E-Commerce-Schule: Shopify Onlineshop mit Shopify: So gelingt der Wechsel im laufenden Business – Teil 8

Ein Gastbeitrag von Pia Schratzenstaller 11 min Lesedauer

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Das e-commerce magazin führt in der E-Commerce-Schule zu Shopify durch die wichtigsten Schritte zur Eröffnung eines Onlineshops – praxisnah und direkt umsetzbar. Im achten Teil lernt Ihr, wie Ihr Euren Shop auf eine neue Plattform migriert und was Ihr dafür braucht.

(Bild:  © Dennis/stock.adobe.com)
(Bild: © Dennis/stock.adobe.com)

Wer online verkauft, braucht heute mehr als einen guten Onlineshop. Das e-commerce magazin begleitet Euch in der E-Commerce-Schule Schritt für Schritt beim Aufbau eurer weiteren Absatzkanäle mit Hilfe von Shopify. Im. Im achten Teil erhart Ihr, wie Ihr Euren Shop im laufenden Betrieb auf eine neue Plattform migriert und was Ihr dafür braucht:

  • Eine erfolgreiche Migration beginnt mit der Definition von Geschäftszielen.
  • Strategie und Planung sind das A und O für den reibungslosen Wechsel.
  • Unterstützung und Begleitung gibt es von Shopify und seinen externen Partnern.

Eine E-Commerce-Plattform sollte Eurem Business die nötige Flexibilität für Wachstum und Skalierung bieten. Sobald Eure Bestellzahlen wachsen, Ihr neue Märkte oder Verkaufskanäle erschließen möchtet, braucht Ihr neue Schnittstellen und Integrationsmöglichkeiten, und das solltet Ihr mit einer einfachen technischen Wartung aufrechterhalten können. All das sind hohe Anforderungen, die ein Shopsystem erfüllen muss. 

Kann es das nicht leisten, wird es stattdessen zum Hemmnis Eures Unternehmenserfolgs und es wird vermutlich Zeit, sich nach einer neuen Plattform umzuschauen. Die gute Nachricht: Eine Plattform-Migration muss heute kein riskantes Mammutprojekt mehr sein. Mit einer strukturierten Vorbereitung lässt sich der Wechsel im laufenden Betrieb mit keinen beziehungsweise möglichst geringen Beeinträchtigungen des Kundenerlebnisses realisieren.

Im Alleingang oder mit externer Unterstützung

Es ist möglich, einen Plattformwechsel vollständig in Eigenregie durchzuführen, aber es gibt auch gute Gründe dafür, sich Unterstützung zu holen. Fehlen die Kapazitäten beim Personal oder das Know-how, ist es sinnvoll, sich einem erfahrenen Sparringspartner anzuvertrauen, der Euch zudem wertvolle Empfehlungen und Anregungen geben kann. Gerade bei komplexeren Onlineshops, die sich sowohl an B2B- und B2C-Kunden richten oder auf mehreren internationalen Märkten präsent sind, ist es sinnvoll, einen externen Partner zu engagieren. 

Shopify steht Euch zur Seite und bietet das deutschsprachige Help Center mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen an. Zudem findet Ihr auf dem deutschsprachigen YouTube-Kanal von Shopify hilfreiche Tutorials, falls Ihr Euer Team für die neue Plattform schulen wollt. Im Backend kann außerdem unser KI-Assistent Sidekick Euch bei der Migration begleiten und Fehlermeldungen einordnen. 

Falls die Entscheidung doch auf externe Hilfe fällt, findet Ihr hier eine offizielle Liste mit Shopify-Partnern. Das sind Agenturen, die darauf spezialisiert sind, Plattform-Migrationen umzusetzen und zu begleiten. 

Phase 1 – Pre-Launch: Analyse, Planung und Vorbereitung

Damit die Migration im laufenden Onlinebetrieb reibungslos gelingt, braucht es eine klare Strategie, realistische Ziele und einen strukturierten Plan. Der genaue Ablauf hängt von der Größe des Shops ab, von der bestehenden Systemlandschaft und dem gewählten Migrationsmodell. 

