Interview

Payment im Agentic Commerce: Vertrauen wird zur zentralen Händleraufgabe

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Compliance, Backend-Prozesse & Account-to-Account

Ein zentrales Thema ist Agentic Commerce. Wie stellen Sie sicher, dass Vertrauen und Compliance gewahrt bleiben, wenn KI im Auftrag des Konsumenten eigenständig bezahlt?

Sarah Barslund Lauridsen: Das ist tatsächlich die entscheidende Frage. Wichtig ist zunächst: Wir bauen auf bestehenden Payment-Infrastrukturen und Sicherheitsmechanismen auf. Wir erfinden das System nicht neu, sondern erweitern es.

Der zentrale Unterschied liegt in der Einführung von Mandaten. Der Konsument definiert im Voraus, was ein Agent tun darf – zum Beispiel, wie oft er etwas kaufen darf, welche Preisgrenzen gelten, wie lange das Mandat gültig ist und welche Zahlungsmethode verwendet werden soll.

Unsere Aufgabe besteht darin, diese menschlich formulierten Vorgaben in maschinenlesbare Regeln zu übersetzen. Der Zahlungsprozess wird dann zum Punkt, an dem überprüft wird, ob eine Transaktion diesen Regeln entspricht. Wenn das nicht der Fall ist, wird sie gestoppt oder hinterfragt.

Technisch sprechen wir hier über Themen wie kryptografische Signaturen, Audit-Trails und neue Protokolle für Zahlungsmandate. Parallel dazu entstehen branchenweite Standards, etwa durch Initiativen von Google oder andere Spezifikationen, die sich mit der Abbildung von Konsumentenintention beschäftigen. Diese Grundlagen müssen sauber definiert sein, bevor autonome Zahlungsprozesse in großem Maßstab Realität werden.

Sie haben mit dem MCP-Server eine neue Infrastruktur geschaffen. Wie nutzen Händler diese sinnvoll?

Sarah Barslund Lauridsen: Der MCP-Server richtet sich in erster Linie an Händler, die selbst KI-Agenten einsetzen. Früher hat ein Mitarbeiter beispielsweise ein Portal geöffnet, um eine bestimmte Transaktion zu suchen. Heute kann ein Agent diese Aufgabe übernehmen.

Der Agent wird über eine sichere Schnittstelle mit unseren Systemen verbunden und kann dann gezielt Abfragen stellen, etwa zu bestimmten Zahlungen. Das reduziert manuellen Aufwand und macht Prozesse effizienter. Im Kern geht es darum, bestehende Funktionalitäten in eine agentenbasierte Arbeitsweise zu überführen.

GLOSSAR

A2A-Zahlungen: Check-out beschleunigen und Kosten senken

Answer Engine Optimization (AEO): Optimierung von Inhalten für KI-basierte Antwortsysteme

Account-to-Account (A2A): Direktüberweisungen zwischen Bankkonten ohne Kartennetzwerke

MCP (Model Context Protocol): Schnittstelle zur Integration von KI-Agenten in Payment-Systeme

KI verändert auch Backend-Prozesse wie das Onboarding. Was bedeutet das konkret für Händler?

Sarah Barslund Lauridsen: Onboarding ist traditionell ein sehr dokumentenintensiver Prozess. Es geht darum, Dokumente zu prüfen, Daten zu extrahieren, Informationen zu validieren und mit externen Datenbanken abzugleichen. Genau diese Aufgaben sind prädestiniert für den Einsatz von KI.

Wir können damit viele manuelle Schritte automatisieren und Prozesse deutlich beschleunigen. Gleichzeitig bleibt die regulatorische Tiefe vollständig erhalten. Es geht nicht darum, Anforderungen zu reduzieren, sondern sie effizienter zu erfüllen.

Gerade für kleine Händler ist das ein wichtiger Punkt. Onboarding kann komplex und frustrierend sein. Hier bietet KI auch die Möglichkeit, Nutzer aktiv durch den Prozess zu führen und sicherzustellen, dass die richtigen Dokumente bereitgestellt werden.

Account-to-Account-Zahlungen und Open Banking gewinnen an Bedeutung. Wie verändert das den Checkout und was bedeutet das für Händler?

Sarah Barslund Lauridsen: Auch hier gilt unser agnostischer Ansatz. Account-to-Account ist ein wichtiger Bestandteil des Payment-Mix. Man muss allerdings unterscheiden: Es gibt Wallet-basierte Lösungen, die bereits sehr etabliert sind, und es gibt Open-Banking-basierte Zahlungen, die sich noch in der Entwicklung befinden.

In vielen Märkten sehen wir bereits heute, dass ein Großteil der Transaktionen über Wallets abgewickelt wird, oft mit Kontoanbindung im Hintergrund. Open Banking ist für bestimmte Anwendungsfälle sehr attraktiv, hat aber auch gewisse Einschränkungen. Für Händler bedeutet das: Sie sollten genau prüfen, welche Methode für welchen Use Case den größten Mehrwert bietet. Wir unterstützen sie dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

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