-Leader-Format erhalten kleine Gruppen fundierte Einblicke von ausgewählten Austellern in erfolgreiche Praxisbeispiele und effiziente Geschäftsmodelle. Wir werden die Infrastrukturkosten kaum massiv senken können, also müssen wir die Monetarisierung auf der Erlösseite optimieren.

DIE GESPRÄCHSPARTNERIN

Verena Gründel ist seit zweieinhalb Jahren als Director Brand & Communications die offizielle Gastgeberin der DMEXCO in Köln. In ihrer Rolle als „Außenministerin“ der Messe verantwortet sie die strategische Ausrichtung und Kommunikation von Europas führendem Event für die digitale Wirtschaft.

DMEXCO – 2026 – Scaling Intelligence
(Bild: DMEXCO)

Wir sehen eine Verschmelzung von Retail Media, Social Commerce und Plattformen wie TikTok. Wie hilft die DMEXCO Marken dabei, in diesem fragmentierten Markt die Hoheit über ihre First-Party-Daten zu behalten?

Verena Gründel: Viele Marken sind immer noch dabei, ihre First-Party-Daten-Strategie überhaupt erst aufzubauen. Das ist erstaunlich, da wir seit Jahren über das Ende der Cookies sprechen. KI erhöht den Druck massiv: Wer seine Kunden nicht wirklich kennt, skaliert dieses Problem durch KI nur weiter. Die Lösung liegt in geschickten Partnerschaften, um Datenschätze datenschutzkonform zu teilen, aber auch im Fokus auf Zero-Party-Daten. Es geht darum, die Kundenbeziehung so menschlich und attraktiv zu gestalten, dass der Kunde Daten freiwillig teilt. Marken müssen aufpassen, sich nicht zu sehr von einzelnen Werbeplattformen abhängig zu machen. Manchmal ist es strategisch klüger, auf ein Stück Reichweite zu verzichten, um die direkte Kundenbeziehung zu stärken.

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