Schritt 1: Analyse des Ist-Zustands und Eurer Ziele

Zu Beginn sollte eine Bestandsaufnahme des aktuellen Onlineshops erfolgen und geklärt werden, warum die Migration auf eine andere Plattform überhaupt notwendig ist. Dabei sollten nicht nur die technischen Probleme aufgelistet, sondern auch die Unternehmens- und Wachstumsziele definiert werden, die Ihr mit der neuen Plattform erreichen möchtet. 

Wollt Ihr mit der neuen Plattform neue Märkte erschließen? Oder geht es Euch primär darum, den Kunden eine bessere Ladegeschwindigkeit zu bieten? Vielleicht wollt ihr vor allem  euren wachsenden TikTok Shop und andere Vertriebskanäle zentralisiert auf einer Plattform bündeln? 

Um das herauszufinden und zu definieren, braucht es eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Daten und Abhängigkeiten aller Systeme. Dazu gehören zum Beispiel das ERP-System, das CRM, die Produktdatenverwaltung, Eure Zahlungsanbieter und Versanddienstleister oder Apps und individuelle Schnittstellen.

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Schritt 2: Der Anforderungskatalog

Erstellt nun einen Anforderungskatalog für die neue Plattform. Dabei werden alle vorhandenen Prozesse hinterfragt und analysiert, welche Sonderlösung in Zukunft wegfallen soll. Anschließend strukturiert Ihr den Anforderungskatalog nach Prioritäten, um die Plattform-Migration fokussierter und effizienter zu planen. Diese Anforderung könnt Ihr beispielsweise so anordnen: 

  • 1. Unverzichtbar von Anfang an
  • 2. Wichtig für eine spätere Erweiterungsstufe
  • 3. Nice-to-have oder optional
Einer Analyse von Shopify zufolge laden Shopify-Stores rund 1,8-mal schneller als Stores auf anderen Plattformen. Untersuchungen zeigen zudem, dass sich kürzere Ladezeiten positiv auf die Conversion auswirken. (Bild:  Shopify)
Einer Analyse von Shopify zufolge laden Shopify-Stores rund 1,8-mal schneller als Stores auf anderen Plattformen. Untersuchungen zeigen zudem, dass sich kürzere Ladezeiten positiv auf die Conversion auswirken.
(Bild: Shopify)

Schritt 3: Auswahl der richtigen Plattform

Nach der Analyse sollten Eure Business-Ziele feststehen und damit auch klar sein, welche Anforderungen Ihr an die neue Plattform stellt. Auf dieser Basis könnt Ihr eine geeignete E-Commerce-Plattform auswählen und dabei die langfristige Entwicklung des Shops berücksichtigen. Achtet vor allem darauf, dass die neue Plattform wirklich all Eure Anforderungen abdeckt: Plant Ihr eine Auslandsexpansion, dann sollte Euer Shop zuverlässig in allen Märkten funktionieren, in denen Ihr aktiv seid oder es werden möchtet. Ebenso wichtig ist, ob sämtliche Zahlungsanbieter unterstützt werden, auf die Ihr Euch verlasst. Betreibt Ihr zusätzlich einen stationären Laden, lohnt sich ein genauer Blick darauf, ob und wie sich dieser in das neue System einbinden lässt. Ob Eure neue Plattform zur Channel-Strategie passt, könnt Ihr in Teil 6 der E-Commerce-Schule nachlesen.

Weitere wichtige Auswahlkriterien sind der Kostenaufwand, die verfügbaren Integrationsmöglichkeiten und Schnittstellen sowie Sicherheitsaspekte und der Wartungsaufwand. Und selbst Händler mit kleineren Websites sollten die Ladezeiten des Onlineshops nicht unterschätzen. Kunden stöbern lieber und länger auf Webseiten, die schnell laden, denn lange Ladezeiten kosten auf Dauer Geduld und führen zu höheren Absprungraten. 

Schritt 4: Der Migrationsplan

Erstellt einen umfassenden Migrationsplan, in dem Ihr festhaltet, welche Daten, Funktionen und Integrationen zu welchem Zeitpunkt übertragen werden sollen und wer dafür verantwortlich ist. Beachtet dabei auch, ob der Zeitpunkt für den finalen Umzug gut gewählt ist (siehe Schritt 9).

Die Migration von Kunden-, Bestell- und Produktdaten von einer anderen Plattform zu Shopify will gut geplant sein.(Bild:  Shopify)
Die Migration von Kunden-, Bestell- und Produktdaten von einer anderen Plattform zu Shopify will gut geplant sein.
(Bild: Shopify)

Dieser Migrationsplan ist der Dreh- und Angelpunkt für alle weiteren Schritte, auf welche wir in diesem Beitrag eingehen werden, das umfasst die Datenmigration, das Shopdesign und die Benutzerführung, die Produkt- und Kategoriestrukturen sowie Apps und Schnittstellen. 

Zudem beachtet auch die technischen Aspekte wie SEO und GEO für die Auffindbarkeit Eures Shops, dann die Zahlungs- und Versandprozesse, das Tracking, den Datenschutz und Zugangsberechtigungen für jene, die den Shop weiterhin technisch instand halten. 

Zuletzt solltet Ihr Schulungen einplanen sowie Testphasen, die Qualitätssicherung und den eigentlichen Launch-Termin mit einem Zeitpuffer für Nachkontrollen. 

Es kann nicht schaden, Eure Abhängigkeiten und Rückfalloptionen festzuhalten. Bei größeren Shops ist es sinnvoll, eine Roadmap mit Zwischenzielen oder Meilensteinen zu erstellen. Dann könnt Ihr frühzeitig erkennen, ob einzelne Arbeitspakete vom Zeitplan oder vom Budget abweichen. 

Falls das zu viele Informationen auf einmal waren, hier findet Ihr einen detaillierten Leitfaden. 

Schritt 5: Die Datenübertragung

Die Datenmigration ist einer der sensibelsten Schritte in der Plattform-Migration. Bevor Ihr diesen Schritt angeht, ist es sinnvoll zu hinterfragen, ob wirklich alle Daten umziehen müssen. Prüft das System auf doppelte oder veraltete Einträge, uneinheitliche Formate und darauf, welche Daten insgesamt zukünftig noch benötigt werden oder ob bestimmte Daten vor der Migration gelöscht werden können.

Tipp: Eine Übertragung von Produkten kann mittels einer einfachen CSV-Datei erfolgen.(Bild:  Shopify)
Tipp: Eine Übertragung von Produkten kann mittels einer einfachen CSV-Datei erfolgen.
(Bild: Shopify)

Legt außerdem fest, wie Ihr mit sensiblen Daten und Kundenkonten umgehen möchtet. Kundendatensätze lassen sich übertragen, bestehende Passwörter dagegen nicht. Bei Shopifys aktuellen Kundenkonten melden sich Eure Kunden ohne Passwort über einen einmaligen Code per E-Mail an, eine erneute Registrierung ist dafür nicht nötig. Hier ist es wichtig, sie proaktiv und rechtzeitig über den neuen Anmeldeprozess zu informieren, zum Beispiel per E-Mail. 

Denkt auch an Geschenkkarten und Kundenguthaben: Nicht eingelöste Beträge sind eine Verbindlichkeit gegenüber Euren Kunden und sollten vollständig mit umziehen. Das ist möglich über Migrations-Apps oder die API.

Bei einer Migration ist der Datenschutz nicht zu unterschätzen, denn hier werden personenbezogene Kundendaten verarbeitet. Prüft deshalb, ob mit der neuen Plattform und allen beteiligten Dienstleistern Verträge zur Auftragsverarbeitung vorliegen. Prüft außerdem, ob Eure Datenschutzerklärung noch aktuell ist. Übertragt nur jene Daten, die Ihr wirklich benötigt, und legt fest, wann und wie die Daten im alten System gelöscht werden. Vergebt im neuen Shop außerdem nur die Zugriffsrechte, die Euer Team tatsächlich braucht. So minimiert Ihr das Risiko für  Verletzungen des Datenschutzes. 

Von Shopify-Seite steht Euch die kostenlose App Store Migration zur Verfügung. Damit importiert Ihr Produkt- und Kundendaten entweder per CSV-Upload oder direkt aus dem alten System. Das ist bei kompatiblen Plattformen wie WooCommerce, Wix, Etsy, Square, Amazon, eBay, Clover oder Lightspeed möglich und macht die Übertragung der Daten leichter. Bestellungen, Kollektionen, Menüs, Blogbeiträge oder Rezensionen kann sie allerdings nicht übertragen. 

Größere Shops mit komplexeren Anforderungen können einen Shopify-Partner beauftragen, der bei Bedarf eine individuelle Migrationslösung über die Shopify API entwickelt. Welche Daten sich auf welchem Weg übertragen lassen und in welcher Reihenfolge der Import erfolgen sollte, erklärt das Shopify Help Center in einem ausführlichen Migrationsleitfaden.

Schritt 6: Umsetzung von Design, Funktionen und Integrationen

Parallel zur Datenübertragung – oder sobald die Datenstruktur steht – geht es an das Frontend. Wichtig dabei ist eine logische Navigation des Shops, welches Template Ihr verwenden möchtet und welche Funktionen, Verkaufskanäle oder externe Systeme eingebunden werden müssen. Versucht, Euch vom alten Shop zu lösen und ihn nicht einfach nachzubauen. Es ist sinnvoll genau zu prüfen, welche Funktionen oder Erweiterungen beibehalten werden sollten und wo Optimierungspotenzial liegt. Damit reduziert Ihr Fehlerquellen, den Entwicklungsaufwand und verschlankt technische Abhängigkeiten. 

Schritt 7: SEO- und GEO-Struktur übertragen

Parallel zum Migrationsplan solltet Ihr auch die notwendigen SEO- und GEO-Anpassungen inklusive einer vollständigen URL-Liste und eines Weiterleitungskonzepts einplanen.

URLs, Inhalte und technische Signale müssen von der alten Plattform korrekt übernommen werden, damit der Plattformwechsel die Sichtbarkeit des Onlineshops in Suchmaschinen oder KI-Chatbots nicht beeinträchtigt. Ist es nicht möglich, die URLs unverändert zu übernehmen, sollte jede alte URL dauerhaft auf die entsprechende neue Seite weiterleiten. Ebenso wichtig sind die Übernahme relevanter Meta-Daten, korrekte Canonical-Tags, interne Verlinkungen und strukturierte Daten. Aktualisiert außerdem die XML-Sitemap und prüft die robots.txt. Nach dem Umzug solltet Ihr Fehlerseiten, Weiterleitungen und Ladegeschwindigkeit engmaschig kontrollieren und nicht mehr benötigte Inhalte gezielt bereinigen.

Schritt 8: Testen, testen, testen

Vor dem Start sollten alle Abläufe unter realistischen Bedingungen getestet werden. Am besten ist es auch, Eure Mitarbeitenden aus den verschiedenen Abteilungen in diesen Prozess einzubeziehen. Sie kennen die täglichen Abläufe vom Bestelleingang bis hin zum Versand und entdecken häufig Probleme, die in einer rein technischen Prüfung unbemerkt bleiben.

Die folgende Checkliste solltet Ihr dabei auf jeden Fall durcharbeiten:

  • Funktionierende Produktsuche und Filter
  • Einwandfreier Warenkorb und Check-out
  • Steuerberechnung, Bestandsabgleich und Rückerstattungen
  • Funktionierende Gutscheine und Rabatte
  • Kommen Bestellbestätigungen an?
  • Funktionierende Kundenkonten
  • Eine gute mobile Darstellung
  • ERP- und Lagerabgleich
  • Weiterleitungen
  • Belastung bei hohem Traffic
  • Testbestellungen mit den relevanten Zahlungsarten, Lieferadressen und Versandtarifen